Fortschritte beim Bluttest auf Alzheimer

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Auf der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) 2020 haben Wissenschaftler vielversprechende Resultate mehrerer Studien zu Bluttests auf abnormale Versionen des Tau-Proteins vorgestellt.

Speziell konzentrieren sich die Berichte auf eine bestimmte Form von Tau, die als P-Tau217 bekannt ist. Diese scheint die spezifischste für Alzheimer zu sein und als erste messbare Veränderungen anzuzeigen.

Es wird angenommen, dass der Aufbau von Tau in enger Korrelation mit dem Schwund der Geisteskräfte steht. Die neu bekannt gegebenen Resultate legen nahe, dass Blut-/Plasma-Spiegel von P-Tau217, einer der Formen von Tau, die in Bündeln zu finden sind, ebenfalls eine enge Korrelation mit dem Aufbau von Amyloid besitzen.

P-Tau217 im Blut stellt Alzheimer mit hoher Genauigkeit fest

Wie auf der AAIC 2020 berichtet, hat ein internationales Team von Forschern einen höchst zuverlässigen Blut-Biomarker zur Feststellung von Alzheimer gefunden. Die Spiegel von P-Tau217 im Blut wurden gemessen und die Ergebnisse in mehreren und vielfältigen Populationen bestätigt. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Genauigkeit der Diagnose mittels P-Tau217 im Blut genauso hoch war wie etablierte Diagnosemethoden, darunter Bildgebung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Biomarker im Liquor.

Das Forscherteam von der schwedischen Universität Lund, Schweden, untersuchte in Kooperation mit Kollegen aus den USA drei unterschiedliche Patientengruppen mit mehr als 1400 Fällen, darunter eine große klinische Studie in Schweden, eine Patientengruppe mit neuropathologischer Bestätigung von Alzheimer und eine große Familie mit genetisch verursachtem Alzheimer aus Kolumbien. Sie analysierten weitere, aktuelle, experimentelle Biomarker (P-Tau217, P-Tau181, Aβ42/40 und leichte Neurofilament-Kette) in Blut und Zerebrospinalflüssigkeit und führten PET-Bildgebung auf Tau- und Amyloid-Pathologie durch.

Das wichtigste Ergebnis der Studie lautete, dass P-Tau217 im Blut Alzheimer mit einer Diagnosegenauigkeit zwischen 89 und 98 Prozent von anderen neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden konnte. In dieser Studie war P-Tau217 zur Bestimmung von Alzheimer genauer als blutbasierte Tests auf P-Tau181, leichte Neurofilamente oder das Amyloid-Beta-42/40-Verhältnis sowie die Kernspintomographie (MRT). Tatsächlich ähnelte die Leistung den Forschern der PET-Bildgebung und der Bestimmung von Biomarkern im Liquor.

Die Forscher kamen zudem zu dem Ergebnis, dass die Analyse von P-Tau217 in Blut, das in vivo entnommen wurde, Tau-Veränderungen des Gehirns feststellen konnte, die in Hirngewebe nach dem Tod gemessen wurden. Es wird angenommen, dass diese Veränderungen des Gehirn-Taus in Korrelation zum Aufbau von Amyloid-Ablagerungen stehen. Mittels P-Tau217 konnten Personen, die Ablagerungen und Bündel aufwiesen, mit einer Genauigkeit von 89 Prozent von Personen unterschieden werden, welche keine Alzheimer-Pathologie zeigten. Für Personen mit Ablagerungen und umfassenderen Bündeln betrug die Genauigkeit 98 Prozent – das Ergebnis von PET-Bildgebung beträgt 93 Prozent.

Die Spiegel von P-Tau217 waren bei Alzheimer circa siebenfach erhöht. Bei Personen mit einem Gen, das Alzheimer verursacht, begann der Anstieg der Spiegel bereits 20 Jahre vor dem Einsetzen kognitiver Einschränkungen. “Wenn dieser Test verifiziert und bestätigt ist, eröffnet er die Möglichkeit einer frühen Diagnose von Alzheimer vor dem Stadium der Demenz. Dies ist für klinische Studien, welche neue Therapien bewerten, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamen oder beenden könnten, äußerst wichtig”, sagte Dr.Oskar Hansson.

Amyloid und P-Tau im Blut sind präzise Marker von Hirn-Amyloidose und Tauopathie

Um die Forschung an einem Bluttest für Alzheimer voranzubringen, untersuchten auch Wissenschaftler der Washington University in St. Louis, USA, den Wert einer Vielzahl von Amyloid- und Tau-Messungen im Blut.

Die Forscher nutzten Massenspektrometrie, um das Tau-Protein im Blutplasma zu kartieren, und verglichen die Ergebnisse mit Messungen mittels Liquor und PET-Bildgebung. Sie stellten fest, dass P-Tau217 im Vergleich zur besser bekannten Tau-Form P-Tau181 eine engere Verknüpfung zum Aufbau von Amyloid-Ablagerungen im Gehirn besaß, die durch PET-Scans nachgewiesen wurden.

Zudem legen ihre Ergebnisse nahe, dass gemessene Spiegel einer Reihe unterschiedlicher Formen von P-Tau im Zeitverlauf Ärzten und Forschern ermöglichen könnten, die Phasen der Progression von Alzheimer bei Patienten zu verfolgen.

Alzheimer und frontotemporale Demenz unterscheiden

Jüngste Studien haben außerdem gezeigt, dass P-Tau181 bei Patienten mit Alzheimer im Vergleich mit gesunden älteren Menschen oder Menschen mit einer frontotemporaler Demenz (FTLD) mehr als dreifach erhöht ist. Auf der AAIC 2020 stellten Forscher der University of California in San Francisco, USA, einen Vergleich von P-Tau181 mit einer verwandten Form von Tau (P-Tau217) vor, um festzustellen, welche Form sich am besten eignet, um Personen mit Alzheimer zu diagnostizieren.

Die retrospektive Studie umfasste 617 Teilnehmer: Eine Kontrollgruppe von 119 gesunden Teilnehmern, 74 Personenmit Alzheimer (durch Biomarker bestätigt) sowie 294 Patienten mit FTLD. In dieser Studiengruppe wies P-Tau181 im Plasma bei Patienten mit Alzheimer im Vergleich zur Kontrollgruppe und Personen mit FTLD dreifach höhere Konzentrationen auf. Der Anstieg von P-Tau217 im Plasma war noch deutlicher: Fünffach für Alzheimer im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe und vierfach im Verhältnis mit FTLD. Die Ergebnisse des Plasma-Vergleichs entsprachen den Resultaten der Tau-PET-Bildgebung des Gehirns.

P-Tau181 besaß eine Genauigkeit von 91 Prozent und P-Tau217 eine Genauigkeit von 96 Prozent für die Prognose, ob eine Person einen positiven Hirnscan für Tau zeigte.

Den Forschern zufolge zeigt die Studie, dass sowohl P-Tau217 als auch P-Tau181 im Blut bei Alzheimer erhöht sind, und dass die Messungen eng mit dem dem “Goldstandard” des PET-Scans korrespondieren. Es sei wahrscheinlich, dass diese Bluttests zur Diagnose von Alzheimer und als Überwachungswerkzeuge in klinischen Studien nützlich sein könnten.