Fortschritte in der Therapie der MS: Neue Daten vom DGN-Kongress12. November 2024 Foto: © freshidea – stock.adobe.com Auf dem diesjährigen DGN-Kongress, der unter dem Motto „Neurologie und Immunologie“ stand, wurden zahlreiche neue Daten aus aktuellen Therapiestudien zur Multiplen Sklerose vorgestellt. Diese dokumentieren einen kontinuierlichen Fortschritt und zeigen, dass insbesondere die neuen Antikörpertherapien die Progression effektiv hemmen. In den Phase-III-Studien ULTIMATE I und II wurde Ublituximab (450 mg i.v. alle 24 Wochen) mit Teriflunomid (14 mg 1x/d) verglichen. Bewertet wurden die jährliche Schubrate und die radiologische Krankheitsaktivität, die, wie sich im Ergebnis zeigte, unter der Antikörpertherapie niedriger waren. Eine gepoolte Post-hoc-Analyse1 untersuchte nun, ob sich der Therapievorteil auch bei therapienaiven Patienten zeigte, bei denen das Auftreten erster MS-Symptome weniger als drei Jahre zurücklag. Nach 96 Wochen hatte sich der Wert auf der Expanded Disability Status Scale (EDSS) in der Ublituximab-Gruppe signifikant verbessert (-0,16 vs. 0,02; p=0,0068). Auch der Anteil der Patienten mit bestätigter Verbesserung der Behinderung (CDI) war in der mit dem Antikörper behandelten Gruppe signifikant höher (14,4 % vs. 3,6 %; p=0,0015), ebenso wurden Verbesserungen im Multiple Sclerosis Functional Composite(MSFC)-Score häufiger beobachtet. „Wir sehen in dieser Studie, dass Betroffene bereits von einem frühen Einsatz des Antikörpers im Hinblick auf den Behinderungsgrad profitieren. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Strategie ‚hit hard and early‘ bei der Behandlung der MS vielversprechend ist“, erklärte Prof. Sven Meuth, Düsseldorf, Präsident des DGN-Kongresses 2024. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die Zwischenauswertung einer Real-World-Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Ozanimod bei Patienten mit aktiver schubförmigen Multiplen Sklerose (RMS).2 Von den 389 Studienteilnehmenden (durchschnittliches Alter: 40,2 Jahre) hatten 42 Prozent die MS-Diagnose erst maximal zwei Jahre vor Therapieinitiierung erhalten und 36 Prozent waren therapienaiv. In dieser Kohorte mit dem relativ hohen Anteil an Patienten im frühen Krankheitsstadium war die Therapie mit Ozanimod mit einer geringen Schubrate, stabilem Behinderungsgrad und verbesserter kognitiver Verarbeitungsgeschwindigkeit assoziiert. „Es handelt sich erst um die Ein-Jahres-Daten, aber diese geben Anlass zur Hoffnung“, kommentierte Meuth. Bei der Therapie mit B-Zell-depletierenden Antikörpern stand bislang die Befürchtung im Raum, dass im Langzeitverlauf gerade bei älteren Patienten unerwünschte Nebenwirkungen häufiger auftreten oder womöglich neue Sicherheitssignale beobachtet werden könnten. Eine in Deutschland durchgeführte nichtinterventionelle Studie3 wertete Real-World-Daten von 2267 Patienten mit aktiver schubförmigen Multiplen Sklerose (RMS) und 505 mit primär progredienter Multiple Sklerose (PPMS) aus, die mit Ocrelizumab oder anderen DMTs therapiert worden waren. Wie sich zeigte, kam es in den älteren Patientengruppen nach 48 Monaten weder zu einem Anstieg der Nebenwirkungsrate noch wurden neue Sicherheitssignale beobachtet. Bei der Mehrheit der RMS-Betroffenen kam es unter der Therapie nicht zu einer Veränderung des Behinderungsgrades und die jährliche Schubrate war niedrig. „Das heißt, die Therapie blieb über vier Jahre wirksam, ohne dass es zu mehr oder neuen Nebenwirkungen kam, und zwar auch bei älteren Menschen“, erklärte Meuth. „Insgesamt lässt sich konstatieren, dass wir heute mehr Optionen haben, um den MS-Krankheitsverlauf zu kontrollieren und die neuen Therapien nach aktueller Datenlage mit tolerierbaren Nebenwirkungsprofilen einhergehen.“
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