Frauen mit wiederkehrenden Fehlgeburten und hereditärer Thrombophilie: Heparin in der Schwangerschaft ohne Unterschied bei der Lebendgeburtenrate

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In einer internationalen randomisierten Studie erhöhten tägliche Injek­tionen mit niedermolekularem Heparin­ (NMH) während der Schwangerschaft bei Frauen mit hereditärer Blutgerinnungsstörung und ≥2 früheren Fehlgeburten nicht die Rate der Lebendgeburten. Das belegen Daten, die auf der 64. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt wurden.

Frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Menschen mit erblicher Thrombophilie ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel haben. Beobachtungsstudien hätten einen Zusammenhang zwischen hereditärer Thrombophilie und wiederkehrenden Fehlgeburten gezeigt, möglicherweise aufgrund von Gerinnseln in der sich entwickelnden Plazenta, sagte Seniorautorin Prof. Saskia Middeldorp vom Radboud Universitair Medisch Centrum, Niederlande. Daher behandelten viele Ärzte Schwangere mit erblicher Thrombophilie mit injizierbaren blutverdünnenden Medikamenten, um das Risiko einer Fehlgeburt zu verringern – obwohl keine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) gezeigt habe, dass diese Therapie wirkt.

Das Testen auf Thrombophilie und Blutverdünner sind kostspielig, die Selbstverabreichung täglicher NMH-Injektionen ist belastend und beeinträchtigt die Lebensqualität. „Nebenwirkungen wie Blutergüsse an den Injektionsstellen sind häufig. Wir hielten es für wichtig, in einer RCT festzustellen, ob diese Behandlung den Patientinnen tatsächlich hilft“, fügte Middeldorp hinzu.

Häufig eingesetzte Therapie auf dem Prüfstand

Die als ALIFE2 bekannte Studie umfasste 428 Frauen mit erblicher Thrombophilie und einer Vorgeschichte von Fehlgeburten, die erneut versuchten, schwanger zu werden. Ihr Durchschnittsalter betrug 33 Jahre und 83 % waren weiß; 70 % hatten ≥3 Fehlgeburten erlitten. Insgesamt 326 Frauen wurden schwanger und erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder eine Standard-Schwangerschaftsversorgung (d. h. regelmäßige pränatale Arztbesuche und Tests, einschließlich Ultraschalluntersuchungen) plus eine 1-mal tägliche Selbstinjektion eines Blutverdünners oder eine Standard-Schwangerschaftsversorgung allein. Diejenigen in der NMH-Gruppe wurden angewiesen, ihre täglichen Injektionen zu stoppen, wenn sie die ersten Anzeichen von Wehen verspürten. Alle Teilnehmerinnen wurden nach der Geburt 6 Wochen lang nachbeobachtet. Sechs Frauen (2 in der NMH-Gruppe und 4 in der Standardversorgungsgruppe) gingen der Nachbeobachtung verloren oder schieden aus.

Lebendgeburtenrate in beiden Gruppen nahezu identisch

Der primäre Endpunkt der Studie war die Lebendgeburtenrate in den beiden Gruppen. Die Ergebnisse zeigten, dass diese nahezu identisch war: 71,6 % in der NMH-Gruppe vs. 70,9 % in der Gruppe mit ausschließlich Standardversorgung. Frauen, bei denen Nebenwirkungen wie Blutungen, ein Abfall der Thrombo­zytenzahl, Juckreiz, Blutergüsse oder Schwellungen auftraten, unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen: 44 % unter jenen, die NMH erhielten, vs. 27 % bei denen, die nur die Standardversorgung erhielten. Der Unterschied war hauptsächlich auf Blutergüsse und Hautreaktionen um die Injektionsstelle herum zurückzuführen.

Da die Studie gezeigt habe, dass die NMH-Injektionen die Schwangerschaftsergebnisse nicht verbesserten, so Middeldorp, rieten sie und ihr Forschungsteam auch davon ab, in dieser Population schwangerer Frauen Routinetests auf Thrombophilie durchzuführen: „Das Testen auf Thrombophilie ist kostspielig und sollte nur durch­geführt werden, wenn es therapeutische Konsequenzen hat.“

Die Ergebnisse der Studie sollten für Frauen mit Thrombophilie, die mehrere Fehlgeburten erlebt haben, beruhigend sein, ergänzte sie. „Es ist wichtig zu bedenken, dass etwa jede 3.–4. Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt endet“, führte Middeldorp aus. „Unsere Studie zeigt, dass mit einer Standard-Schwangerschaftsversorgung – und ohne teure Tests und belastende Medikamenteneinnahme – etwas mehr als 70 % der Frauen eine Lebendgeburt hatten [was wir in der Allgemeinbevölkerung typischerweise sehen].“

Die Studie habe einige Einschränkungen, sagte Middeldorp. Die Studie sei relativ klein gewesen, obwohl es eine Leistung gewesen sei, so viele schwangere Frauen zu rekrutieren; die meisten Frauen (83 %) waren weiß. Zweitens wussten sowohl die Frauen als auch ihre Ärzte, da die Studie nicht verblindet war, welcher Behandlungsgruppe (Blutverdünner oder alleinige Standardversorgung) jede Frau zugeordnet wurde. Drittens wechselten 18 Frauen, die für die Standardversorgung randomisiert waren, vor der 12. Schwangerschaftswoche in die NMH-Gruppe, d. h. während des Zeitfensters, in dem es noch zu Fehlgeburten kommen konnte. Eine Analyse, die diese Frauen ausschloss, habe jedoch nichts an den Schlussfolgerungen der Studie geändert, so Middledorp.