Früh in die Praxis für ein sicheres Screening20. Oktober 2017 Foto: © Sven Bähren – fotolia.com Junge Gynäkologen sollen praktischen Umgang mit Früherkennungsmethoden schon in der Ausbildung lernen Im Jahr 2018 soll das organisierte Screening auf Gebärmutterhalskrebs endlich kommen. Zentrale Säule des Früherkennungsprogramms ist die zytologische Untersuchung: Sie soll Frauen zwischen 20 und 35 weiterhin jährlich und Frauen ab 35 in Kombination mit HPV-Test (Co-Testung) alle drei Jahre angeboten werden. Die Initiative GEBÄRMUTTERHALSKREBS VERHINDERN! fordert nun, dass Gynäkologen zytodiagnostische Methoden bereits in der Facharztausbildung nachweisbar praktisch erlernen. Dies ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, die auf dem Papier fortschrittliche Früherkennung auch faktisch sicherer zu machen. Denn bei zytologischen Untersuchungen gehen Falschbefunde immer noch zu zwei Dritteln auf Entnahme- und Präparationsfehler zurück1. „Aus vielen Gesprächen mit angehenden Frauenärzten sowie aus unserer eigenen Erfahrung in Prüfungskommissionen wissen wir, dass junge Kolleginnen und Kollegen gerade auf die praktische Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung nicht optimal vorbereitet sind“, so Dr. Markus Lütge, Arzt für Frauenheilkunde und Mitglied der Initiative GHKV!. Praktische Fähigkeiten wie die Abstrichentnahme und Beurteilung von Untersuchungsergebnissen erlernen junge Gynäkologen meistens erst während ihrer Arbeit im niedergelassenen Bereich. Dies kann in der Folge die Qualität des Probenmaterials und somit deren Bewertbarkeit beeinträchtigen. Für eine bessere praktische Qualifizierung zu zytologischen Diagnostikmethoden macht die Initiative GEBÄRMUTTERHALSKREBS VERHINDERN! folgende Vorschläge: Erstens: Weiterbildungskurs zur Früherkennung des Zervixkarzinoms Angehende Gynäkologen müssen in einem eintägigen Kurs gegen Ende ihrer Facharztausbildung die Methodengrundlagen zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung erlernen. Idealerweise werden dabei auch moderne und ergänzende Verfahren wie die Dünnschichtzytologie, der molekulare HPV-Nachweis und die Immunzytochemie behandelt. Als Vorbild kann der von der Arbeitsgemeinschaft Zervixpathologie und Kolposkopie (AG CPC) entwickelte Kolposkopie-Grundkurs dienen. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) sollte den Kurs zertifizieren. Zweitens: Einwöchige Hospitanz bei niedergelassenen Gynäkologen Um die in dem Kurs erworbenen Kenntnisse praktisch anzuwenden und zu festigen, müssen angehende Frauenärzte anschließend mindestens eine Woche in einer gynäkologischen Praxis hospitieren. Die Hospitanz ist so zu gestalten, dass sie den aufnehmenden Gynäkologen keine Zusatzbelastung oder Mehrkosten versursacht, bzw. hierfür ein Ausgleich geschaffen wird. Praxisinhaber müssen für die Hospitanz keine Weiterbildungsermächtigung besitzen. Die Teilnahme an der Weiterbildungsmaßnahme „Weiterbildungskurs + Hospitanz“ ist zur Bedingung für die Zulassung zur Facharztprüfung für Gynäkologie und Geburtshilfe zu machen. „Wir freuen uns auf konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten darüber, wie wir kommende Generationen von Gynäkologen besser in der praktischen zytologischen Diagnostik ausbilden können. Hierfür ist es nötig, Reformen und Pilotprojekte zu entwickeln. Dies erfordert ein gemeinsames Engagement“, erklärt Dr. Philipp Wilhelm, Frauenarzt aus Stuttgart und Mitglied der Initiative GHKV!. Hintergrund Zytodiagnostische Verfahren sind formal zwar Bestandteil der gynäkologischen Weiterbildungsordnungen aller Landesärztekammern. Angehenden Gynäkologen wird dieser Inhalt in ihrer Ausbildung jedoch praktisch kaum vermittelt. Denn der Praxisteil der Ausbildung findet zum Großteil in Kliniken statt, wo zytologische Untersuchungen kaum durchgeführt werden. Dies geschieht stattdessen primär in den Praxen niedergelassener Gynäkologen. 1. Gay JD et al., Acta Cytologica 29, 1043, 1985. Die Initiative wird unterstützt von der Hologic Deutschland GmbH
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