Frühe Immunzellen aktiver als vermutet21. Januar 2021 Mikroskopische Analyse von dendritischen Zellen (rot/gelb) und T-Zellen (blau) in der Milz von neugeborenen, 8 Tage alten Mäusen. (Bild: Stephan Rambichler) Auch vermeintlich funktional unreife Zellen des Immunsystems von Kindern können eine Immunreaktion auslösen, wie LMU-Wissenschaftler berichten. Diese Erkenntnis könnte dazu beitragen, Impfungen zu verbessern. Dendritische Zellen sind wichtige Elemente des angeborenen Immunsystems, das als erster Schutzwall des Körpers vor Infektionen und Tumoren dient. Ihre Aufgabe ist es, T-Zellen der spezifischen Immunabwehr durch die Präsentation von Antigenen zu aktivieren. Neugeborene und Kinder besitzen weniger dendritische Zellen als Erwachsene, zudem bilden die frühen dendritischen Zellen geringere Mengen antigenpräsentierender Komplexe. Deshalb nahmen Wissenschaftler bisher an, dass deren Zellen funktionell unreif sind. Ein Team um Prof. Barbara Schraml vom Biomedizinischen Centrum der LMU hat nun in Mäusen das Gegenteil bewiesen. Die Forscher zeigen, dass frühe dendritische Zellen zwar andere Eigenschaften besitzen als diejenigen erwachsener Tiere, aber durchaus eine Immunreaktion auslösen können. Ihre Ergebnisse könnten helfen, Impfungen bei Kindern effektiver zu machen. Die Wissenschaftler untersuchten in Mäusen mithilfe fluoreszierender Marker die Herkunft und die Eigenschaften dendritischer Zellen im Neugeborenen- und Jugendalter und verglichen sie mit denen erwachsener Mäuse. Dabei fanden sie, dass die Zellen je nach Alter aus unterschiedlichen Quellen stammen: Bei Neugeborenen stammen sie von Vorläuferzellen aus der fötalen Leber ab und werden dann mit zunehmendem Alter durch Zellen aus myeloiden Stammzellen des Knochenmarks ersetzt. „Unsere Untersuchungen zeigen aber, dass entgegen ursprünglicher Annahmen ein bestimmter Subtyp der dendritischen Zellen – sogenannte cDC2-Zellen – auch im frühen Alter T-Zellen aktivieren und entzündungsfördernde Zytokine produzieren kann, also eine Immunreaktion auslöst“, sagt Schraml. Dennoch unterscheiden sich die frühen cDC2 Zellen funktionell von denjenigen erwachsener Tiere: Wie die Wissenschaftler nachwiesen, gibt es jeweils spezifische Muster der Genaktivität. Diese werden dadurch hervorgerufen, dass die Zellen altersabhängig auf Botenstoffe des Immunsystems reagieren. „Unter anderem sind Rezeptoren zur Erkennung von Pathogenen unterschiedlich exprimiert“, sagt Schraml. „Überraschend war für uns auch, dass die jungen dendritischen Zellen einen bestimmten Subtyp der T-Zellen stärker aktivieren können, der unter anderem mit der Entstehung von Entzündungen in Verbindung gebracht wird.“ Diese Ergebnisse tragen nach Ansicht der Wissenschaftler zu einem grundlegend besseren Verständnis der dendritischen Zellen bei. Dies könnte auch dazu medizinische Bedeutung haben: Das Immunsystem von Neugeborenen unterscheidet sich sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen von dem Erwachsener, was zu einer schwächeren Immunantwort im frühen Leben führt. „Unsere Daten implizieren, dass man beispielsweise durch Anpassung an die spezifischen Eigenschaften von dendritischen Zellen im Kindesalter möglicherweise Impfungen verbessern könnte“, blickt Schraml in die Zukunft. Originalpublikation: Papaioannou NE et al. Environmental signals rather than layered ontogeny imprint the function of type 2 conventional dendritic cells in young and adult mice. Nat Comm, 19. Januar 2021
Mehr erfahren zu: "Hautmikrobiom von Säuglingen: Umfeld, Hygiene und Atopische Dermatitis" Weiterlesen nach Anmeldung Hautmikrobiom von Säuglingen: Umfeld, Hygiene und Atopische Dermatitis Das Hautmikrobiom von Säuglingen wird unter anderem durch Alter und Körperregion geprägt. Auch Genetik, Wohnumfeld, Badeprodukte und Atopische Dermatitis sind mit seiner Zusammensetzung assoziiert.
Mehr erfahren zu: "Frühe Belastung wirkt sich je nach Geschlecht unterschiedlich auf das Gehirn aus" Frühe Belastung wirkt sich je nach Geschlecht unterschiedlich auf das Gehirn aus In einem Mausmodell konnten Forschende zeigen, dass frühe Belastung bei beiden Geschlechtern zu sozialer Unterordnung führte – Auswirkungen auf Verhalten, Belohnungsempfindlichkeit und Impulsivität unterschieden sich jedoch nach Geschlecht.
Mehr erfahren zu: "GLP-1-Präparate können bei Kindern zu Nährstoffmangel führen" GLP-1-Präparate können bei Kindern zu Nährstoffmangel führen Kinder, die zur Gewichtsreduktion, bei Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes GLP-1-Rezeptoragonisten erhalten, haben ein erhöhtes Risiko für Nährstoffmangel. Dies geht aus einer aktuellen Studie in „Childhood Obesity“ hervor. Vor allem ein Vitamin-D-Mangel […]