Frühe oder verzögerte Kardioversion bei Vorhofflimmern?

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Ist bei Patienten mit kürzlich aufgetretenem Vorhofflimmern (VHF) eine sofortige Wiederherstellung des Sinusrhythmus durch pharmakologische oder elektrische Kardioversion notwendig?

Dieser Frage gingen Dr. Nikki A.H.A. Pluymaekers vom Universitair Medisch Centrum Maastricht und ihre Kollegen in der RACE-7-ACWACS-Studie nach. Sie kommen zu dem Schluss, dass ein abwartender Ansatz der frühen Kardioversion in Bezug auf die Rückkehr zum Sinusrhythmus nach 4 Wochen nicht unterlegen war.

In ihrer Nichtunterlegenheitsstudie hatten sie Patienten mit hämodynamisch stabilem Vorhofflimmern, das vor <36 h eingesetzt hatte, in der Notaufnahme für einen abwartenden Ansatz (Gruppe mit verzögerter Kardioversion) oder eine frühe Kardioversion randomisiert. Der abwartende Ansatz beinhaltete eine initiale Behandlung mit Medikamenten zur Kontrolle der Herzfrequenz und eine verzögerte Kardioversion, wenn das Vorhofflimmern nicht innerhalb von 48 h abgeklungen war.

Als primären Endpunkt hatten die Autoren einen Sinusrhythmus nach 4 Wochen definiert. Die Nichtunterlegenheit wäre belegt, wenn die Untergrenze des 95%-Konfidenzintervalls für die Differenz zwischen den Gruppen im primären Endpunkt in Prozentpunkten mehr als –10 betrüge.

Wie die Ergebnisse zeigen, war ein Sinusrhythmus nach 4 Wochen bei 193/212 Patienten (91%) in der Gruppe mit verzögerter Kardioversion und bei 202/215 (94%) in der Gruppe mit früher Kardioversion wieder vorhanden (Unterschied zwischen den Gruppen –2,9 Prozentpunkte; 95%-Konfidenzintervall [KI] –8,2 bis 2,2; p-Nichtunterlegenheit=0,005).

In der Gruppe mit verzögerter Kardioversion kam es bei 150/218 Patien­ten (69%) spontan und bei 61 (28%) nach verzögerter Kardioversion zu einer Rückkehr zum Sinusrhythmus innerhalb von 48 Stunden. In der Gruppe mit früher Kardioversion kam es bei 36/219 Patienten (16%) spontan und bei 171 Patienten (78%) nach Kardioversion zu einer Rückkehr zum Sinusrhythmus.

Bei 49/164 Patienten (30%) in der Gruppe mit verzögerter Kardioversion und bei 50/171 (29%) in der frühen Kardioversion beobachteten die Autoren ein VHF-Rezidiv. Sie ergänzen, dass innerhalb von 4 Wochen nach der Randomisierung bei 10 bzw. 8 Patienten kardiovaskuläre Komplikationen aufgetreten seien.

Fazit
Bei Patienten, die sich mit einem kürzlich aufgetretenen symptomatischen Vorhofflimmern in der Notaufnahme vorstellten, war ein abwartender Ansatz der frühen Kardioversion in Bezug auf die Rückkehr zum Sinusrhythmus nach 4 Wochen nicht unterlegen. (sf)

Autoren: Pluymaekers NAHA et al.
Korrespondenz: Prof. Harry J.G.M. Crijns; [email protected]
Studie: Early or Delayed Cardioversion in Recent-Onset Atrial Fibrillation
Quelle: N Engl J Med 2019;380(16):1499–1508.
Web: https://doi.org/10.1056/NEJMoa1900353