Frühwarn-Score für chronische Schmerzen nach einer OP20. Juli 2022 Foto: Michael Szabó/UKJ, Universitätsklinikum Jena Ein holländisch-deutsches Forschungsteam hat Warnhinweise für eine Chronifizierung von Schmerzen nach einer OP untersucht: Eingriffe am Skelettsystem, eine präoperative Opioideinnahme, zwei Wochen nach dem Eingriff anhaltende Schmerzen und schmerzhafte Kältereize erwiesen sich dabei als wichtigste Risikofaktoren. Operationsschmerzen verschwinden in den allermeisten Fällen nach wenigen Tagen – bei einigen Operierten können sich daraus jedoch chronische Schmerzen entwickeln, die die Betroffenen schwer beeinträchtigen. Ein bekanntes Beispiel sind Phantomschmerzen nach Amputationen, aber auch nach vielen anderen Operationen können sich chronische Schmerzen entwickeln. In einer jetzt im “British Journal of Anaesthesia” veröffentlichten Studie hat eine niederländisch-deutsche Forschungsgruppe untersucht, ob es Frühwarnzeichen für eine solche Chronifizierung gibt – dies würde eine rechtzeitige Identifikation der Betroffenen ermöglichen, sodass präventive Maßnahmen eingeleitet werden könnten. Dazu hat die Gruppe an einem Kollektiv von 344 Patienten mit verschiedenen Operationen einen Frühwarn-Score entwickelt. Darüber hinaus jedoch wurde an einer zweiten Gruppe aus einer anderen Klinik die Validität des Scores überprüft – dieser Aufwand zeichnet den Forschern zufolge die methodische Qualität der Studie aus. Neben Risikofaktoren wie Operationen am Skelettsystem sowie einer präoperativen Opioideinnahme fielen vor allem zwei Faktoren auf: Wenn Patienten 14 Tage nach einer Operation immer noch über Schmerzen klagten, vor allem aber, wenn sie dabei berichteten, dass sich ein Kältereiz als schmerzhaft anfühlt, war das Risiko einer Chronifizierung drei Monate nach der Operation deutlich erhöht. „Eine veränderte Schmerzschwelle für Kälte ist ein Hinweis darauf, dass das schmerzverarbeitende System nicht mehr normal funktioniert“, berichtet Marjelle van Driel, Erstautorin der Studie, die die Arbeit zusammen mit Mienke Rijsdijk in den Universitätskliniken Utrecht und Rotterdam initiiert hat. Die Studie wurde zusammen mit dem internationalen Schmerz-Forschungsnetzwerk PAIN OUT durchgeführt, das im Universitätsklinikum Jena in Deutschland koordiniert wird. „Die Arbeit verdeutlicht, welches Potenzial eine einfache, aber zielgerichtete Nachbefragung von Patienten nach Operation und Narkose sein kann“, betont Winfried Meißner, Koordinator von PAIN OUT und Coautor der Studie. Im nächsten Schritt soll nun untersucht werden, welche Verfahren bei den identifizierten Betroffenen mit erhöhtem Risiko eine Chronifizierung verhindern können.
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