Frühzeitige Behandlung von Depressionen verbessert die Überlebensrate bei Krebs12. Oktober 2026 Symbolbild (Foto: © verbaska – stock.adobe.com) Depressionen erhöhen die Sterblichkeit von Menschen mit Krebs, während eine Psychotherapie kurz nach der Diagnose das Mortalitätsrisiko senkt. Das geht aus einer Analyse von Medicare-Daten hervor, die auf der Jahrestagung der American Society for Radiation Oncology vorgestellt wurde. Menschen mit Krebs entwickeln häufig depressive Symptome, doch nicht immer sind psychotherapeutische Angebote in die onkologische Versorgung integriert. Im Rahmen der aktuellen Studie wollten die Forschenden untersuchen, ob Depressionen selbst mit der Krebssterblichkeit in Zusammenhang stehen und ob sich die Ergebnisse je nach Art und Zeitpunkt der Behandlung unterscheiden. Die retrospektive Analyse untersuchte zwei gängige Ansätze zur Behandlung von Depressionen: Psychotherapie und die Einnahme von Antidepressiva. Die Forscher analysierten Daten von 265.639 Medicare-Versicherten im Alter von 66 Jahren oder älter, bei denen zwischen 2010 und 2017 Brust-, Darm-, Prostata-, Blasen-, Nieren- oder Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC) diagnostiziert worden war. Mehr als jeder fünfte Patient (22 %) wies zudem die Diagnose einer schweren depressiven Störung auf. Ob die Studienteilnehmer eine Psychotherapie erhalten hatten, ermittelten die Forschenden anhand von Medicare-Verfahrenscodes, während sie eine medikamentöse Therapie über Abrechnungen für Antidepressiva identifizierten. Analysezeitpunkte waren vier, acht und zwölf Wochen nach der Krebsdiagnose. Depressionen erhöhen die krebsbedingte Sterblichkeit Patienten, die sowohl an Krebs als auch an einer Depression litten, wiesen ein um elf Prozent höheres Risiko für krebsbedingte Sterblichkeit auf als Patienten ohne Depression. Ein Jahr nach der Diagnose waren 29 Prozent der Patienten mit Depression an ihrem Krebs verstorben, verglichen mit 21 Prozent der Patienten ohne Depression. Nach fünf Jahren lag die krebsbedingte Sterblichkeit bei Patienten mit Depression bei 43 Prozent, verglichen mit 35 Prozent bei Patienten ohne Depression. Eine Psychotherapie kurz nach der Krebsdiagnose zeigte den stärksten Zusammenhang mit einer geringeren Krebssterblichkeit bei Patienten mit Depressionen. Patienten, die innerhalb von vier Wochen eine Psychotherapie erhielten, wiesen in adjustierten Analysen unter Verwendung einer Propensity-Score-Gewichtung ein um 21 Prozent geringeres Risiko für krebsbedingte Sterblichkeit auf. Geringere Risikoreduzierungen wurden im Zusammenhang mit einer Psychotherapie nach acht Wochen (13 % geringeres Risiko) und nach zwölf Wochen (12 % geringeres Risiko) festgestellt. Die krebsspezifische Fünf-Jahres-Sterblichkeit lag bei Patienten, die eine Psychotherapie erhielten, bei 31 Prozent, bei denen, die keine erhielten, bei 44 Prozent. In dieser großen Patientenkohorte nahmen jedoch nur drei Prozent der Patienten mit Depressionen innerhalb von vier Wochen nach ihrer Krebsdiagnose an einer Psychotherapie-Sitzung teil. Dieser Anteil stieg bis zur zwölften Woche auf lediglich 4,6 Prozent. Depression oder Auswirkung der Krebstherapie? „Depressionen können in der Krebsversorgung leicht übersehen werden, da Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Interessenverlust sich oft mit den Auswirkungen der Krebserkrankung oder ihrer Behandlung überschneiden“, erklärte Dr. Edmund M. Qiao, Hauptautor der Studie und Assistenzarzt für Strahlentherapie an der University of California in San Diego. „Wenn Depressionen jedoch nicht erkannt oder unbehandelt bleiben, können sie eine zusätzliche Belastung darstellen – gerade in einer Zeit, in der Patienten Unterstützung am dringendsten benötigen. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine frühzeitigere Früherkennung und die Überweisung zur Psychotherapie dazu beitragen könnten, eine wichtige Lücke in der umfassenden Krebsversorgung zu schließen.“ Deutlich häufiger als Psychotherapie wurden Antidepressiva eingesetzt: 32,5 Prozent der Patienten erhielten sie innerhalb von vier Wochen nach ihrer Krebsdiagnose. Bei Analysen ohne Berücksichtigung der spezifischen Krebsart war dies jedoch zu keinem der gemessenen Zeitpunkte mit einer niedrigeren krebsspezifischen Mortalität verbunden. Einfluss der Depression variiert bei Krebsarten Die Forscher untersuchten zudem Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit, Behandlung und krebsspezifischer Mortalität für jede der sechs Krebsarten. Depressionen traten am häufigsten bei Patienten mit Nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) auf (27 %) und am seltensten bei Patienten mit Prostatakrebs (13 %). Sie waren jedoch in jeder Krebsgruppe signifikant mit einer höheren krebsspezifischen Mortalität assoziiert, wobei der stärkste Zusammenhang bei Prostatakrebs zu beobachten war. Der Zusammenhang zwischen Psychotherapie und krebsspezifischer Mortalität variierte je nach Krebsart und erreichte statistische Signifikanz bei Prostata-, Brust- und Nierenkrebs. Die medikamentöse Therapie war bei Patienten mit Prostatakrebs signifikant mit einer niedrigeren krebsspezifischen Mortalität assoziiert. Die Unterschiede zwischen den Krebsarten deuteten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Krebsverläufen möglicherweise differenzierter ist, als dies durch einen einheitlichen Ansatz zur Behandlung von Depressionen erfasst werden könne, betonte Qiao. Psychoonkologische Betreuung noch ausbaufähig „In der Allgemeinbevölkerung können sowohl Psychotherapie als auch Medikamente wirksame Mittel zur Behandlung von Depressionen sein“, erklärte Qiao. „Die Krebsbehandlung fügt jedoch einen zusätzlichen Kontext hinzu. Die Krebsart, die Prognose und der Behandlungsverlauf eines Patienten können sowohl seine psychischen Bedürfnisse als auch die Frage beeinflussen, welche Maßnahmen am hilfreichsten sind.“ Da es sich um eine retrospektive Studie handelte, lässt sich den Forschenden zufolge nicht nachweisen, dass die Psychotherapie den Rückgang der Krebssterblichkeit verursacht hat. Die Analyse beschränkte sich zudem auf Medicare-Versicherte, weshalb weitere Untersuchungen erforderlich seien, um zu prüfen, ob sich bei jüngeren Patienten ähnliche Muster zeigen. „Die Krebsversorgung ist zunehmend personalisiert, doch die psychische Gesundheitsversorgung in der Onkologie bleibt oft allgemeiner Natur“, erklärte Qiao. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass wir genauer darüber nachdenken müssen, wie sich Depressionen auf verschiedene Krebsarten auswirken können und wie wir gemeinsam mit den Patienten bereits früh in der Behandlung individuelle Unterstützungspläne erstellen können.“ (ej/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "Strahlentherapie senkt Rückfallrisiko bei atypischen Meningeomen deutlich" Strahlentherapie senkt Rückfallrisiko bei atypischen Meningeomen deutlich Eine internationale randomisierte Studie zeigt, dass eine adjuvante Strahlentherapie nach vollständiger Entfernung eines atypischen Meningeoms das Rückfallrisiko senken kann. Die Ergebnisse liefern neue Evidenz für die Therapieentscheidung bei diesen Tumoren.
Mehr erfahren zu: "Psychische Gesundheit: Wie sehr belastet Menschen die Dauerkrise?" Psychische Gesundheit: Wie sehr belastet Menschen die Dauerkrise? Pandemie, Kriege, Inflation: Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen. Besonders belastet fühlen sich die Jüngeren. Was heißt das – auch für die Prävention?
Mehr erfahren zu: "Menopause hinterlässt molekularen Fingerabdruck mit möglichem Hinweis auf Demenzrisiko" Menopause hinterlässt molekularen Fingerabdruck mit möglichem Hinweis auf Demenzrisiko Eine neue US-amerikanische Studie zeigt, dass Veränderungen bestimmter Proteine während der Menopause mit einem erhöhten Demenzrisiko im späteren Leben assoziiert sind.