Frühzeitige Therapien schützen vor Depressionen13. Januar 2025 Digitale Interventionen könnten Menschen mit subklinischen Symptomen einer depressiven Störung vor der Manifestation der Erkrankung schützen. (Quelle: © Mary Long – stock.adobe.com) Auch Menschen, deren Symptome noch nicht die Kriterien für eine depressive Störung erfüllen, profitieren von therapeutischen Interventionen. Zu diesem Schluss kommen Forschende aus München und Magdeburg. Antriebsschwäche, Schlafschwierigkeiten, Interessenverlust und anhaltende Traurigkeit sind typische Merkmale einer Depression. Diese und andere Symptome treten mitunter schon in geringerem Maße auf, bevor Ärzte von einer depressiven Störung sprechen würden. „In der Regel werden Betroffene erst dann behandelt, wenn ihre Symptome die klinischen Kriterien für eine Depression erfüllen“, erklärt David Ebert, Professor für Psychology und Digital Mental Health Care an der Technischen Universität München (TUM). „Es gibt aber mittlerweile ein Umdenken. Wir haben die existierenden wissenschaftlichen Studien zum Thema untersucht, um herauszufinden, ob Hilfsangebote, die früher ansetzen, eine depressive Störung verhindern können.“ Zu diesem Zweck hat das Forschungsteam mehr als 1000 internationale Studien gesichtet und schließlich die anonymisierten Daten zu individuellen Patienten aus 30 dieser Arbeiten zusammengeführt und analysiert. Risiko einer Depression um 42 Prozent reduziert In die Metastudie flossen so Daten von jeweils rund 3600 Personen in eine Behandlungs- und Kontrollgruppe ein. Die Menschen in der Behandlungsgruppe nahmen wegen subklinischer Symptome einer depressiven Störung an therapeutischen Interventionen teil. Diese Maßnahmen waren in der Regel auf einen kurzen Zeitraum angelegt – zwischen sechs und zwölf Sitzungen – und konnten persönlich oder digital stattfinden. Die Interventionen beinhalteten zum Beispiel verhaltenstherapeutische Elemente, Problemlösungstraining oder Übungen für einen erholsameren Schlaf. Die Ergebnisse der Metastudie sind eindeutig: In den ersten zwölf Monaten waren die Symptome der Teilnehmenden oft verringert. Das Risiko, an einer depressiven Störung zu erkranken, war in den ersten sechs Monaten nach Ende der Intervention im Vergleich zur Kontrollgruppe um 42 Prozent verringert. Nach 12 Monaten waren es noch 33 Prozent. Aussagen über längere Zeiträume sind den Forschenden zufolge aufgrund fehlender Daten schwierig. Erfolg unabhängig von Faktoren wie Bildung und Geschlecht „Bemerkenswert war, dass die Wirksamkeit der Maßnahmen nicht von Faktoren wie Alter, Bildungstand und Geschlecht abhängig zu sein scheint“, berichtet Claudia Buntrock, Juniorprofessorin am Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Dagegen waren die Interventionen generell erfolgreicher, wenn die teilnehmenden Personen bislang noch nicht wegen Depressionen behandelt wurden. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass wir auch bei der psychischen Gesundheit durch Prävention viel erreichen können“, fasst Ebert zusammen. Zwar sei aktuell vielerorts die Nachfrage nach Therapieplätzen viel größer als das Angebot. Dadurch könnten solche präventiven Konzepte auf den ersten Blick nicht umsetzbar scheinen. Digitale Angebote bieten hier aus Sicht der Forschenden aber vielversprechende Ansätze. Nicht zuletzt lasse sich durch Prävention verhindern, dass Betroffenen mit leichteren Symptomen überhaupt an Depressionen erkranken. Den Autoren zufolge sollten deshalb Präventionsmaßnahmen in die Betreuung von Betroffenen integriert werden. Insbesondere müsse durch weitere Studien herausgefunden werden, ab welchem Ausmaß der depressiven Symptome Präventionsmaßnahmen sinnvoll sind.
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