Führt die Telematikinfrastruktur zu Versorgungslücken?23. November 2021 Foto: ©HNFOTO – stock.adobe.com Gerademal ein Fünftel der niedergelassenen Ärzte scheinen laut einer aktuellen Blitzumfrage des bayerischen Facharztverbandes (BFAV) bereit, angesichts der bestehenden Probleme an der TI auf Dauer festzuhalten. Von 827 antwortenden Kollegen wollen laut BFAV-Umfrage nur 173 an der Einrichtung weiter angeschlossen bleiben. 189 (22,9%) tragen sich mit dem Gedanken, ihre Praxis wieder von der TI abzunabeln. 222 (26,9%) planen sich gar nicht erst anzuschließen. Immerhin 57 Ärzte (6,9%) sind „derart frustriert“, sich aus der kassenärztlichen Versorgung dauerhaft zu verabschieden, so das Ergebnis der Befragung, die der BFAV in der Zeit vom 10.11. bis 17.11.2021 in den bayerischen Praxen der Haus-, Fachärzte und Psychotherapeuten durchführte. „Trotz der Kürze der Zeit zeigt die Befragung mit immerhin 827 Antworten einen hohen Rücklauf und damit die Brisanz des Themas“, betont der BFAV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Bärtl und bittet die Verantwortungsträger der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), endlich zu handeln. Die Zahlen seien „besorgniserregend – gerade in einer Zeit, in der die Versorgung auch durch die Pandemie sehr angespannt erscheint. So kann die Verpflichtung zu einer Zwangsanbindung an die TI mit ihren technischen Unzulänglichkeiten, leicht zu einem Mosaikstein werden, der letztendlich die bereits schwankende Versorgung endgültig zum Kippen bringen“, so die Befürchtung des Orthopäden aus Neumarkt/Opf. Bereits heute stünden ein wachsender Teil an Praxisinhabern aus allen Bereichen der Versorgung kurz vor dem Ruhestand. Klar sei, dass infolge der TI-Probleme die Übergabe an jüngere Praxisnachfolger nicht leicht gelingt und gerade ländliche Praxen nicht nachbesetzt werden können. „Die 6,9% frustrierten Kollegen, die sich auf Grund der TI-Zwangsmaßnahmen zur Aufgabe genötigt sehen, sollten uns deutliche Mahnung sein“, so Bärtl. BFAV betont: KV ist gefordert Die KVB täte gut daran, das Thema aufzugreifen und ihrerseits eine entsprechende Befragung ihrer Mitglieder zu initiieren, um sich und der Politik Klarheit über eine TI-bedingt drohende Versorgungslücke aufmerksam zu machen, heißt es in einer Mitteilung des BFAV. Außerdem fordert der Verband die KVB auf, zusammen mit den FALK-KVen, ihren Einfluss geltend machen, die Sanktionen sofort auszusetzen oder ganz aufzuheben, um gerade in Zeiten, die einer flächendeckenden Versorgung bedürfen, nicht einer gefährliche Unterversorgung durch die Verpflichtung zur TI Vorschub zu leisten. Bereits letzte Woche hatte die KVB die verpflichtende Einführung gesetzlich festgelegter Anwendungen innerhalb der TI ohne ausreichende Testphasen kritisiert. Außerdem unterstützt sie die Online-Petition mit dem Titel “Kassenarztrecht – Einführung von Flächentests zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und zum eRezept”, die Dr. Petra Reis-Berkowicz, Vorsitzende der KVB-Vertreterversammlung im Bundestag eingereicht hat. (red/ja)
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