Für nicht medikamentöse und nicht operative Verfahren fehlt bislang die Evidenz24. November 2021 Foto: © Pixel-Shot – stock.adobe.com Der finale HTA-Bericht im Rahmen des ThemenCheck Medizin hat keine verlässliche Evidenz für den Nutzen nicht medikamentöser oder nicht operativer Verfahren zur Schmerzlinderung bei Endometriose gefunden. Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht, ob für die Behandlung der Schmerzen bei Endometriose auch nicht operative oder nicht medikamentöse Alternativen infrage kommen. Sie kommen zu dem Schluss, dass diese Verfahren nicht ausreichend gut untersucht sind und daher keine verlässlichen Aussagen zu Vor-und Nachteilen der nicht medikamentösen oder nicht operativen Verfahren möglich sind. Da aber für die nächsten Jahre Ergebnisse aus laufenden Studien ausstehen, erhoffen sich die beauftragten Wissenschaftler in Zukunft klarere Antworten. Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen Verschiedene Behandlungen vor allem mit hormonellen Verhütungsmitteln und Operationen zur Beseitigung der Endometriose-Herde sind gut untersucht und können helfen, die Symptome vorübergehend oder dauerhaft zu lindern. Auch Schmerzmittel kommen zum Einsatz. Allerdings vertragen viele Frauen die Hormonpräparate und manchmal auch die Schmerzmittel nicht, oder lehnen sie ab. Neben den etablierten Therapien suchen betroffene Frauen häufig nach weiteren Möglichkeiten der Behandlung, unter anderem um die Möglichkeit zu haben, selbst aktiv etwas gegen die Endometriose zu tun. Zudem möchten sie eventuelle Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie oder Operationen vermeiden. Neben Medikamenten und Operationen werden daher bereits seit Jahren auch nicht medikamentöse und nicht operative Behandlungen (NMNO-Verfahren) erprobt. Anfrage einer Bürgerin als Ausgangspunkt des Berichts Ausgangspunkt des jetzt vorliegenden finalen HTA-Berichts war die im Rahmen des ThemenCheck Medizin gestellte Frage einer Bürgerin, ob es erfolgsversprechende Alternativen bei der Behandlung endometriosebedingter Schmerzen gibt, wenn operative Methoden nicht in Frage kommen oder bereits ausgeschöpft sind. Die Vorschlagende hat in ihrem Themenvorschlag für diesen HTA-Bericht darauf hingewiesen, dass eine Behandlung endometriosebedingter Schmerzen mit einer Hormontherapie oder mit Schmerzmitteln bei Kinderwunsch nicht möglich bzw. nicht gewünscht sei. Die Themenvorschlagende fragt daher, welche nicht medikamentösen Möglichkeiten es zur Reduktion endometriosebedingter Schmerzen gibt, wenn aufgrund eines Kinderwunsches die Therapie mit Hormonpräparaten abgesetzt wurde und operative Methoden nicht infrage kommen oder bereits ausgeschöpft sind. Keine wirklich zuverlässigen Studien Die vom IQWiG beauftragten Wissenschaftler der medizinischen Hochschule Hannover konnten keine Studienergebnisse zum Nutzen und Schaden von NMNO-Verfahren bei endometriosebedingten Schmerzen als wirklich zuverlässig einstufen. Sie werteten elf RCTs (randomized controlled trials) zu verschiedenen NMNO-Verfahren aus. Die meisten Ergebnisse zeigten ein hohes Verzerrungspotenzial, einige davon waren zur Ableitung des Nutzens nicht verwertbar. So war zum Beispiel die methodische Qualität der Studien und die Qualität der Berichterstattung in sechs der elf Studien so gering, dass die Ergebnisse aus Sicht der Wissenschaftler nicht oder nur teilweise sinnvoll interpretiert werden konnten. Da aber für die nächsten Jahre Ergebnisse aus laufenden Studien ausstehen, erhoffen sich die Wissenschaftler für die Zukunft klarere Antworten. Bürger fragen – Wissenschaftler antworten Seit 2016 ist es für Bürger möglich, über den ThemenCheck Medizin wissenschaftlich fundierte Antworten auf bestimmte medizinische Fragen in Form einer wissenschaftlichen Gesundheitstechnologiebewertung (engl. Health Technology Assessment = HTA) zu erhalten – etwa zu Vor- und Nachteilen einer bestimmten Behandlungsform oder auch zur Sinnhaftigkeit einer Untersuchungsmethode. Zu den Besonderheiten von „ThemenCheck Medizin“ gehört, dass die Fragestellungen der Berichte immer auf Vorschläge aus der Bevölkerung zurückgehen. Das IQWiG sammelt diese und wählt pro Jahr bis zu fünf Themen aus. Ein Auswahlbeirat bringt dabei die Bürger- und Patientensicht mit ein, ein Fachbeirat die Expertenperspektive. Die HTA-Berichte werden nicht vom IQWiG selbst verfasst, sondern von beauftragten externen Sachverständigen. Deren Bewertung wird gemeinsam mit einer allgemein verständlichen Kurzfassung (HTA kompakt) und einem Herausgeberkommentar des IQWiG veröffentlicht. Vorschläge für neue Themen sind willkommen und können jederzeit online unter ThemenCheck Medizin: Thema vorschlagen und ohne medizinische Fachkenntnisse eingereicht werden. Offene Punkte klärt das ThemenCheck-Team, falls nötig, anschließend direkt mit den Einreichenden im telefonischen Kontakt.
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