Funktionelle Diagnostik bei Problemen mit Bändern, Muskeln, Sehnen12. Mai 2022 Foto: Microgen/stock.adobe.com Um Störungen und Schwächen des Bewegungsapparates genau herauszufinden, reicht eine Bildgebung per MRT, Röntgen oder Ultraschall oft nicht aus. Hier setzt die Funktionelle Diagnostik an über die PD Dr. Jochen Paul, leitender Arzt an der Rennbahnklinik Basel auf dem 37. Kongress der GOTS vom 19. bis 20. Mai in Berlin berichtete. Der Sportorthopäde Paul betreut viele Freizeit- und Leistungssportler aller Niveau-Stufen und erklärt: „Es geht uns darum, dass Patienten nicht nur mit Bildgebung untersucht werden, sondern zusätzlich mit funktionellen Tests. Diese finden nicht nur Dysfunktionen des Bewegungsapparates heraus, sondern können auch zur Steuerung und Begleitung von Patienten nach einer Operation eingesetzt werden.“ Am häufigsten von Dysfunktionen betroffen sind Schulter, Knie und Sprunggelenk, bei Athleten oft in Ausdauersportarten (zum Beispiel Triathlon) oder Mannschaftssportarten (Ballsportarten). In der speziellen funktionellen Diagnostik wird der Patient in der Bewegungsausführung genauestens beobachtet, in allen Abläufen gemessen und analysiert. Dies dient als Grundlage, um herauszufinden, ob eine konservative oder operative Therapie angebracht ist. Meist geht es hierbei um einen Mix aus Kraft-, Stabilitäts- und Bewegungstests. Sie tragen zu einem schnelleren und zuverlässigen „Return to Work“ oder „Return to Activity“ bei, ohne, dass es wieder zu Rückschlägen in der Genesung kommt. „Wenn man die Tests nicht macht, kann es sein, dass etwas übersehen oder falsch gedeutet wird“, so Paul. In der Rehabilitation nach Kreuzbandverletzungen geht man deshalb heute schon nicht mehr nach Zeiträumen, sondern nach dem Ist-Stand und der Belastungsfähigkeit der Körperstrukturen, welchen die Test-Resultate immer wieder neu anzeigen. Bei Sprunggelenksinstabilität ist per funktioneller Tests sogar eine Aussage darüber möglich, ob eine OP angezeigt ist oder nicht. Die Experten der GOTS empfehlen dringend, dass jeder Patient, der ein MRT bekommt, auch per funktioneller Diagnostik untersucht werden sollte. Dies gilt für alle Geschlechter und ohne Alterslimitierung.
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