Futtermittelknappheit und Ernteausfälle in Deutschland

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Die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit im Sommer 2026 belasten die hiesige Landwirtschaft. Regional besonders betroffen ist die Futtermittelversorgung. Vor allem Heu und Feldfutter wie Klee oder Ackergras stehen teilweise deutlich weniger zur Verfügung – in einigen Regionen wird deshalb bereits auf Vorräte zurückgegriffen.

In Baden-Württemberg dürfen Biobetriebe deshalb unter bestimmten Voraussetzungen auch konventionelles Raufutter wie Gras oder Heu zukaufen [I].

Das Bundeslandwirtschaftsministerium weist darauf hin, dass sinkende Erträge bei Grünland und Futterpflanzen zu höheren Zukaufkosten führen und Betriebe perspektivisch dazu zwingen könnten, Tierbestände zu reduzieren [II].

Parallel zeichnet sich für die Ernte 2026 ein Rückgang der Erträge ab. Der Deutsche Bauernverband erwartet laut Medienberichten eine unterdurchschnittliche Getreideernte und warnt für einige Regionen Süddeutschlands vor möglichen Totalausfällen. Betroffen seien neben Getreide unter anderem Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Mais und Sojabohnen. Wie groß die Ernteausfälle tatsächlich sein werden und welche Folgen die Trockenheit für die weitere Futterversorgung haben wird, ist noch nicht abschließend absehbar [II].

Vor diesem Hintergrund hat das Science Media Center Germany Expertinnen und Experten gefragt, wie außergewöhnlich die aktuelle Situation im Vergleich zu früheren Dürre- und Hitzejahren ist, wie die derzeitige Futterknappheit und ihre möglichen Folgen für die Tierhaltung einzuschätzen sind und wie belastbar die aktuellen Ernteprognosen sind. Zudem geht es um bereits absehbare und mögliche weitere Folgen der Trockenheit, den kurzfristigen und langfristigen politischen Handlungsbedarf sowie die Frage, inwieweit eine Änderung der Witterung die Situation noch entspannen kann oder die Schäden bis ins kommende Jahr reichen könnten.

Vergleich zu früheren Dürren

Dr. Frank Offermann, Leiter des Arbeitsbereiches Risikomanagement in der Landwirtschaft, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, Braunschweig, sagt: „Im Vergleich zur Dürre 2018 sind die Ernteschäden weniger großflächig und betreffen teilweise andere Regionen. Auffallend ist, dass mit dem Südwesten auch eine Region betroffen ist, die in der Vergangenheit seltener mit Dürreschäden umgehen musste und in der die Landwirte und Landwirtinnen deswegen unter Umständen weniger gut auf eine solche Situation vorbereitet sind.“

Ausmaß der Futterknappheit und Gegenmaßnahmen

In Bezug auf eine drohende Futterknappheit erklärt Offermann: „Futterknappheit aufgrund von dürrebedingten Ernteverlusten betrifft vor allem rinder- und schafhaltende Betriebe. Die aktuelle Ernte dient vor allem dem Aufbau der Futterbestände für den nächsten Winter. Eine physische Futterknappheit ist daher in den meisten Betrieben nicht sofort zu befürchten, da diese Futterreserven vorzeitig verfüttert werden können. Die Betriebe stehen dann aber vor der großen Herausforderung, die Fütterung über den Winter sicherzustellen. Wichtige Maßnahmen sind hier der Zukauf von Futter von Betrieben aus weniger betroffenen Regionen und eine Anpassung der Futterration – vor allem bei Jungvieh und den trocken gestellten Kühen. Außerdem ist die Erschließung weiterer Futterquellen eine wichtige Maßnahme. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung von Mais für die Silage, der eigentlich als Körnermais angebaut wurde, der Zukauf von Nebenprodukten wie Biertreber und anderen Verarbeitungsresten oder je nach Wasserversorgung in den nächsten Wochen der zusätzliche Anbau von Zwischenfrüchten zu Futterzwecken.“

Prof. Christoph Gornott, Leiter der Arbeitsgruppe Anpassung in Agrarsystemen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), und Leiter des Fachgebiets Agrarökosystemanalyse und -modellierung, Universität Kassel bemerkt zur Futterknappheit: „Bei vielen landwirtschaftlichen Kulturen wurde deutlich weniger Futter geerntet. Besonders betroffen sind die Grasbestände: Sowohl die einzelnen Ernten fallen geringer aus als auch die Zahl der möglichen Ernten. Auch beim Silomais erwarten wir deutlich kleinere Ernten. Da Futtermittel einen hohen Wassergehalt haben, ist ein überregionaler Transport kaum rentabel. Der Ausgleich durch Zukäufe aus anderen Regionen ist daher begrenzt.“ Und Frank Offermann fokussiert auf Maßnahmen in den Viehbeständen: „Eine Bestandsreduzierung kann den Futterbedarf reduzieren. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Maßnahme mit erheblichen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen. Daher wird es sich in der Regel eher um temporäre Maßnahmen handeln – wie das Vorziehen von Schlachtterminen (bei Altkühen) oder den Verkauf von Jungvieh – als um einen strukturellen Bestandsabbau. In der Dürre von 2018 kam es beispielsweise lediglich zu einer leichten Beschleunigung des ohnehin rückläufigen Bestandstrends, aber nicht zu einem Strukturbruch.“ Auch sagt Offermann, dass akute Futterknappheit in Produktionssystemen auftreten kann, die fast ausschließlich mit Weidefütterung betrieben werden, zum Beispiel in der Schafhaltung.“

Dr. Til Feike, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Bodenkunde, Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Kleinmachnow sagt: „Die Futterknappheit ist derzeit vor allem regional, für einzelne Betriebe aber bereits existenziell. Strukturell wird das Problem, wenn sich Extremjahre häufen und die Vorräte zwischen den Jahren nicht mehr aufgefüllt werden können.“ Ergänzend fügt er hinzu: „Besonders betroffen sind Grünland- und Milchviehbetriebe, die neben reduzierten Grünlanderträgen auch vor schwachen Maisbeständen stehen, mit geringen Erwartungen sowohl im Ertrag als auch im Stärke- und Energiegehalt der Silage. Kritisch wird es, wenn bereits jetzt Wintervorräte verfüttert werden und Zukauffutter knapp oder zu teuer ist. Ein allgemeiner Abbau der Tierbestände ist noch nicht zwingend zu erwarten. Bei stark betroffenen Betrieben können vorgezogene Verkäufe oder Bestandsverkleinerungen jedoch notwendig werden.“

Kurzfristige Hilfen

Frank Offermann erläutert: „Sinnvoll sind alle Maßnahmen, die einen effektiven Beitrag zur Reduzierung der physischen Futterknappheit leisten können, wie zum Beispiel die von Bayern und Baden-Württemberg erlassenen Ausnahmeregelungen zur Futternutzung von Brachen und ausgewählten Vertragsnaturschutzflächen – zum Beispiel Biodiversitätsstreifen. Sinnvoll sind auch Maßnahmen, die einen effektiven Beitrag zur Stärkung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe leisten, zum Beispiel die (vor-)zeitige Auszahlung von Fördergeldern – wie der flächengebundenen Direktzahlungen – oder die in Bayern vorgesehenen Möglichkeiten zur Stundung von Steuerzahlungen.“ Und er setzt hinzu: „Das aktuell diskutierte Hilfspaket für den Zukauf von Dünger oder Diesel kann in von der Dürre betroffenen Betrieben die Liquidität, also die kurzfristige Zahlungsfähigkeit, verbessern. Da dieses Hilfspaket jedoch alle landwirtschaftlichen Betriebe dabei unterstützen soll, die gestiegenen Preise für Dünger oder Diesel zu bewältigen, ist die vorgeschlagene Ausweitung des Programms wenig zielführend im Hinblick auf die gezielte Unterstützung der von der Dürre betroffenen Betriebe.Ökobetriebe in Baden-Württemberg dürfen wegen der Ernteausfälle ausnahmsweise konventionell erzeugtes Grundfutter verwenden. Dies lindert effektiv die Futterknappheit in den ökologischen Betrieben, reduziert jedoch keine regionalen Futterknappheiten und erhöht den Wettbewerb um Futterreserven für konventionell wirtschaftende Betriebe.“

Langfristige Maßnahmen

„Rücklagen sind ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Risikomanagements“, so Offermann. „Der Deutsche Bauernverband fordert die Förderung durch eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. Ein solches Instrument wird jedoch keinen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen der aktuellen Dürre 2026 mehr leisten können. Zudem gilt: Für katastrophale Ereignisse wie hohe gesamtbetriebliche Ernteausfälle sind andere Risikomanagement-Instrumente – wie zum Beispiel Wetterversicherungen – in aller Regel kostengünstiger umzusetzen. Auch gibt es eine große Anzahl von Ausgestaltungsoptionen für eine Risikorücklage, die wiederum einen erheblichen Einfluss auf die Wirkungen und Effizienz einer Förderung einer Risikorücklage haben. Die vom Deutschen Bauernverband in der Vergangenheit vorgeschlagene Ausgestaltung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage erfüllt nicht die Anforderungen an eine zielorientierte, effektive und effiziente Förderung einer Liquiditätsrücklage [1].“ Und er sagt: :„Wetterversicherungen gegen Ernteausfälle sind ein wichtiges, marktbasiertes Instrument zur Absicherung gegen existenzbedrohende Schäden. Eine Reihe von Bundesländern fördert den Abschluss von Mehrgefahren-Wetterversicherungen mit 50 Prozent der Kosten [2]. In Bayern und Niedersachsen decken geförderte Versicherungen auch Dürreschäden im Ackerbau und im Grünland ab. Trotzdem haben sich nur wenige Landwirte gegen Dürreschäden versichert. Hier ist ein Umdenken notwendig. Bund und Länder haben existenzgefährdete landwirtschaftliche Betriebe in der Vergangenheit immer wieder mit staatlichen Hilfen unterstützt. So nachvollziehbar diese Hilfsleistungen im Einzelfall sind: Sie leisten keinen Beitrag zur Klimaanpassung und können Fehlanreize schaffen. Sinnvoll wäre eine Verknüpfung mit Anpassungsmaßnahmen. Konkret könnten Hilfszahlungen für Betriebe, die von der aktuellen Dürre betroffen sind, mit Auflagen zur Anpassung des Risikomanagements verknüpft werden, beispielsweise des verpflichtenden Abschlusses einer Dürreversicherung in den Folgejahren.“

Situation der Landwirtschaft

Prof. Christoph Gornott, Leiter der Arbeitsgruppe Anpassung in Agrarsystemen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), und Leiter des Fachgebiets Agrarökosystemanalyse und -modellierung, Universität Kassel sagt: „In diesem Jahr sehen wir eine außergewöhnliche, extreme Situation in Mitteleuropa. Dieses Zusammentreffen verschiedener Extreme und negativer Rekorde ist beispiellos und führt zu deutlich niedrigeren Erträgen in diesem Jahr. Diese Ausfälle lassen sich klar mit den Folgen von Trockenheit und Hitze in Verbindung bringen.“ Und er fügt hinzu: „Das Ganze muss man aber im Gesamtsystem sehen: Die Landwirtschaft steht in Zeiten geo- und handelspolitischer Krisen ohnehin schon vor einer sehr herausfordernden Situation mit hohen Produktionskosten. Zu diesen Belastungen kommen jetzt zusätzlich die Klimaextreme.“

Dr. Til Feike erklärt dazu: „Das Erntejahr 2026 ist durch eine außergewöhnliche Kombination aus unzureichend aufgefüllten Bodenwasservorräten nach dem Winter, längeren Trockenphasen und extremer Hitze geprägt. Besonders angespannt ist die Lage in Teilen Süd- und Mitteldeutschlands. Vor allem aufgrund der langen und intensiven Hitzeperiode ist 2026 ein Extremjahr – bislang allerdings kein so langanhaltendes und flächendeckendes Dürrejahr wie 2018.“ Und er reflektiert auf die unterschiedlichen regionalen Bedingunge: „Ungewöhnlich ist, dass mit den Gebieten südlich der Donau auch Regionen besonders stark betroffen sind, die bislang vergleichsweise selten unter ausgeprägtem Wassermangel litten. In regelmäßig von Trockenheit betroffenen Regionen wie Brandenburg ist die Situation vielerorts dagegen weniger außergewöhnlich. Dies verdeutlicht, wie unterschiedlich die Auswirkungen je nach Region, Boden und Witterungsverlauf ausfallen.“

Prof. Tobias Gaugler, Professor für Management in der Ökobranche, Fakultät Betriebswirtschaft, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm sagt: „Die Lage ist außerordentlich, da mit dem Klimawandel und den Extremwetterereignissen – wie der aktuellen Hitze- und Dürreperiode – große, jahrzehntelang bekannte Probleme sichtbar werden. Neben der Anpassung an den Klimawandel ist es aber wichtig, dass die Ursachen angegangen werden. Denn es ist um ein Vielfaches günstiger, den Schaden gar nicht erst entstehen zu lassen, als mit den Folgen umzugehen.“ Und er sieht auch Chancen für Veränderung: „Die Landwirtschaft leidet nicht nur unter den Folgen des Klimawandels, sie stellt auch einen großen Hebel zum Umsteuern dar. Insbesondere die hohe Zahl an Nutztieren ist wegen des hohen Flächenbedarfs für den Futtermittelanbau und ihres schlechten Wirkungsgrads sehr ineffizient. Zudem verursachen tierische Lebensmittel zahlreiche Externalitäten, die von hohen CO2-Emissionen bis hin zu einer Vielzahl gesundheitlicher Folgen reichen.“

Folgen für Verbrauchende

Frank Offermann sieht die Gefahr weiterer Verluste entlang der Wertschöpfungskette: „Die Folgen können sich noch weiter verstärken, denn es geht nicht nur darum, was auf dem Feld geerntet wird. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette können weitere Verluste entstehen, beispielsweise ist die Schifffahrt massiv betroffen. Die Ernte kann möglicherweise nicht weitertransportiert werden oder der Transport verlangsamt sich. Dadurch können zusätzliche Verluste entstehen. Auch Produktionskapazitäten können aufgrund der Hitze an ihre Grenzen kommen. Welche Folgen wir am Ende tatsächlich im Supermarkt sehen werden, ist noch nicht vollständig absehbar.“

Notwendige Maßnahmen

Prof. Christop Gornott sieht auch mögliche negative Auswirkungen durch Fehlanreize: „Wir brauchen kurzfristige Hilfen für die besonders betroffenen Regionen und langfristige Anpassungen im Agrarsektor. Entscheidend ist, dass kurzfristige Hilfen so ausgerichtet sind, dass sie gleichzeitig langfristige Ziele unterstützen. Aktuell werden Subventionen für Diesel oder Düngemittel diskutiert. Das kann Fehlanreize setzen, denn sowohl fossiler Diesel als auch die energieintensive Herstellung von Düngemitteln tragen zum Klimawandel bei und können damit die nächste Extremwetterlage weiter verschärfen. Die Politik ist gefordert, langfristige und kurzfristige Maßnahmen miteinander zu verzahnen. Dazu können beispielsweise Entlastungen bei Lebensmitteln gehören, etwa durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf besonders gesunde Lebensmittel. Gleichzeitig braucht es Maßnahmen auf Betriebsebene. Agroforst kann beispielsweise dazu beitragen, Wasser besser im Boden zu halten und Bodenkohlenstoff aufzubauen.“

Anpassung an unterschiedliche Wetterextreme

„In der aktuellen Debatte wird häufig übersehen, dass sich die Klimaanpassung nicht auf Dürre und Hitze beschränken darf“, mahnt Til Feike. „Noch 2023 und 2024 litten viele Betriebe unter Dauerregen und den daraus resultierenden Problemen bei Aussaat, Pflanzenschutz und Ernte. Die Erträge für Weizen und andere Getreidearten fielen in diesen von starken Niederschlägen gekennzeichneten Jahren sogar geringer aus als der Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Wir benötigen daher Anbausysteme, die unterschiedliche und wechselnde Wetterextreme besser verkraften. Dazu gehört ein breiteres Spektrum an Kulturen und Sorten, deren empfindliche Entwicklungsphasen wie Keimung, Blüte und Kornfüllung zu unterschiedlichen Zeitpunkten liegen. So lässt sich das Anbaurisiko streuen. Wärmeliebende Kulturen wie Sorghum, Sojabohnen oder Kichererbsen können das Anbauportfolio regional sinnvoll ergänzen. Voraussetzung sind geeignete Sorten, ausreichendes Anbauwissen und verlässliche Absatzwege.“

Abschätzung zu Ernteerträgen

Feike zieht eine vorsichtige Bilanz der Ernteerträge: „Die ersten Schätzungen für die bereits weitgehend geernteten Kulturen Raps, Wintergerste, Weizen und Roggen deuten auf nationaler Ebene nicht auf eine massive Missernte hin. Die Erträge liegen jedoch überwiegend unter dem sehr guten Vorjahresniveau und voraussichtlich auch unter dem Mittel der vergangenen fünf Jahre. Regional können die Mindererträge erheblich ausfallen. Eine frühe Reife hat sich vielerorts als Vorteil erwiesen, weil wichtige Entwicklungsschritte bereits vor der intensiven Hitze- und Trockenperiode abgeschlossen waren. Die früher reifende Wintergerste war gegenüber Weizen und Roggen häufig im Vorteil.“ Aber er sieht Schwierigkeiten in Bezug auf die noch im Wachstum befindlichen Pflanzen: „Noch wachsende Kulturen wie Zuckerrüben und Mais leiden weiterhin unter den geringen Bodenwasservorräten. Ihre Ertragserwartungen sind in vielen Regionen deutlich reduziert. Ergiebige Niederschläge könnten Zuckerrüben und Grünland noch wirksam für weiteres Wachstum nutzen. Für viele Maisbestände kämen sie dagegen zu spät, wenn Blüte, Befruchtung oder Kolbenbildung bereits beeinträchtigt wurden. Solche Schäden lassen sich nachträglich kaum noch ausgleichen.“

Situation im kommenden Jahr

Prof. Feike erklärt, was nun von Bedeutung ist: „In den kommenden Wochen entscheidet sich außerdem, mit welchen Futter- und Bodenwasserreserven die Betriebe in das Jahr 2027 gehen. Bleiben Niederschläge aus, können die Aussaat von Raps, Zwischenfrüchten und Wintergetreide sowie deren Feldaufgang beeinträchtigt werden. Für einen guten Start in das Jahr 2027 sind wiederholte Niederschläge über Herbst und Winter notwendig, damit auch die tieferen Bodenschichten wieder aufgefüllt werden.“

Notwendige Maßnahmen

„Um die Landwirtschaft dauerhaft klimafester zu machen, müssen die Betriebe in ihrer Vorsorge- und Anpassungsfähigkeit gestärkt werden“, sagt Feike. „Dazu gehören bessere Möglichkeiten zur betrieblichen Eigenvorsorge, tragfähige Mehrgefahrenversicherungen und ein vielfältigeres Kulturartenspektrum zur Risikostreuung.. Entscheidende Hebel sind eine verstärkte Förderung der Züchtungs- und Anbauforschung, der Wissenstransfer zu bislang wenig genutzten Kulturen und resilienten Anbausystemen sowie der Aufbau robuster regionaler Wertschöpfungsketten. Bewässerung kann regional Teil der Lösung sein, aber nicht die alleinige Antwort. Wasser ist begrenzt und in längeren Trockenphasen sind die Nutzungsansprüche auch in anderen Bereichen, wie Trinkwasser, Energie, Verkehr und Umwelt hoch. Zudem ist Bewässerung häufig mit hohen Kosten verbunden und nicht auf allen Flächen ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.“

„Die angesprochene Transformation erfordert eine Unterstützung aus der Politik sowie eine breite Allianz aus Verbänden, Wissenschaft und Naturschutz“, sagt Gauger. „Kurzfristige Hilfsmaßnahmen sind nötig, diese müssen aber an eine Veränderung des Ernährungssystems gekoppelt sein. Wir haben hier kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Staatliche Förderungen müssen so aufgebaut sein, dass Regionen auf das nächste Extremwetterereignis, aber auch auf die nächste geopolitische Krise, besser vorbereitet sind und die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Wir brauchen regionale, resiliente Ernährungssysteme, in denen Landwirtinnen und Landwirte auch in Zeiten multipler Krisen ein auskömmliches Einkommen erwirtschaften können, ohne die Natur auszubeuten.“ Schlussendlich sieht Tobias Gauger auch die Bürger in der Pflicht: „Diese Anpassungen beziehen sich auf den Anbau von Lebensmitteln, aber auch auf deren Konsum. Die Bürgerinnen und Bürger sollten dafür begeistert werden, sich im Einklang mit Ernährungsempfehlungen wie der Planetary Health Diet zu ernähren. Aber auch politische Maßnahmen wie die Reduktion der Mehrwertsteuer für gesunde und nachhaltige Lebensmittel wären ein Schritt in die richtige Richtung.“

Strukturelle Veränderungen

Prof. Tobias Gaugler sieht dringenden Handlungsbedarf: „Es handelt sich um ein strukturelles Problem, das nicht allein durch punktuelle Hilfsmaßnahmen gelöst werden kann. Auch kann dessen Lösung nicht auf künftige Generationen geschoben werden. Denn die Klimafolgen, die wir aktuell verursachen, fallen uns selbst auf die Füße. Der Handlungsdruck ist sehr hoch.“ Und er fügt hinzu: „Für die Landwirtschaft sind Folgen des Klimawandels wie Dürre- und Hitzejahre existenzielle Probleme, die dringend strukturelle Veränderungen erfordern. Wenn sie politisch geeignet unterstützt wird, kann die Landwirtschaft sich so verändern, dass diese Transformation eine echte Chance für sie ist. Der Abbau von Tierbeständen kann beispielsweise die Möglichkeit eröffnen, die dann geringere Anzahl an Tieren wieder auf der Weide zu halten. Anbauverbände wie Naturland, Bioland oder Demeter tragen schon jetzt dazu bei, die Klimaschäden zu reduzieren.“

Literaturstellen, die von den Expertinnen und Experten zitiert wurden

[1] Offermann F et al. (2019): Bewertung unterschiedlicher Vorschläge für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage. Working Paper.

[2] Schmitt J et al. (2025): The subsidy-mosaic for agricultural weather insurance in Germany. Agricultural Systems. DOI: 10.1016/j.agsy.2025.104289.

Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden

[I] Landesbauernverband in Baden-Württemberg (10.08.2026): Konventionelles Raufutter für Biobetriebe aufgrund von trockenheitsbedingter Futterknappheit. Webseite.

[II] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) (12.08.2026): Kabinett: Bundesminister Rainer berichtet über Folgen der Dürre. Pressemitteilung.