Gaming-App für Kinder mit Gangproblemen29. April 2022 Mit der Gaming-App „Play for Health“ trainieren Kinder mit Gangproblemen mit Spaß natürliche Bewegungsabläufe. (Foto: Fabienne Erben) Kinder mit Problemen beim Gehen müssen natürliche Bewegungsabläufe mühsam neu lernen. UX-Designerin Fabienne Erben entwickelte an der Hochschule München eine App für Beinorthesen mit sensibler Sohle, die das Training mit kindgerechten Spielen unterstützt. „Setz Dich einmal hin wie ein Frosch und dann strecke Dich ganz hoch wie ein König oder eine Königin!“, so bildlich spricht Fabienne Erben von der Fakultät für Design der Hochschule München mit den Kindern, die ihre Gaming-App testen. Hier geht es um das Spiel „Feed the Dino“, bei welchem die Kinder eine virtuelle Banane vom Boden aufheben und einem Dino hinaufreichen sollen. Das trainiert schon recht komplexe Bewegungsabläufe. Die kleinen Adressaten der Anwendung haben aufgrund von Erkrankungen wie Zerebralschäden oder entzündlichem Rheuma oft ganz unterschiedliche Gangprobleme. Gemeinsam ist ihnen, dass sie natürliche Bewegungsanläufe mit aktiven Orthesen am Bein wieder neu lernen müssen. Ein mühsamer Prozess, der ihnen viel Motivation abverlangt. Aktive Orthesen für Kinder Das Forschungsvorhaben, das auf Gamification für die Motivationssteigerung der Kinder beim Training setzt, leitet Prof. Ulrich Wagner. Das Projekt „Kostengünstige aktive Orthese zur Rehabilitation und Analytik von kindlichen Bewegungsstörungen“ (KORA) entwickelt eine aktive Beinorthese, die mitwachsen kann und kostengünstig aus dem 3D-Drucker kommt. Diese ist mit einer Sohle mit Sensoren versehen, welche die Bewegungsabläufe der Kinder erkennen, aufzeichnen und schließlich Feedback zur Zahl der „richtigen“ Schritte geben kann. Das ist als Rückmeldung zum Trainingsfortschritt für Ärzte, Physiotherapeuten und Eltern wichtig. Das Forschungsprojekt KORA entwickelt aktive Orthesen mit sensiblen Sohlen aus dem 3D-Drucker für Kinder mit Gangproblemen, die damit natürliche Bewegungsabläufe üben können. (Foto: Christina Schill) Kindgerechte Gaming-App für das Training Doch Kinder als Nutzer der Trainings-App benötigen mehr als Zahlen oder Erfolgsstatistiken, um bei dem oft schmerzhaften Training langfristig mitzuarbeiten. Erben entwickelte in ihrer Bachelorarbeit deshalb eine Gaming-App, in der sechs Spiele den Patienten kindgerecht Feedback zu ihren Erfolgen geben und Spaß am Training vermitteln. Jedes Spiel übt andere, einfache oder komplexe Bewegungsabläufe ein, die das gesamte Feld möglicher Trainings abstecken. Die Untergliederung der Bewegungsabläufe in unterschiedliche Spiele hat den Vorteil, dass mit wechselnden Spielen auch wechselnde Muskelgruppen trainiert werden. Nach dem Einloggen und dem Kalibrieren der App auf das Kind durch Betreuer, kommen erste Spieleempfehlungen, welche die Anwendung aus der Analyse oder auch die Betreuenden vorher auswählen. Die breite Altersgruppe von drei bis sechs Jahren ergibt sich aus den Krankheitsbildern. Meist werden Gangprobleme ab dem Alter von drei Jahren erkannt. Die Spiele sind in der Bildsprache und Spielablauf auf diese Altersgruppe ausgelegt. Während die Kinder Zugang zu den Spielen haben, können Eltern via PIN-Code Analysedaten zur Anzahl der „richtigen“ Schritte abrufen, die für den Fortgang des Trainings relevant sind. UX Design für die Zielgruppe Kinder Kinder sind keine alltägliche Zielgruppe im User-Experience-Design (UX-Design) im Physiotherapiebereich, das Produkte spezifisch auf die Erfahrungen der Nutzer zuschneidet. Zu klein ist ihr Marktanteil, der Aufwand deshalb wirtschaftlich nicht lohnend. Und Kinder ticken anders: „Sie sind eher über bildliche Sprache zu erreichen und ihre Motivation ist eher intrinsisch, anstatt wie bei Erwachsenen von äußeren Reizen wie einem Belohnungssystem angetrieben“, sagt Erben. Diese Erkenntnisse zog sie aus Gesprächen mit Eltern, Physiotherapeuten, Erziehern sowie Ärzten und den Kindern. KORA Das Projekt „Kostengünstige aktive Orthese zur Rehabilitation und Analytik von kindlichen Bewegungsstörungen“ (KORA) läuft im Rahmen der “Photonik Forschung Deutschland – Licht mit Zukunft“ im Förderprogramm „Open Photonik Pro“. Gefördert durch das BMBF mit 644.000 Euro arbeitet die Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik mit ihren Kooperationspartnern, dem Institut für Rehabilitation, Transition und Palliation von neurologisch kranken Kindern in Salzburg, der Schön Klinik Vogtareuth sowie mit TQ Systems GmbH in Seefeld von 1. April 2021 bis 30. September 2024 an diesem Projekt. Projektträger ist der VDI.
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