Gastrointestinale Organoide: Ein Schatz in der Gefriertruhe

Die Organoide wachsen kugelig im Matrigel und werden verschieden groß. Bild: ©St. Josef Hospital

Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum geht einen neuen Weg, um beim Pankreaskarzinom die Wirksamkeit von Chemotherapeutika vorab zu testen: Mit großem Aufwand werden Organoide der Tumoren angelegt.

In einer stetig wachsenden Biobank aufbewahrt, können sie auch Tests neuer Substanzen möglich machen. Darüber berichtet Rubin, das Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum.

Alles muss laufen wie am Schnürchen

Das Klinikum der Ruhr-Universität Bochum gehört zu den größten Pankreaszentren in Deutschland, und nur deswegen können die Forschenden das Projekt hier bearbeiten. Denn nicht jeder Bauchspeicheldrüsentumor kommt für die Anzüchtung von Organoiden infrage. In etwa 60 von rund 250 großen Bauchspeicheldrüsenoperationen, die hier pro Jahr durchgeführt werden, stimmen alle Voraussetzungen.

Findet die Operation statt, muss alles laufen wie am Schnürchen: Im OP steht jemand mit einer Eisbox bereit, um das empfindliche Gewebe so schnell wie möglich per Taxi in die Pathologie zu bringen, wo es Mitarbeitende bereits erwarten. Hier wird das Gewebe geschnitten und aufgearbeitet, bevor es schließlich im Labor zerkleinert und in ein Matrigel, ein gelartiges Proteingemisch, eingebracht wird. Das gesamte Prozedere dauert nicht mehr als zwei Stunden.

Warum Organoide besser sind als 2D-Zellkulturen

Ein Schatz für die Krebsforschung: Dr. Britta Majchrzak-Stiller holt die gefrorenen Zellen aus der Kühlung, aus denen Organoide wachsen können. Copyright: © RUB, Marquard

Dann wird es spannend: Nicht in allen Fällen gelingt es, Organoide zum Wachsen zu bringen. Doch nur aus einer Zelle, die einmal gelernt hat, ein Organoid zu werden, kann später auch wieder ein Organoid wachsen. Gegenüber eingekauften Zelllinien haben die Organoide den großen Vorteil, dass sie aus patienteneigenem Material gewachsen sind und die genetische Vielfalt der Tumore widerspiegeln.

Durch ihr dreidimensionales Wachstum verhalten sie sich ähnlicher zum Tumor im Organismus als andere Modelle. „Wenn ich eine zweidimensionale Zellkultur habe und einen Wirkstoff darauf gebe, gelangt er zum Beispiel problemlos überall hin und erreicht jede einzelne Zelle“, erklärt Dr. Philipp Höhn aus dem Forschungsteam. „Das bildet aber nicht die Realität ab. Darin sind Organoide viel besser.“

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