Gebraucht wie nie, aber belastet wie selten22. Mai 2026 Thomas Druyen stellte auf der OTWorld 2026 in Leipzig erste Ergebnisse der bundesweiten HilfsmittelStudie 2026 vor. (Foto: Sebastian Druen) Die bundesweite HilfsmittelStudie, die auf der OTWorld 2026 in Leipzig vorab vorgestellt wurde und die im Juni veröffentlicht wird, hat rund 1000 Mitarbeitende der Sanitätshaus- und Homecarebranche zur Zukunft der Patientenversorgung befragt. „Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter sind unverzichtbare Stützen unseres Gesundheitswesens und unserer Gesellschaft. Von Politik und Öffentlichkeit werden sie aber kaum als solche wahrgenommen“, so Prof. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung. Diese und das Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement der Sigmund Freud Privat-Universität in Wien haben gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern – dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und dem Verband Versorgungsqualität für Homecare e. V. (VVHC) – sowie mit der Unterstützung zahlreicher Förderpartner nun jenen Menschen, die in der Hilfsmittelbranche arbeiten, eine Stimme gegeben: Wie sehen sie die aktuelle Situation und die Zukunft der Patientenversorgung in Deutschland? Was muss sich ändern, damit Menschen auch in Zukunft bestmöglich versorgt werden können? Steigender Versorgungsbedarf, knappere Ressourcen Der Handlungsbedarf sei angesichts der zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Branche und die Gesellschaft gemeinsam stehen, gewaltig. Denn eine stetig alternde Bevölkerung, die steigende Zahl multimorbider Patienten sowie eine fortschreitende Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung forderten ein konsequentes Umdenken und entschiedenes Handeln, konstatiert der BIV-OT. So erwarten 89 Prozent der Befragten, dass der Versorgungsbedarf in den nächsten zehn Jahren stärker steigen wird als bisher. „Was aus unternehmerischer Sicht erst einmal gut klingt, trifft jedoch schnell auf die harte Realität“, erklärte Druyen. Da ist zum Beispiel der Fachkräftemangel: 81 Prozent der Studienteilnehmer sind überzeugt, dass er die zukünftige Hilfsmittelversorgung deutlich beeinträchtigen wird. Wenn die Zahl helfender Hände in Zukunft sinkt, die der zu versorgenden Menschen aber steigt, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Mehr Kostendruck, mehr zeitraubende Bürokratie Vor allem aber spielen der Studie zufolge Zeit und Geld eine entscheidende Rolle: 84 Prozent der Befragten befürchten, dass sich die Patientenversorgung durch den steigenden Kostendruck und überbordende, zeitraubende Bürokratie verschlechtern wird. Wer seine Produkte und Leistungen als Hilfsmittelanbieter heute gegenüber mehr als 90 Gesetzlichen Krankenkassen abrechnet, erledige dies auf Grundlage von Verträgen, von denen er meist hunderte verwalten muss. Auch aus diesem Grund, so der BIV-OT, fordern Branchenvertreter eine nachhaltige Strukturreform des Gesundheitssystems. Dass aber das am 29. April vom Bundeskabinett verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz Kosteneinsparungen unter anderem durch einen pauschalen Drei-Prozent-Abschlag auf bereits vereinbarte Vertragspreise erzielen soll, stoß in der Branche auf großes Unverständnis. Denn auch dies sei ein deutliches Ergebnis der HilfsmittelStudie 2026: 76 Prozent sehen die Existenz der Betriebe bereits durch die aktuelle Vergütungsstruktur langfristig gefährdet. Gemeinsamer Aufbruch Richtung Zukunft Dennoch sehen Branchenvertrter Chancen, zum Beispiel durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Zahlreiche Ideen für eine erfolgreiche Zukunft würden von den Teilnehmenden der Studie selbst entwickelt. „Die Hilfsmittelbranche hat allen Grund, selbstbewusst aufzutreten – nicht mehr nur als stiller Leistungsträger, sondern als deutlich sichtbarer Versorgungsakteur in der Care-Navigation der Zukunft. Wer nur reagiert, wird vom System erzogen. Wer die Zukunft antizipiert, beginnt wieder zu gestalten“, sagte Druyen.
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