Geburtseinleitung hat Auswirkungen auf spätere Schulleistung

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Eine neue Studie hat nun den Zusammenhang zwischen einer Geburtseinleitung und schlechteren Schulleistungen der Kinder gezeigt.

Die Einleitung einer Geburt ist im Vergleich zu spontan einsetzenden Wehen möglicherweise mit schlechteren schulischen Leistungen der Kinder im Alter von zwölf Jahren verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um Anita Ravelli vom Amsterdam University Medical Center (UMC), das in ihrer Assoziationsstudie die Daten von 226.684 Kindern auswertete. Diese erschien im Journal „Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica“ (siehe Primärquelle).

In Deutschland werden über 20 Prozent aller Geburten eingeleitet. Dafür gibt es medizinische Gründe wie, zum Beispiel eine Erkrankung der Mutter mit Diabetes oder Bluthochdruck oder ein vorzeitiger Blasensprung. Allerdings werden am häufigsten Geburten eingeleitet, weil der errechnete Geburtstermin verstrichen ist.

Das Leitlinienprogramm der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen eine Geburtseinleitung bei medizinischen Indikationen, sowie beim Überschreiten des errechneten Geburtstermins von zehn Tagen [I]. Zwei Wochen nach Terminüberschreitung wird die Einleitung dringend empfohlen. Dieser Empfehlung liegen Studien zugrunde, die auf ein erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko für das Kind hinweisen, wenn der Geburtstermin überschritten ist [II] [III].

Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Geburtseinleitung ab der 39. Schwangerschaftswoche sogar mit einer geringeren Rate von Kaiserschnitten einhergeht. Diese Erkenntnisse werden gestützt durch einen Cochrane Review, dessen Autorinnen und Autoren allerdings darauf hinweisen, dass bislang unklar ist, ob eine frühzeitige Einleitung sich auf die neurologische Entwicklung des Kindes auswirken könnte [IV].

Die Auswertung der niederländischen Forschenden soll hier einen Hinweis liefern. Sie verglichen die Schulleistungen im Alter von zwölf Jahren von Kindern, die nach einer Geburtseinleitung geboren wurden, mit denjenigen, die ohne Intervention geboren wurden. Die Kinder kamen zwischen 2003 bis 2008 und zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche in den Niederlanden auf die Welt. Für das Schwangerschaftsalter von 37 bis zu 41 Wochen war die Einleitung der Wehen mit schlechteren Schulleistungen verbunden als bei Nicht-Intervention, zudem erreichten weniger Kindern nach Einleitung einen höheren Bildungsweg in der weiterführenden Schule.

Quellen

[I] AWMF (01.12.2020): S2k-Leitlinie Geburtseinleitung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Registriernummer 015-088.
[II] Sotiriadis A et al. (2019): Maternal and perinatal outcomes after elective induction of labor at 39 weeks in uncomplicated singleton pregnancy: a meta-analysis. Ultrasounds in Obstetrics and Gynecology. DOI: 10.1002/uog.20140.
[III] Grobman WA et al. (2018): Labor Induction versus Expectant Management in Low-Risk Nulliparous Women. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa1800566.
[IV] Middleton P et al. (2020): Induction of labour at or beyond 37 weeks’ gestation. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD004945.pub5.