Geburtsschmerzen: Opioide im Austausch gegen Lachgas ohne negative Folgen für Mutter und Kind

Die Klimabilanz von Lachgas ist bedenklich. Opioide könnten eine geeignete Alternative darstellen. Foto: ©nataliaderiabina/stock.adobe.com

Frauen, denen während der COVID-19-Pandemie Lachgas zur Linderung der Wehenschmerzen verweigert wurde, erhielten stattdessen Opioide, ohne dass dies negative Folgen für Mutter oder Kind hatte, so eine neue Studie australischer Kliniker.

Der Einsatz von Lachgas (N2O) zur Analgesie unter der Geburt ist sowohl in skandinavischen als auch in anglo-pazifischen Ländern weit verbreitet. So verwenden nach Angaben des Australian Institute of Health and Welfare mehr als 50 Prozent der australischen Frauen Lachgas zur Linderung von Wehenschmerzen, gefolgt von einer Epiduralanästhesie (40 Prozent) und Opioiden (12 Prozent). Auch in Deutschland wird Lachgas zur Minderung von Wehenschmerzen eingesetzt, wenn auch in weitaus weniger Fällen. 

Speziell im Hinblick auf eine Reduktion von Treibhausgasen – ein Thema das auch im Gesundheitssektor eine immer größere Rolle spielt – gerät das Lachgas in die Kritik. Der CO2-Fußabdruck, den diese Methode hinterlässt, hat in medizinischen Kreisen zu einer Debatte darüber geführt, ob sie durch andere, emissionsärmere und klimafreundlichere Methoden der Schmerzlinderung ersetzt werden sollte. Lachgas ist etwa 300-mal so klimaschädlich wie Kohlenstoffdioxid. Einem kürzlich in der Fachzeitschrift „Australasian Anaesthesia“ erschienenen Bericht zufolge verursacht die Verwendung von Lachgas während einer vierstündigen Geburt einen CO2-Fußabdruck, der dem einer durchschnittlichen Autofahrt von 1500 Kilometern entspricht, während eine Epiduralanästhesie einer Fahrt von 6 Kilometern entspricht.

Nun half gerade die Coronapandemie dabei, zu untersuchen, ob die Analgesie mit Opioiden anstatt Lachgas unter der Geburt negative Auswirkungen in Bezug auf die Ergebnisse von Mutter und Kind hat. Denn aus Furcht vor einer Virenübertragung durch das aerosolerzeugende Verfahren entschieden sich in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Krankenhäuser weltweit dazu, auf Lachgas zu verzichten.

Australische Forschende nutzten die Gunst der Stunde und untersuchten die Auswirkungen dieser Entscheidung genauer. Konkret verglichen der Anästhesist Prof. Bernd Froessler und seine Kollegen von der Universität Adelaide und der Universität von Südaustralien (UniSA) die Patientennotizen von 243 Frauen, die im März und April 2020 im Lyell McEwin-Krankenhaus entbunden hatten, wobei die Hälfte von ihnen keinen Zugang zu N20 hatte.

Sie fanden heraus, dass der Einsatz von Opioiden zwar „signifikant anstieg“, wenn N20 vorenthalten wurde, dass es aber keinen Anstieg von Epiduralanästhesien und keine Veränderung der Geburtsdauer, der Kaiserschnittraten, der Geburtskomplikationen oder der Wachsamkeit der Neugeborenen gab. Die Studienergebnisse wurden im „Australian and New Zealand Journal of Obstetrics and Gynaecology“ veröffentlicht.

„Natürlich möchte niemand den Frauen, die in den Wehen liegen, eine angemessene und einfache Schmerzlinderung vorenthalten, aber angesichts der Tatsache, dass es andere schmerzlindernde Optionen gibt, einschließlich Epidurale und Opioide, könnten diese vielleicht in Betracht gezogen werden“, sagt Froessler. Co-Autorin Dr. Lan Kelly, Statistikerin an der UniSA, meint, die Studienergebnisse sollten Frauen die Gewissheit geben, dass andere Schmerzmittel als Lachgas weder ihre Gesundheit noch die ihres Babys gefährden.

Das Australian and New Zealand College of Anaesthetists hat sich für eine Reduzierung der Verwendung von N20 ausgesprochen, um die ökologische Nachhaltigkeit in der Anästhesie zu verbessern, obwohl viele Geburtshelfer an der Methode festhalten und argumentieren, dass eine wirksame Schmerzlinderung bei der Geburt Vorrang haben sollte. So schlug die leitende Hebammenbeauftragte des Australian College of Midwives bereits vor, dass Krankenhäuser Lachgas-„Vernichtungssysteme“ einführen könnten – also Systeme, die das Lachgas aus der Luft filtern und neutralisieren –, um dessen weitere Verwendung zu ermöglichen. Als solche Anlagen in schwedischen Krankenhäusern eingeführt wurden, halbierte sich der CO2-Fußabdruck des Gases zumindest.

(ah)