Gefäßablagerungen: Schlüsselweg für Fortschreiten der Atherosklerose entdeckt28. Juli 2023 Bild: ©Dr_Microbe – stock.adobe.com Ein wissenschaftliches Team der MedUni Wien hat einen zellulären Schlüsselweg beschrieben, der das Verständnis der Atherosklerose entscheidend verbessern und den Weg für einen neuen Therapieansatz ebnen kann. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Immunity“ veröffentlicht. Die aktuellen Erkenntnisse des Teams um Dr. Christoph Binder vom Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien basieren auf der Entdeckung der großen Vielfalt von Immunzellen, die mit Atherosklerose in Zusammenhang stehen. Vor diesem Hintergrund haben die Wissenschafter nun erstmals einen spezifischen Subtyp von Immunzellen identifiziert, die in atherosklerotischen Gefäßveränderungen sowohl der Maus als auch des Menschen vorkommen. Konkret geht es um eine Untergruppe von Makrophagen, die sich dadurch auszeichnet, einige Komplementfaktoren wie den Komplementfaktor H (CFH) zu produzieren. Dabei handelt es sich um Proteine im Blut, die als Bestandteile eines Teilbereichs des angeborenen Immunsystems (Komplementsystem) sowohl für die Abwehr von Krankheitserregern als auch für die Beseitigung geschädigter und absterbender Zellen von entscheidender Bedeutung sind. Wie sich in den aktuellen Untersuchungen zeigte, spielt der CFH eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Immunprozessen in Zusammenhang mit dem Fortschreiten des entzündlichen Geschehens bei Atherosklerose: CFH, so stellten die Forschenden fest, schränkt die Fähigkeit bestimmter Immunzellen ein, absterbende Zellen zu beseitigen, wodurch sich die atherosklerotischen Veränderungen verschlimmern. Umgekehrt zeigte sich im Mausmodell, dass das Fehlen von CFH positive Auswirkungen auf den Krankheitsfortschritt hat. Chronisch-entzündliche Erkrankungen besser verstehen „Im Gegensatz zu der herkömmlichen Auffassung, dass die Rolle des Komplementsystems bei Atherosklerose in erster Linie durch das aus der Leber stammende Komplement über den Blutkreislauf gesteuert wird, haben wir nun gezeigt, dass der dabei entscheidende Komplementfaktor H lokal von den Immunzellen selbst produziert wird“, streicht Studienleiter Binder die Tragweite der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung hervor. „Außerdem konnten wir erstmals zeigen, ob und wie der Komplementfaktor H direktbin den Immunzellen kontrolliert wird“, ergänzt Erstautor Máté Kiss. Der damit identifizierte Schlüsselweg beim Fortschreiten der chronischen Gefäßerkrankung trägt maßgeblich zum besseren Verständnis der Atherosklerose bei. Die Ergebnisse sollen in weiteren Forschungen bestätigt werden. Darüber hinaus soll nun analysiert werden, ob die Entdeckung auch auf andere chronisch-entzündliche Erkrankungen zutrifft. Die Behandlung der Atherosklerose zielt derzeit darauf ab, das Fortschreiten der Läsionen zu verlangsamen und daraus resultierende Herzinfarkte und Schlaganfälle möglichst zu verhindern. „Unsere Forschung kann den Grundstein für einen neuen Ansatzpunkt in der Therapie von Atherosklerose bilden“, so Co-Erstautorin Nikolina Papac-Miličević.
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