Gemeinsame Ursache von Thrombosen und Aortenaneurysmen entdeckt

Die Interaktion von Erythrozyten und Thrombozyten spielt eine Rolle bei der Entstehung verschiedener kardiovaskulärer Erkrankungen. (Symbolbild: ©Corona Borealis/stock.adobe.com)

Einem Düsseldorfer Forschungsteam ist es gelungen, nachzuweisen, wie die Interaktion verschiedener Blutzellen sowohl zur Entstehung von Thrombosen als auch von Bauchaortenaneurysmen führen kann.

Die CD36–TSP-1-vermittelte Interaktion von Thrombozyten und Erythrozyten ist demnach unmittelbar an der Bildung beider Erkrankungen beteiligt. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Circulation Research“ publiziert. Sie entstand unter der Leitung von Prof. Margitta Elvers und Prof. Markus Wagenhäuser, beide von der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Das Verständnis der molekularen Ursachen könnte neue Möglichkeiten für innovative und gezielte Therapieansätze eröffnen.

Gemeinsamer Signalmechanismus bei Thrombozyten und Erythrozyten

Die Aktivierung von Thrombozyten ist für die Blutstillung lebenswichtig. Gerät dieser Prozess außer Kontrolle, können Thrombosen entstehen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen. Neben Thrombozyten können auch die Erythrozyten gerinnungsfördernde Eigenschaften entwickeln.

Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel der beiden Zelltypen: Durch direkten Kontakt verstärken sie sich gegenseitig in ihrer gerinnungsfördernden Wirkung. Bereits 2018 konnte die Arbeitsgruppe von Elvers einen Fas-Ligand-Fas-Rezeptor-vermittelten Signalmechanismus zwischen Thrombozyten und Erythrozyten identifizieren, der die gerinnungsfördernde Aktivität beider Zellen hervorrufen kann (Klatt et al, Journal of Clinical Investigation 2018).

Bauchaortenaneurysmen entstehen hingegen durch eine fortschreitende Schwächung der Gefäßwand, häufig infolge von Arteriosklerose. Kommen anhaltende Entzündungsprozesse hinzu, kann die Wand der Hauptschlagader im Bauchraum geschwächt werden und sich zu einem abdominalen Aortenaneurysma erweitern.

Da ein abdominales Aortenaneurysma meist lange Zeit keine Beschwerden verursacht, wird es häufig erst erkannt, wenn es zu einer plötzlichen und lebensbedrohlichen Ruptur der Aorta kommt. Medikamentöse Behandlungsoptionen stehen bislang nicht zur Verfügung. Derzeit kann nur eine Operation das Risiko eines lebensbedrohlichen Aortenrisses senken.

Molekularer Ansatzpunkt für zwei Erkrankungen

Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojektes (Transregio 259, Projekt A07) konnte das Team um Elvers zeigen, dass eine spezifische Wechselwirkung zwischen Thrombozyten und Erythrozyten, vermittelt über die Proteine CD36 und TSP-1, eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten beider Erkrankungen spielt. In experimentellen Mausmodellen waren Tiere, bei denen diese Signalachse gezielt unterbrochen wurde, sowohl vor Thrombosen als auch vor Bauchaortenaneurysmen geschützt.

Die Forschenden konnten nachweisen, dass spezifische Wechselwirkungen zwischen Thrombozyten (beige) und Erythrozyten (rot) eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von unterschiedlichen kardiovaskulären Erkrankungen spielen. (Abbildung: ©Spelleken M. (2025); created in BioRender)

„Diese Ergebnisse sind von besonderer klinischer Bedeutung, da sie erstmals einen gemeinsamen molekularen Ansatzpunkt für zwei bislang unterschiedlich behandelte Erkrankungen aufzeigen“, so Elvers. „Die gezielte Hemmung der CD36–TSP-1-Achse könnte langfristig die Entwicklung medikamentöser Therapien ermöglichen, die das Fortschreiten von Bauchaortenaneurysmen bremsen und gleichzeitig das Risiko von Thrombosen reduzieren.“

Neben der HHU und dem UKD waren das Deutsche Diabetes-Zentrum, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), die Universität Münster, das Universitätsklinikum Tübingen und die OxProtect GmbH an der Studie beteiligt.