Gemeinschaftsleistung: So viele Gewebespenden wie noch nie

Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH (DGFG)

Eine gute Nachricht überbringt die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) zum Jahresbeginn: Noch nie wurden in ihrem Netzwerk so viele Gewebe gespendet wie im vergangenen Jahr.

Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation gab es prozentual nicht mehr Zustimmungen als 2024. Dennoch war die Anzahl der Meldungen, der Aufklärungsgespräche und damit auch der Personen, die Gewebe gespendet haben, im Jahr 2025 erkennbar höher. 9640 Patienten konnten demnach mit einem Transplantat aus dem Netzwerk der DGFG versorgt werden. Das sei eine Steigerung von 15,2 Prozent zum Vorjahr – ebenfalls ein Rekordwert.

Erstmals erreichten die DGFG eigenen Angaben zufolge mehr als 60.000 Meldungen potenzieller Gewebespender aus mehr als 320 verschiedenen Einrichtungen. Es wurden über 12.000 Aufklärungsgespräche zur Gewebespende im Jahr 2025 mit An- und Zugehörigen von Verstorbenen geführt, wobei in 4585 Fällen eine Zustimmung zur Spende gegeben wurde. Die Zustimmungsquote, so heißt es weiter, lag mit 37,9 Prozent nach einem Abwärtstrend in den vergangenen drei Jahren mit einem Minus von 0,2 Prozent zu 2024 nur leicht unter dem Vorjahresniveau.

„Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr Spenden-starkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugehörigen. Ihr Altruismus und ihre Solidarität machen die Gewebemedizin erst möglich. Dass wir bei gleichbleibender Zustimmungsquote mehr Spenden realisieren konnten, ist auch dem zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spender:innen melden und die Gewebespende in ihr Selbstverständnis integrieren. Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverständlichkeit.“, erklärt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

Augenhornhäute – am häufigsten gespendet, am häufigsten transplantiert

Von 4188 durchgeführten Entnahmen spendeten 4070 Personen nach ihrem Tod ihre Augenhornhäute. In 2025 wurden 6370 in der Gewebebank aufbereitete Augenhornhauttransplantate zur Operation an Augenkliniken vermittelt. Das entspreche einer Steigerung um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und trotzdem bestehe weiterhin ein Mangel an Augenhornhäuten und anderen Geweben, wie die DGFG berichtet.

Mangel an Herzklappen trotz gestiegener Spendezahl in 2025

Besonders eklatant sei der Mangel bei Herzklappen: Diese wurden zu 84,4 Prozent im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz für eine Organtransplantation medizinisch nicht in Frage kam. Ihre Anzahl steht somit im Zusammenhang mit den in Deutschland durchgeführten Organspenden. In diesem Jahr wurden im Netzwerk der DGFG mit einer Anzahl von 472 18,3 Prozent mehr Herzklappen gespendet als 2024. Dennoch konnte die DGFG nur weniger als die Hälfte der Anfragen bedienen. Das verdeutliche der DGFG zufolge die Wichtigkeit des Ausbaus von Spendeprogrammen nach Herz-Kreislauf-Versterben.

Innovation als Schlüssel zur besseren Patientenversorgung

Als gemeinnützige Organisation des Gesundheitswesens setze sich die DGFG kontinuierlich für die Verbesserung der Gewebeversorgung in Deutschland ein. Dies geschieht sowohl durch die Spende, Aufbereitung und Vermittlung von Gewebetransplantaten im Netzwerk als auch durch die Entwicklung neuer Verfahren und Gewebezubereitungen.

Im Jahr 2025 feierte die DGFG das Jubiläum des LaMEK-Transplantats. Dieses wurde im Dezember 2015 als vorpräparierte Lamelle für die sogenannte DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik) vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt.

Bei diesem Operationsverfahren wird ausschließlich die geschädigte Endothelschicht der Hornhaut ersetzt; das übrige Gewebe bleibt erhalten. Für diese Technik muss das chirurgische Team im OP die lamellare Schicht der Augenhornhaut direkt vor der Transplantation präparieren. Das sei ein zeitlicher und organisatorischer Mehraufwand, der auch das Risiko des Transplantatverlusts in sich birgt. Die LaMEK biete eine vorpräparierte, standardisierte und sichere Erleichterung, da die Lamelle im OP nur noch abgezogen werden muss.

So würden Patienten ein qualitätsgeprüftes Transplantat erhalten und die Augenkliniken entlastet. Im Netzwerk der DGFG wurde die LaMEK seit 2015 4371 -mal vermittelt, in 2025 allein 556-mal.

Gewebespende soll in der Öffentlichkeit zunehmend sichtbarer werden

„Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bevölkerung oft unbekannt. Viele Menschen kennen die Option einer Spende bis ins hohe Alter und nach Herz-Kreislauf-Versterben nicht“, so Martin Börgel.

In Deutschland wurden 88,3 Prozent der gespendeten Gewebe nach Herz-Kreislauf-Versterben realisiert. Der Großteil der spendenden Personen liegt dabei in einer Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren (37,1 %). 32 Prozent der Personen, die Gewebe gespendet haben waren älter als 75 Jahre. Oft wüssten Angehörige jedoch nicht, wie und ob die verstorbene Person sich zur Gewebespende geäußert hat. 69 Prozent der Zustimmungen und 62,9 Prozent der Ablehnungen wurden, dem Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend, von Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der Verstorbenen entschieden.

„Deshalb arbeiten wir konstant daran, die Gewebemedizin in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Für 2026 wünschen wir uns, dass der Aufklärungsgrad zur Gewebespende weiter zunimmt. Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation.“

Anbindung von Gewebespende-Einrichtungen an das Organspenderegister

Ein weiteres Hilfsmittel der Willensäußerung, so die DGFG, sei das im März 2024 in Betrieb genommene Organspende Register (OGR). Dort hätten bisher 448.681 Menschen ihre Zustimmung oder ihre Ablehnung zur Organ- und Gewebespende festgehalten (Quelle: www.organspende-info.de, Stand 30. Dezember 2025).

„Im Jahr 2026 soll nach Verabschiedung des Dritten Gesetzes zur Änderung des Transplantationsgesetzes die rechtliche Grundlage geschaffen sein, damit auch Gewebespende-Einrichtungen auf das Register und dessen Eintragungen zugreifen können“, betont die DGFG. Das Gesetzesvorhaben sei im November 2024 mit dem Bruch der Regierungskoalition zunächst eingestellt, im Sommer 2025 vom Bundesgesundheitsministerium aber wieder aufgenommen worden.