Genetisch bedingte Blindheit: Verlorenes Sehvermögen zurückgewinnen

WVU-Forscher untersuchen neue Wege zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei genetischer Blindheit. Symbolbild.©Paulista-stock.adobe.com

Ein Forschungsteam der West Virginia University (WVU), Morgantown (USA), untersucht, wie das Sehvermögen von Menschen, die an einer Form der erblichen Blindheit leiden, wiederhergestellt werden kann.

Visvanathan Ramamurthy, Professor und Vorsitzender des Departments of Biochemistry and Molecular Medicine sowie stellvertretender Vorsitzender für Forschung im Department of Ophthalmology and Visual Sciences an der WVU School of Medicine, leitet diese multidisziplinäre Studie zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern und Klinikern der WVU.

Die Studie wird durch eine dreijährige Förderung in Höhe von 1,4 Millionen Dollar vom National Eye Institute unterstützt.

Fokus auf Mutationen im PROM1-Gen

Vererbte Blindheit resultiert aus Mutationen in bestimmten Genen, die das Sehvermögen beeinträchtigen. Das Team der WVU konzentriert sich auf Mutationen im Prominin1- oder PROM1-Gen. Dieses kodiert für ein Protein, das im gesamten Körper exprimiert wird. Bislang wurden etwa 50 verschiedene PROM1-Mutationen als Ursachen für den Verlust des Sehvermögens identifiziert. Dennoch besteht nach wie vor eine erhebliche therapeutische Lücke.

„Wir sehen Patienten am WVU Eye Institute, die diese Mutationen tragen. Derzeit gibt es jedoch keine Behandlung, um ihren Sehverlust zu stoppen oder umzukehren“, erklärte Ramamurthy. „Wenn das Sehvermögen eines Patienten gefährdet ist, konzentriert sich unser Team darauf, diese kritische Lücke mit einer transformativen Behandlung zu schließen.“

Vielversprechende Ergebnisse im Mausmodell – Sehvermögen für ein Jahr wiederhergestellt

Ramamurthys Team nutzt ein Mausmodell der Krankheit. Die Forscher verabreichen den Versuchstieren funktionelles genetisches Material über einen harmlosen viralen Vektor, der in den Augenhintergrund injiziert wird. In Zusammenarbeit mit dem Doktoranden George Holmes und der Postdoktorandin Sila Niedoba hat das Team vielversprechende erste Ergebnisse in ihren Modellen beobachtet. Ihre bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine einzige Injektion das Sehvermögen für mindestens ein Jahr erhalten oder sogar wiederherstellen kann.

„Dieses einjährige Zeitfenster bei Mäusen ist bedeutend“, betonte Ramamurthy. „Es deutet auf ein Potenzial für eine viel längere Wirkungsdauer hin, wenn es auf menschliche Patienten übertragen wird.“

Über die anfängliche Wiederherstellung hinaus untersucht das Team, ob diese Therapie auch nach Fortschreiten der Krankheit wirksam bleibt. Das wäre den Wissenschaftlern zufolge ein entscheidender Faktor für die klinische Anwendung.

Untersuchung der Wirksamkeit in späteren Stadien

„Die meisten Patienten stellen sich nicht im frühesten Stadium der Krankheit für eine Behandlung vor“, so Ramamurthy. „Wir möchten herausfinden, ob die Therapie auch in mittleren oder sogar späteren Stadien des Sehverlusts noch einen Nutzen hat.“

An der Forschung beteiligt sind Wen Tao Deng, Assistenzprofessor in den Departments of Ophthalmology and Visual Sciences und Biochemistry and Molecular Medicine, und Peter Stoilov, Professor im Department of Biochemistry and Molecular Medicine.

„Unser Labor beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit erblicher Blindheit“, erzählte Ramamurthy. „Jetzt konzentrieren wir uns darauf, diese Erfolge aus dem Labor in die klinische Realität für unsere Patienten zu übertragen.“

(sas/BIERMANN)