Genetisches Profil von Prostatakrebs-Hirnmetastasen zeigt Therapiemöglichkeit auf12. Mai 2022 Hirnmetastasen kommen bei Prostatakrebs nicht häufig vor, sind aber sehr gefährlich. Grafik: SciePro – stock.adobe.com Forschenden aus Bern (Schweiz) ist es gelungen, das genetische Profil von Prostatakrebs-Hirnmetastasen zu erstellen. Die Ergebnisse könnten die Tür für eine gezielte Behandlung der betroffenen Patienten mit PARP-Inhibitoren öffnen. Im Gegensatz zu anderen Krebsarten wie Brust- oder Lungenkrebs sind beim Prostatakrebs die äußerst gefährlichen Metastasen im Gehirn jedoch sehr selten. Nur 1,5 Prozent der fortgeschrittenen Fälle sind gemäß einer Übersichtsstudie aus dem Jahr 2020 als Hirn-metastasierender Prostatakrebs (PCBM) diagnostiziert worden. Die PCBM-Fälle waren deshalb bisher wenig erforscht.Diese Lücke haben Forschende um Mark A. Rubin von der Universität Bern und vom Inselspital Bern nun mit der ersten größeren Studie über Hirnmetastasen bei Prostatakrebs geschlossen. In ihrer Untersuchung haben sie den molekularbiologischen «Steckbrief» von PCBM-Zellen beschrieben. Diese weisen demnach gehäuft Veränderungen im Reparaturmechanismus auf, der bei gesunden Zellen alltägliche Schädigungen in der DNA behebt. «Die Veränderungen gleichen der genetischen Signatur anderer Krebsarten, gegen die wirksame Medikamente verfügbar sind», sagt Rubin, Direktor des Department for BioMedical Research und Präsident des Bern Center for Precision Medicine an der Universität Bern und am Inselspital Bern. «Das ist eine positive Nachricht. Denn dadurch steht einer gezielten Behandlung zumindest eines Teils der PCMB-Patienten nichts mehr im Wege.» Die Studie wurde online im Journal “Nature Communications” veröffentlicht.Veränderungen im Reparaturmechanismus der KrebszellenBei Krebszellen sind die Reparaturmechanismen der Zellen so verändert, dass sie bestimmte Schädigungen im Erbgutstrang nicht mehr flicken können und deshalb unkontrolliert wuchern. In metastasierenden Zellen tritt zudem ein alternativer Reparaturmechanismus auf, der die Krebszellen gedeihen lässt. Mittlerweile gibt es jedoch Medikamente – die sogenannten PARP-Inhibitoren (PARP: Poly-ADP-Ribose-Polymerase) – welche diesen alternativen Reparaturmechanismus gezielt blockieren und zum Tod der Krebszellen führen. Diese wirken jedoch nur, wenn die Veränderungen der gefährlichen Zellen ein bestimmtes Muster im primären Reparaturmechanismus aufweisen.In ihrer Studie haben die Forschenden Gewebeproben von 51 PCMB-Patienten untersucht, die sie aus Spitälern der ganzen Schweiz sowie einer Partnerinstitution aus den USA erhalten haben. Die Analyse hat gezeigt, dass bei allen getesteten Proben mit hirnmetastasierenden Prostatakrebszellen Veränderungen im primären DNA-Reparaturmechanismus entdeckt wurden. In rund 20 Prozent der untersuchten Patienten stellten die Wissenschaftler exakt dasjenige genetische Muster fest, bei dem gemäß einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie die Verabreichung von PARP-Inhibitoren die Überlebensraten der Betroffenen signifikant steigerten. «Einer von fünf Patienten mit hirnmetastasierendem Prostatakrebs könnte deshalb von einer Therapie mit diesen gezielten Medikamenten profitieren», sagt Rubin.Zugleich eröffnet die genomische Analyse der Hirnmetastasen und der Vergleich mit anderen Krebsarten neue Türen für die Grundlagenforschung. «Wenn wir verstehen, wieso beim Prostatakrebs im Vergleich zu anderen Tumorarten weniger Hirnmetastasen auftreten, können wir in Zukunft lernen, welche Änderungen in den Zellen diese bösartig machen», erklärt Rubin. (Universität Bern / ms)
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