Genomweite Assoziationsanalyse zur Divertikelkrankheit

© bilderzwerg – fotolia.com

Computeranalysen deuten darauf hin, dass es sich bei der Divertikulose v.a. um eine Störung der neuromuskulären Funktion des Darms und um eine Beeinträchtigung der Bindegewebsfaserunterstützung handelt. Ein zusätzliches Divertikulitis-Risiko könnte durch eine epitheliale Dysfunktion entstehen, berichten die Autoren einer aktuellen Studie.

Die Divertikelkrankheit sei eine häufige, komplexe Störung, die durch Ausstülpungen des Kolonwand gekennzeichnet ist und sich in Komplikationen wie Divertikulitis, Perforation und Blutungen äußert, erklären die Wissenschaftler. Sie berichten über die nach ihren Angaben bislang größte genomweite Assoziations­studie (GWAS) zur Identifizierung genetischer Risikofaktoren für Divertikelerkrankungen.

Die Analyse wurde anhand von Daten aus der UK Biobank an 31.964 Patienten und 419.135 Kontrollpersonen europäischer Abstammung durchgeführt. Assoziationen wurden in einer europäischen Stichprobe von 3893 Fällen und 2829 Divertikel-freien Kontrollen repliziert und auf ihren Risikobeitrag zu Divertikulitis und unkomplizierter Divertikulose hin untersucht.

Die Transkripte an den Top-20-Replikationsorten wurden durch quantitative Echtzeit-Polymerasekettenreaktion in Präparaten der Schleimhaut-, Submukosa- und Muskelschicht des Dickdarms analysiert. Die Lokalisation exprimierten Proteins an ausgewählten Loci wurde mittels immunhistochemischer Verfahren untersucht.

Die Studienautoren entdeckten 48 Risiko-Loci, von denen 12 neu waren, mit genomweiter Signifikanz und konsistenter Odds Ratio (OR) in der Replikationsprobe. Die nominelle Replikation (p<0,05) wurde für 27 Loci und weitere 8 in der Metaanalyse mit einer populationsbasierten Kohorte beobachtet.

Die signifikanteste neue Risikovariante rs9960286 liegt in der Nähe von CTAGE1, mit einem p-Wert von 2,3×10-10 und 0,002 (ORallelic=1,14; 95%-Konfidenzintervall [OR] 1,05–1,24) in der Replikationsanalyse. Vier Loci zeigten stärkere Effekte für Divertikulitis: PHGR1 (OR 1,32; 95%-KI 1,12–1,56), FAM155A-2 (OR 1,21; 95%-KI 1,04–1,42), CALCB (OR 1,17; 95%-KI 1,03–1,33) und S100A10 (OR 1,17; 95%-KI 1,03–1,33).

Fazit
Computeranalysen deuten darauf hin, dass eine Divertikulose vor allem auf eine Störung der neuromuskulären Funktion des Darms und auf eine Beeinträchtigung der Bindegewebsfaserunterstützung zurückzuführen ist, während ein zusätzliches Divertikulitis-Risiko durch eine epitheliale Dysfunktion entstehen könnte. (ac)

Autoren: Schafmayer C et al.
Korrespondenz: Prof. Jochen Hampe, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden; [email protected]
Studie: Genome-wide association analysis of diverticular disease points towards neuromuscular, connective tissue and epithelial pathomechanisms
Quelle: Gut 2019;68(5):854–865.
Web: https://doi.org/10.1136/gutjnl-2018-317619