Geographische Atrophie: Netzhautchip erstmals am UKSH implantiert13. Oktober 2026 Zum ersten Mal konnte Gisela Sudhop am 8. Oktober die Brille mit eingebauter Mikrokamera tragen, die Bildsignale auf den Chip im Auge überträgt. In der praktischen Anwendung funktioniert das System ohne Kabel.Foto:©Julian Hahnefeld/UKSH Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wurde erstmals seit der Zulassung im Juli einer 80-jährigen Patientin, die infolge einer geographischen Atrophie erblindet war, ein Netzhautchip implantiert. Das Netzhautimplantat könnte eine neue wirksame Therapie für Patientinnen und Patienten mit geographischer Atrophie, einer fortgeschrittenen Form der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD), darstellen. AMD gilt als häufigste Erblindungsursache in Deutschland. Über eine Million Menschen sind hierzulande betroffen. Netzhautchip ersetzt Funktion abgestorbener Sehzellen Laut Angaben des UKSH leidet die Patientin Gisela Sudhop seit über einem Jahrzehnt an AMD: Die lichtempfindlichen Sehzellen in der Makula waren bereits abgestorben. Gesichter und Details zu erkennen oder zu lesen, war ihr nicht mehr möglich. Klinikdirektor Prof. Dr. Salvatore Grisanti und sein Team setzten der Patientin in einer hochspezialisierten OP den zwei mal zwei Millimeter großen Chip unter die Netzhaut ins Auge ein. Der Chip soll die Funktion der lichtempfindlichen Sehzellen übernehmen. Dafür wird er mit einer speziell angepassten Brille kombiniert. Eine integrierte Mikrokamera erfasst visuelle Informationen und übermittelt Bildsignale sowie Energie an den Chip. Dieser stimuliert die noch vorhandenen Nervenzellen der Netzhaut, sodass das Gehirn wieder visuelle Eindrücke verarbeiten kann. Nach dem Eingriff muss die Patientin das Sehen im Rahmen eines intensiven Rehabilitationstrainings schrittweise neu erlernen. „Als ich die Anfrage der Klinik bekam, ob ich zur OP bereit bin, habe ich nicht gezögert. Die Chance, einen ganz wesentlichen Teil meines Sehvermögens zurückzubekommen, grenzt für mich an ein medizinisches Wunder. Ich danke dem UKSH und der Augenklinik für diese besondere Leistung und den fürsorglichen Umgang mit mir“, erzählt Gisela Sudhop. Neue Technologie als große Chance für Patientinnen und Patienten „Wir freuen uns sehr, dass wir den weltweit ersten Eingriff dieser Art nach der Zulassung des Chips erfolgreich durchführen konnten“, berichtet Grisanti. Durch die bislang verfügbaren Therapien lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung teilweise verlangsamen, aber nicht umkehren. Die neue Technologie sei deshalb ein echter Meilenstein in der Augenheilkunde und eine große Chance für viele Patientinnen und Patienten. „Unsere Patientin erfüllte alle medizinischen Voraussetzungen für die OP und ist darüber hinaus besonders motiviert – ihr größter Wunsch ist es, wieder lesen zu können. Wir erwarten, dass sie durch den Chip eine Lesefähigkeit von mittelgroßen Buchstaben erreichen wird“, so Grisanti. Die Implantation des Netzhautchips zählt laut UKSH zu den anspruchsvollsten Operationen in der Augenheilkunde und kann weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Die Wirksamkeit des Implantats war im Rahmen einer internationalen Zulassungsstudie nachgewiesen worden. An dieser war das Team der Klinik für Augenheilkunde maßgeblich beteiligt. Im Juli 2026 wurde der Netzhautchip „PRIMA“ für die reguläre Krankenversorgung in Europa zugelassen. Die Klinik für Augenheilkunde möchte auch die Weiterentwicklung dieses innovativen therapeutischen Ansatzes intensiv begleiten.
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