Geparden-Mumien liefern Impulse für Wiederansiedelung

Foto: © Ahmed Al Boug et al./Communications Earth & Environment

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des National Centre for Wildlife (Riad) und Mitwirkung des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie berichtet über den Fund natürlich mumifizierter Geparden in Höhlen nahe Arar (Nord-Saudi-Arabien).

Die Studie kombiniert Radiokarbondatierung, Bildgebung und Palaeogenomik und belegt eine jahrtausendealte Präsenz der Art in der Region. Genetische Analysen liefern zentrale Impulse für künftige Wiederansiedlungen. Der Artikel erschien jüngst im Nature Fachjournal „Communications & Earth Environment“.

Forschende haben in Höhlen nahe der nordsaudischen Stadt Arar die mumifizierten Überreste von Geparden entdeckt. Einige sind mehr als 4.000 Jahre alt. Insgesamt wurden sieben Mumien sowie zahlreiche Knochen gefunden, die auf natürliche Weise konserviert wurden. Wie es dazu kam, ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich sorgten trockene Bedingungen und stabile Temperaturen in den Höhlen für die außergewöhnliche Erhaltung.         

Co-Autorin Pamela Burger (FIWI) betont die Dimension des Fundes: „Geparden haben weltweit einen besonders starken Bestandsrückgang erlitten und sind aus 91 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes verschwunden.“ Das Team untersuchte 134 Höhlen auf einer Fläche von 1,2 km2. Die Funde konzentrierten sich auf fünf Höhlen, darunter eine, die über ein 16 Meter tiefes Sinkloch zugänglich ist. Mithilfe von Radiokarbondatierung bestimmten die Forschenden das Alter der Überreste. Einige Funde sind rund 130 Jahre alt, während die ältesten Überreste ein Alter von mehr als 4.000 Jahre aufweisen. Röntgenanalysen zeigen viele subadulte Tiere und Jungtiere. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Höhlen als Wurf- oder Ruheplätze genutzt wurden.

Genetik weist den Weg für Rewilding*

Palaeogenetische Analysen liefern zentrale Hinweise für den Naturschutz. „Die jüngste Mumie gehört klar zur stark bedrohten asiatischen Unterart Acinonyx jubatus venaticus – heute auf den Iran beschränkt -, während ältere Proben der westafrikanischen Unterart A. j. hecki näherstehen“, so Pamela Burger. Das spricht dafür, dass in Arabien über lange Zeit verschiedene genetische Linien vorkamen. Angesichts neuer Schutzgebiete, wiederhergestellter Lebensräume und erfolgreicher Wiederansiedlungen von Huftieren in Saudi-Arabien bieten die neuen Funde nun konkrete, genetisch fundierte Bezugspunkte für künftige Geparden-Projekte. Dazu resümiert Burger: „Wir schließen daraus, dass Rewilding von Geparden in Arabien aus den Unterarten erfolgen kann, die den in den Höhlen entdeckten Geparden am nächsten stehen.“

Die weltweite Gepardenpopulation ist stark geschrumpft. In Saudi-Arabien gab es seit Jahrzehnten keine Tiersichtungen mehr. Von der asiatischen Unterart, die früher auch dort vorkam, leben heute nur noch rund fünfzig Tiere in freier Wildbahn, im Iran. Die Höhlenfunde zeigen zugleich, dass aride Höhlensysteme wertvolle Archive alter Biodiversität sind, die entscheidungsrelevante Daten für evidenzbasierte Artenschutzprogramme liefern können.

*Rewilding bedeutet, Natur wieder „wilder“ werden zu lassen. Dabei werden Lebensräume renaturiert und teils verschwundene Arten wieder angesiedelt, damit natürliche Prozesse wie Weide, Jagd und Waldentwicklung sich selbst regulieren. Ziel ist, stabile, artenreiche Ökosysteme zu schaffen – mit möglichst wenig menschlicher Steuerung.