Geringeres Verkehrsunfall-Risiko nach Kataraktoperation

Eine aktuelle Studie stützt die Empfehlung der DOG, dass Autofahrer ab dem 60. Lebensjahr ihre Augen regelmäßig auf Anzeichen einer Katarakt untersuchen lassen sollten. Foto: © bilderstoeckchen – Fotolia.com

Patienten, die eine Katarakt operieren lassen, haben ein um neun Prozent geringeres Risiko, als Autofahrer einen schweren Verkehrsunfall zu verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Fachjournal „JAMA Ophthalmology“ erschienen ist.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass schlechtes Sehen das Unfallrisiko im Straßenverkehr erhöhen kann. Vor allem ältere Menschen ab dem 60. Lebensjahr sollten ihre Augen deshalb regelmäßig auf Anzeichen einer Katarakt untersuchen und, wenn nötig, operieren lassen.

Die Autoren der Studie, so teilt die DOG mit, beobachteten mehr als 500.000 Menschen im durchschnittlichen Alter von 76 Jahren über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren bevor und ein Jahr nachdem sie wegen einer Katarakt operiert worden waren. Nach dem Eingriff verzeichneten die Studienautoren neun Prozent weniger Verkehrsunfälle, die durch ihre Patienten verursacht worden waren. Die Autoren berücksichtigten nur Unfälle, bei denen die Fahrer mit schweren Verletzungen in der Notaufnahme behandelt werden mussten.
Nach Schätzung der DOG ersetzen Augenärzte in Deutschland pro Jahr mindestens 800.000 Augenlinsen durch künstliche Linsen und verhindern so – glaubt man der Studie – rund 200 schwere Verkehrsunfälle. Prof. Bernhard Lachenmayr von der Verkehrskommission der DOG und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) erklärt: „Angesichts der hohen Sterblichkeit und der Tatsache, dass Senioren sich meist nicht vollständig von einem Unfall erholen, ist jede Maßnahme, die das Unfallrisiko verringert, ein Schritt in die richtige Richtung.“

Ab dem 60. Lebensjahr kann die menschliche Augenlinse trüb werden. Bei fast zehn Millionen Menschen in Deutschland schreitet nach Angaben der Fachgesellschaft die Trübung so weit voran, dass das Sehen dadurch stark eingeschränkt wird. „Besonders im Straßenverkehr, wo es auf gutes Sehvermögen ankommt, kann der Graue Star zu Unfällen führen“, betont Lachenmayr. Dadurch, dass die Trübung oft schleichend verläuft, merken viele Patienten nicht, dass sie schlechter sehen, ergänzt der Münchener Ophthalmologe: „Viele Betroffene sehen noch ausreichend, um einen Fahreignungstest zu bestehen – aber beim Autofahren können auch kleine Einschränkungen schon zu einem Unfall führen.“ Damit sie nicht unentdeckt in dieser Grauzone blieben, sollten Menschen ab dem 60. Lebensjahr regelmäßig zur Kontrolluntersuchung beim Augenarzt gehen.

Quelle: DOG

Anm. d. Red.:
Link zur Studie: https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/fullarticle/2686118?utm_source=silverchair&utm_campaign=jama_network&utm_content=weekly_highlights&cmp=1&utm_medium=emai
Schlenker MB, Thiruchelvam D, Redelmeier DA. Association of Cataract Surgery With Traffic Crashes. Published online June 28, 2018. doi:10.1001/jamaophthalmol.2018.251