Lebenslange Gesellschaft schützt das Gehirn vor kognitivem Abbau16. Oktober 2025 Lebenslange soziale Bindungen schützen das Gehirn älterer Ratten vor kognitivem Abbau. (Bild: © Obee – stock.adobe.com) Lebenslange soziale Bindungen können das Gehirn alternder Ratten schützen. Eine neue Studie zeigt, dass soziale Interaktion Gedächtnisverlust vorbeugen und neuronalen Abbau im Alter verlangsamen kann. Das Forschungsteam um Anne M. Dankert vom Providence College und der University of North Carolina (USA) zeigte, dass ältere Ratten, die ihr Leben lang in sozial bereichernden Umgebungen lebten, ein besseres Gedächtnis behielten. Zudem wiesen diese Tiere eine höhere kognitive Flexibilität auf als Ratten, die allein gehalten wurden. Die Studie unterstreicht die Bedeutung sozialer Interaktion für den Schutz des alternden Gehirns. Kognitiver Abbau, wie Gedächtnisverlust und verminderte Problemlösungsfähigkeit, betrifft viele Menschen über 65 Jahre. Viele Faktoren tragen zum altersbedingten kognitiven Abbau bei. Die Studie, die in „Aging“ erschien, legt jedoch nahe, dass ein Schlüsselfaktor überraschend einfach sein könnte: langfristige soziale Bindungen. Die Forschenden wollten untersuchen, wie soziale Interaktion die Gedächtnisleistung beeinflusst. Dazu konzipierten sie eine Studie mit Ratten als Modell für das menschliche Altern. Rattenmodell zeigt Einfluss sozialer Bindungen auf das Altern Sie verglichen drei Rattengruppen: junge Erwachsene, ältere Ratten, die allein gehalten wurden, und ältere Ratten, die in Gruppen untergebracht waren. Alle Gruppen hatten Zugang zu den gleichen körperlichen Aktivitäten wie Bewegung und anregenden Objekten, aber nur einige erlebten lebenslange soziale Gemeinschaft. Das Team testete diese Tiere mit einer komplexen Gedächtnisaufgabe, der bikonditionalen Assoziationsaufgabe. Dabei müssen die Tiere kontextbasierte Entscheidungen treffen – eine Fähigkeit, die typischerweise mit dem Alter nachlässt. Die Ergebnisse zeigten, dass ältere Ratten, die in sozialen Gruppen lebten, bei der Gedächtnisaufgabe genauso gut abschnitten wie junge Erwachsene. Allein untergebrachte Ratten zeigten hingegen deutliche Beeinträchtigungen. In sozialen Gruppen untergebrachte Ratten machten zudem weniger Fehler im Arbeitsgedächtnis und benötigten weniger Anstrengung, um kognitive Aufgaben zu bewältigen. Dies deutet nicht nur auf eine bessere Leistung, sondern auch auf eine effizientere Gehirnfunktion hin. Diese Vorteile wurden bei älteren Ratten, die nur eine anregende Umwelt ohne soziale Interaktion erhielten, nicht beobachtet. Lebenslange Gesellschaft verändert neuronale Aktivität Gehirnaufnahmen offenbarten weitere Unterschiede zwischen den Gruppen. Ältere Ratten in Sozialhaltung zeigten eine erhöhte Aktivität im Hippocampus. Besonders deutlich war dies in der CA3-Region, die eine Schlüsselrolle bei der Bildung und Sortierung von Erinnerungen spielt. Im Gegensatz dazu wiesen ältere Ratten, die allein lebten, eine geringere Aktivität in dieser Region auf, was ihre schlechtere Leistung erklären könnte. Ältere Ratten in Sozialhaltung zeigten auch eine geringere Überaktivität im anterioren cingulären Cortex, der für Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung zuständig ist. Die Befunde deuten auf eine ausgeglichenere und effizientere neuronale Reaktion hindeutet. Vom Käfig ins Leben: Relevanz für den Menschen Diese Forschung liefert neue Erkenntnisse darüber, wie lebenslange soziale Erfahrungen die Gehirngesundheit im Alter beeinflussen. Frühere Studien zeigten, dass körperliche Aktivität und kognitive Stimulation zum Erhalt der kognitiven Funktionen beitragen. Diese Studie hingegen identifiziert soziale Interaktion als unabhängigen und starken Schutzfaktor. Die Ergebnisse decken sich mit Studien am Menschen, die zeigen, dass ältere Erwachsene, die sozial aktiv bleiben, tendenziell einen langsameren kognitiven Abbau und eine stärkere Gehirnfunktion aufweisen. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass die Alterung des Gehirns nicht unvermeidlich ist, sondern von unserem sozialen Umfeld beeinflusst werden kann. Diese Forschung legt den Autoren zufolge nahe, dass die Förderung lebenslanger sozialer Kontakte eine wichtige und kostengünstige Strategie zum Schutz des Gedächtnisses und der geistigen Flexibilität älterer Erwachsener sein könnte.(lj/BIERMANN)
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