Gesundheit und Klima: DGIM gründet neue Arbeitsgruppe28. Juni 2022 Foto: © ximich_natali/stock.adobe.com Der Klimawandel wirkt sich wie Umwelt- und insbesondere Luftverschmutzung auch auf den menschlichen Organismus aus. Die Folgen sind auch in der Inneren Medizin in Form einer erhöhten Morbidität und Mortalität bei Extremtemperaturen nachweisbar. Doch auch das Gesundheitssystem selbst trägt zum Klimawandel bei. Um die Diskussion über die gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung und Klimaveränderungen wissenschaftlich fundiert zu führen, hat die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) eine neue Arbeitsgruppe (AG) „Gesundheit und Klima“ gegründet. Ziel der AG ist es, wissenschaftlich belegte Fakten zum Einfluss des Klimas im Bereich der Inneren Medizin zusammenzutragen, die Rolle des Gesundheitswesens als Mitverursacher des Klimawandels zu beleuchten und konsentierte Empfehlungen zur Prävention und Gesundheitsfürsorge sowie zur CO2-Reduktion in Klinik und Praxis auszuarbeiten. Bisher nur wenige kontrollierte oder prospektive Studien Trotz wachsender Evidenz für die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Gesundheit besteht angesichts der Dringlichkeit des Themas weiterer Forschungsbedarf. „Viele Aussagen beruhen auf Modellrechnungen, epidemiologischen Beobachtungen oder Registerdaten, kontrollierte oder prospektive Studien sind dagegen rar und wegen der notwendigen langen Beobachtungszeiten natürlich auch schwierig“, betont Prof. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM und Kardiologe aus Würzburg. Die DGIM hat sich dem Thema auf ihrem Jahreskongress 2021 und zahlreichen anderen Veranstaltungen bereits intensiv gewidmet. „Mit der Gründung der Arbeitsgruppe „Gesundheit und Klima“ wollen wir die Diskussion um Gesundheitsfolgen des Klimawandels auf wissenschaftlicher Basis fortsetzen und daraus fundierte Empfehlungen ableiten“, so der DGIM-Generalsekretär weiter. Internistische Erkrankungen im Klimawandel: Was sagt die Forschung? „Uns ist wichtig zu ergründen, welche Krankheiten tatsächlich Folgen von Klima- und Umweltveränderungen sind und welche Auswirkung der Klimawandel auf die Entstehung und Verbreitung internistischer Erkrankungen hat“, beschreibt DGIM-Vorstandsmitglied Prof. Andreas Neubauer einen Schwerpunkt der AG. Der Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie am Universitätsklinikum Marburg wird die AG gemeinsam mit der internistischen Hausärztin Dr. Susanne Balzer aus Köln leiten. In einem ersten Schritt geht es darum, die vorhandene Literatur systematisch zu bewerten. „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen in Krankenhaus und Praxis geprüftes Informationsmaterial und Handlungsempfehlungen an die Hand geben, die sie in der Beratung ihrer Patientinnen und Patienten nutzen können“, so Neubauer. So wolle die AG aufzeigen, wie der Klimawandel konkret krank macht und was Internistinnen und Internisten aber auch Patientinnen und Patienten dagegen tun können. Klimaneutralität in Klinik und Praxis: konkrete Tipps zur Umsetzung Einen weiteren Schwerpunkt wird die AG auf die Rolle des Gesundheitswesens als Mitverursacher des Klimawandels legen. „Nicht nur eigenes umweltfreundliches Verhalten, sondern auch das Verschreibungsmanagement kann einen Unterschied machen“, sagt Co-Sprecherin Balzer. Zum Beispiel gebe es bei Inhalatoren Unterschiede in der Umweltverträglichkeit, da einige Treibhausgase enthalten, andere nicht, sagt die Kölner Hausärztin unter Verweis auf eine neue Leitlinie zur klimabewussten Verordnung von inhalativen Arzneimitteln. Auch die DGIM-Initiative „Klug entscheiden“ zur Vermeidung von Unter- und Überversorgung leiste einen Beitrag zur Klimafreundlichkeit. „Es geht auch darum, die Klimaresilienz unserer Patientinnen und Patienten zu steigern, etwa indem wir sie dezidiert dazu beraten, welche Medikamente bei Hitze angepasst werden sollten, oder indem wir uns an kommunalen Hitzeaktionsplänen beteiligen“, beschreibt Balzer weitere Handlungsmöglichkeiten für Ärzte.
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