Gewebebank MV meldet 1000. Augenhornhaut-Transplantation7. Juni 2018 Nach der Präparation können Augenhornhäute in der Gewebebank in einem mit Nährstoffen angereicherten Organkulturmedium bei circa 32 Grad bis zu 28 Tage vorgehalten werden. Foto: © Joachim Kloock Die im Juli 2015 gegründete Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V), Rostock, meldete im vergangenen Monat die 1000. Transplantation einer Augenhornhaut. „Unser Team ist sehr stolz, dass wir innerhalb so kurzer Zeit so vielen Menschen mit gesundheitlichen Sehproblemen helfen konnten“, sagte der Geschäftsführer der gemeinnützigen GBM-V, Dr. Frank-Peter Nitschke. „Wir verdanken diesen Erfolg maßgeblich den Spendern und ihren Familien sowie den unglaublich engagierten Mitarbeitern in den Kliniken, die die Entnahme der Gewebe erst möglich machen.“ In Mecklenburg-Vorpommern werden nach Angaben der GBM-V jährlich rund 200 Augenhorntransplantationen durchgeführt – primär in Rostock, Greifswald, Demmin, Neubrandenburg und Stralsund. Alleine aus der Gewebebank MV würden derzeit pro Woche durchschnittlich 25 Transplantate abgegeben, was die überregionale Bedeutung dieser Gewebebank widerspiegele. Kontaktformular für Augenärzte geplant „Für dieses Jahr planen wir die Bereitstellung von insgesamt rund 1200 Augenhornhauttransplantaten. Derzeit können wir allen Anfragen von Transplantationszentren nach Augenhornhäuten ohne Wartezeiten nachkommen“, betonte der Transplantationsmediziner Nitschke. Um die Vermittlung der Hornhauttransplantate noch effektiver und unkomplizierter zu gestalten, so heißt es, werde es zukünftig auf der Website der GBM-V ein Kontaktformular geben, sodass anfragende Augenärzte innerhalb kürzester Zeit eine Antwort erhielten, ob ein passendes Transplantat zum gewünschten Termin zur Verfügung gestellt werden könne. „Wir wollen verhindern, dass einerseits Augenhornhäute nach der Lagerungszeit von maximal 34 Tagen verfallen und andererseits Patienten und Ärzteteams unnötig lange auf eine dringend notwendige Transplantation warten müssen“, sagte Nitschke. Die entnommenen Augenhornhäute würden nach einer gründlichen Eingangskontrolle sehr zügig verarbeitet, erläuterte der Transplantationsmediziner. Nach der fachgerechten Präparation könne die Augenhornhaut in der Gewebebank in einem mit Nährstoffen angereicherten Organkulturmedium bei circa 32 Grad bis zu 28 Tage vorgehalten werden. Durch Produktion in einer Reinraumanlage sowie umfassende gesetzlich vorgeschriebene mikrobiologische Untersuchungen der Gewebepräparate würde dabei das Infektionsrisiko für den Transplantatempfänger auf ein Minimum gesenkt. Aufgrund der hohen Transplantatzahlen seien bereits jetzt neue Personaleinstellungen sowie eine Erweiterung der Räumlichkeiten geplant. So würden derzeit neue Büros im Biomedizinischen Forschungszentrum Rostock (BMFZ) bezogen sowie weitere Mitarbeiter in der Herstellung gesucht. Enge Kooperation mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Basis für die verbesserte Versorgung der Patienten mit Hornhauttransplantaten ist laut Mitteilung der GBM-V die enge Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV (GTM-V), die durch Kooperationen mit Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen die Versorgung mit humanem Gewebe sicherstelle. „Aufgrund des wachsenden Netzwerkes an Kliniken, die mit uns kooperieren, können wir erheblich zur Verbesserung der Versorgungslage beitragen“, erklärte der Geschäftsführer der gemeinnützigen GTM-V, Dr. Axel Manecke. Im Netzwerk der Gewebespende arbeite die GTM-V inzwischen mit 20 Krankenhäusern zusammen. Die Transplantationsmediziner appellierten an alle Familien, eine klare Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zu treffen. „Egal ob dafür oder dagegen, jede klare Entscheidung erleichtert den Angehörigen, den Mitarbeitern in den Kliniken und uns die Arbeit“, unterstrich Manecke. Starker Anstieg der Fallzahlen im neuen Jahrtausend Auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) haben anlässlich des Tages der Organspende am 2. Juni dazu aufgerufen, Spender zu werden, um dazu beizutragen, dass der bestehende Mangel an Spenderhornhäuten behoben wird. Schon vor mehr als 100 Jahren, so erinnern BVA und DOG, sei zum ersten Mal die Hornhaut des Auges verpflanzt worden. Die perforierende Keratoplastik, bei der ein kreisrundes Hornhautscheibchen des Spenders an die Stelle der eingetrübten Hornhaut eingenäht werde, sei im 20. Jahrhundert eines der erfolgreichsten und am häufigsten eingesetzten Transplantationsverfahren gewesen. Im 21. Jahrhundert gingen die Augenärzte einen Schritt weiter: „Sie verpflanzen immer häufiger nur noch diejenigen Schichten der Hornhaut, die von der zugrundeliegenden Krankheit betroffen sind. Damit werden die ohnehin seltenen Abstoßungsreaktionen noch besser vermieden und in der Regel deutlich schneller“, erläutern BVA und DOG. Keratoplastikregister der DOG Das Keratoplastikregister der DOG gibt Einblick in die Entwicklung bei den Hornhauttransplantationen seit dem Jahr 2001. Waren es zu Beginn des Jahrtausends noch 4730 Transplantationen pro Jahr, so stieg diese Zahl bis 2016 auf das Anderthalbfache: 7325 Patienten erhielten in diesem Jahr eine Hornhautspende, wobei inzwischen die lamellären Keratoplastiken die Mehrzahl der Eingriffe ausmacht. In knapp der Hälfte der Fälle wurde die Transplantation wegen einer erblich bedingten Hornhauterkrankung (Fuchs’sche Endotheldystrophie) notwendig. Weitere Ursachen sind Transplantatversagen, Keratokonus und Hornhautnarben. „Die Weiterentwicklung der chirurgischen Verfahren trägt dazu bei, dass bei immer mehr Patienten eine Hornhautverpflanzung eine Möglichkeit ist, ihr Sehvermögen wieder herzustellen und eine starke Sehbehinderung oder gar Erblindung zu vermeiden. Damit wächst aber auch der Bedarf an Spenderhornhäuten“, betonen BVA und DOG. Prof. Berthold Seitz, der Leiter der Sektion Kornea in der DOG, und Prof. Bernd Bertram, der 1. BVA-Vorsitzende, appellieren daher gemeinsam, sich zur Organ- und Gewebespende bereitzuerklären. Die Hornhaut des Auges könne bis zu 72 Stunden nach dem Tod entnommen werden. Fast jeder Verstorbene komme als Spender infrage. Quellen: GBM-V/GTM-V, BVA
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