Gezielte Behandlung durch Theranostik in der Nuklearmedizin

Das prostataspezifische Membrenantigen (PSMA, im Bild als Kalottenmodell) ist Anknüpfungspunkt neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze der Nuklearmedizin. Grafik: molekuul.be – Fotolia.com

In den vergangenen Jahren konnten beträchtliche Fortschritte in Therapie und Diagnostik von Krebserkrankungen verzeichnet werden. Moderne nuklearmedizinische Untersuchungen sowie innovative zielgerichtete Therapien spielen bei diesen Fortschritten eine entscheidende Rolle, etwa bei der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) in einer aktuellen Mitteilung hin.

Die Nuklearmedizin nutzt radioaktiv markierte Substanzen – sogenannte Radiopharmaka –, um im menschlichen Körper die Funktion von Zellen und Organen zu untersuchen und entsprechende krankhafte Zustände aufzudecken. Dies ist möglich, da diese Radiopharmaka sich an Tumorzellen binden können. Durch spezielle Kamerasysteme werden so selbst kleinste Metastasen von außen sichtbar gemacht, die sonst einer Untersuchung mit anderen bildgebenden Verfahren entgehen könnten. Diese Informationen sind nicht nur für die Erkennung von Erkrankungen, sondern auch für die Planung von Therapien und die Dokumentation eines Behandlungserfolges wichtig. Bei der nuklearmedizinischen Therapie werden diese Radiopharmaka anstelle von diagnostischen Strahlern mit Therapiestrahlern markiert. Dadurch erfolgt eine interne Strahlentherapie, die ohne relevante Nebenwirkungen für den Patienten sehr zielgerichtet alle Tumorzellen im Körper angreifen kann.

Diese Möglichkeit der Kombination einer zielgerichteten Diagnostik mit der entsprechenden Therapie – die sogenannte Theranostik – bietet nach Überzeugung der DGN ein großes Potenzial, da Tumore und deren Metastasen nicht nur frühzeitig präzise lokalisiert, sondern dann in einem nächsten Schritt auch über den gleichen Mechanismus therapiert werden können.

PSMA-Diagnostik und -Therapie beim Prostatakarzinom

Aktuell steht beispielsweise die Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms im Fokus der Forschung. Ein neues, zielgerichtetes nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren gibt wichtige Hinweise über die Ausdehnung dieser Tumorerkrankung und trägt dadurch entscheidend zu ihrer genauen Diagnose bei. Bei der Untersuchung kann das prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) dargestellt werden – ein Eiweißkörper, der auf der Zelloberfläche von Prostatakarzinomzellen verstärkt zu finden ist. Durch Bindung einer schwach radioaktiv markierten Substanz an diesen Eiweißkörper besteht die Möglichkeit, Tumore sehr genau sichtbar zu machen. Dies geschieht durch Kombination des bildgebenden nuklearmedizinischen Diagnoseverfahrens der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit der in der Röntgendiagnostik verwendeten Computertomographie (CT), gemeinsam mittels einer PET/CT genannt. Bereits kleinste Ansammlungen von Prostatakrebszellen können durch dieses Verfahren dargestellt werden, sodass selbst kleine Tumorherde nachgewiesen und damit wichtige Erkenntnisse über die Ausdehnung der Erkrankung gewonnen werden.

Mit diesem Verfahren können außerdem große Erfolge bei der Therapie von Prostatakrebs verbucht werden: Bei der Radioligandentherapie wird der Wirkstoff PSMA mit einem stark strahlenden therapeutischen Radionuklid markiert und kann so Krebszellen gezielt vernichten. Das übrige Gewebe wird dabei nicht angegriffen. Untersuchungen nach einer PSMA-Therapie zeigten, dass Metastasen kleiner wurden. Besonders für Patienten mit der schwierig zu behandelnden Form des kastrationsresistenten metastasierten Prostatakarzinoms ist diese Therapie eine vielversprechende Alternative. Die Therapie dient nicht nur der Linderung der Symptome, sondern soll auch das Tumorwachstum verlangsamen oder ganz aufhalten und so den Tumor zurückdrängen. Sie könne somit deutlich zur Verlängerung der Lebenszeit des Patienten beitragen, betont die DGN.

Insgesamt haben solche diagnostisch-therapeutischen nuklearmedizinischen Verfahren der Fachgesellschaft zufolge ein großes Potenzial, da sie eine gezielte Behandlung fortgeschrittener, bösartiger Erkrankungen möglich machen. Individuelle Befunde aus der Bildgebung können so in kürzester Zeit zu patientenspezifischen Behandlungsstrategien führen, die das Überleben und die Prognose der Patienten verbessern. Eine intensive und ständig im Austausch stehende nuklearmedizinische Forschung in Deutschland und der ganzen Welt treibt die Erforschung der Theranostik weiter voran.

57. Jahrestagung der  DGN

Das Verfahren der Theranostik bildet ein Schwerpunktthema auf der 57. Jahrestagung der  DGN. Die Tagung findet vom 3. bis 6. April 2019 in Bremen statt. Die Kombination aus Kongress – für den national und international renommierte Referenten gewonnen werden konnten – und einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung biete eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung, so die DGN. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer – darunter Mediziner, Naturwissenschaftler und medizinisch-technisches Personal – erwartet.

(DGN/ms)