Glass-Skin-Trend aus Südkorea: Irreführende Aussagen auf Social Media

Symbolbild: © ChayTee – stock.adobe.com

Fast 95 Prozent der untersuchten Social-Media-Videos zu koreanischer Hautpflege und Glass Skin enthalten mindestens eine potenziell irreführende Aussage. Grundlegende Sicherheitsinformationen fehlen hingegen weitgehend.

Koreanische Hautpflege und das Streben nach Glass Skin – einem populären Begriff für reine, glatte und intensiv hydratisierte Haut – sind zu einem globalen Phänomen in den Sozialen Medien geworden, insbesondere auf TikTok, wo Hautpflegeroutinen Millionen von Nutzern erreichen können. In einer Studie analysierten Forschende im Mai 2026 Videos zu populären koreanischen Hautpflegeroutinen und Glass-Skin-Routinen. Um algorithmische Verzerrungen zu minimieren, verwendeten sie ein neutrales TikTok-Konto ohne bisherige Interaktionen und sichteten die jeweils höchstplatzierten Videos zu fünf Suchbegriffen mit Bezug zur koreanischen Hautpflege.

Nach Anwendung der Ausschlusskriterien wurden 38 Videos hinsichtlich dermatologischer Aussagen, Sicherheitsinformationen, Qualität und Verlässlichkeit unter Verwendung der Global Quality Scale und des modifizierten DISCERN-Instruments bewertet. Ihre Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) 2026 in Wien (Österreich) vorgestellt.

Sicherheitshinweise fehlen weitgehend

Fast 95 Prozent der Videos enthielten mindestens eine irreführende Aussage. 84 Prozent berücksichtigten unterschiedliche Hauttypen nicht, 45 Prozent propagierten übermäßige Kombinationen von Wirkstoffen ohne angemessene Sicherheitshinweise und 32 Prozent versprachen sofortige Ergebnisse.

„Am meisten überraschte uns, wie durchgängig grundlegende Sicherheitsinformationen fehlten“, merkte Erstautorin Dr. Maria Lúcia Paysano vom Instituto de Dermatologia Prof. Rubem David Azulay an der Santa Casa da Misericórdia do Rio de Janeiro (Brasilien) an. „Nur eines der 38 Videos erwähnte das Risiko von Hautirritationen, nur zwei thematisierten Sonnenschutz, keines erwähnte das Risiko einer Kontaktdermatitis und keines empfahl, einen Dermatologen zu konsultieren.“

Alle Videos wurden als unzuverlässig oder weniger zuverlässig eingestuft. Keines zitierte eine externe Quelle oder Referenz. Knapp 82 Prozent wurden von Influencern ohne ärztliche Qualifikation erstellt, 11 Prozent von Kosmetikmarken und 8 Prozent von anderen Erstellern von Beauty-Inhalten. Keines wurde von Dermatologen produziert.

Beobachtungsstudie mit 94 Patienten

„Unsere Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen der Popularität dieser Inhalte und der Qualität der bereitgestellten Informationen“, so Paysano. „Die Anwendung dieser Routinen ohne individuell angepasste Anleitung kann zu Hautirritationen, übermäßiger Exfoliation, Akneschüben oder einer Beeinträchtigung der Hautbarriere beitragen, insbesondere wenn mehrere Wirkstoffe kombiniert werden.“

Die möglichen Folgen der Anwendung viraler Hautpflegetrends im Alltag wurden in einer separaten Beobachtungsstudie hervorgehoben, die auf dem EADV-Kongress 2026 vorgestellt wurde. Die Studie umfasste 94 Patienten, bei denen nach der Anwendung kosmetischer oder dermatologischer Produkte, die in den Sozialen Medien beworben wurden, eine Hauterkrankung neu aufgetreten war oder sich eine bestehende Hauterkrankung verschlechtert hatte.

Chemische Exfoliationsprodukte mit Alpha-Hydroxysäuren (AHA) oder Beta-Hydroxysäuren (BHA) waren die am häufigsten mit diesen Hautreaktionen in Verbindung gebrachten Produkte und wurden in 34 Prozent der Fälle angegeben, gefolgt von rezeptfreien Retinoiden (27%), Vitamin-C-Seren (14%) und niacinamidhaltigen Produkten (11%). Fast die Hälfte (48%) der Patienten hatte vollständige Hautpflegeroutinen übernommen, die unmittelbar von Inhalten in den Sozialen Medien inspiriert waren. 63 Prozent verwendeten gleichzeitig mehr als drei Hautpflegewirkstoffe.

Kontaktdermatitis als häufigste Reaktion

„Besonders auffällig war nicht allein die Popularität dieser Produkte, sondern die Art und Weise ihrer Anwendung“, kommentierte Erstautorin Dr. Ouissal Hormi vom Universitätsklinikum Mohammed VI in Oujda (Marokko). „Viele Patienten ahmten komplexe Hautpflegeroutinen nach, bei denen mehrere Wirkstoffe gleichzeitig eingesetzt wurden, häufig auf Grundlage von Ratschlägen von Influencern ohne medizinischen Hintergrund.“

Die Reaktionen reichten von irritativer Kontaktdermatitis (42%) und neu aufgetretener oder deutlich verschlechterter Akne (28%) über Rosazeaschübe oder rosazeaartige Dermatitis (12%) bis hin zu postinflammatorischer Hyperpigmentierung (11%) und oberflächlichen Verätzungen (7%). „Die Kombination mehrerer Wirkstoffe kann die Hautbarriere übermäßig belasten, da sich die irritativen Wirkungen einiger dieser Stoffe überschneiden“, so Hormi. „Unsere Botschaft ist einfach: ‚Viral‘ bedeutet nicht zwangsläufig sicher, validiert oder für jeden geeignet.“

Dermatologische Beratung und Aufklärung erforderlich

Die Forschenden betonten, dass koreanische Hautpflege an sich nicht das Problem sei. Anlass zur Sorge gebe vielmehr, dass Hautpflegeprinzipien wie sanfte Reinigung, Hydratation und Pflege der Hautbarriere in den Sozialen Medien in virale, für alle gleichermaßen gedachte Routinen ohne angemessene Sicherheitsinformationen umgewandelt werden können.

„Verbraucher sollten bei Inhalten vorsichtig sein, die sofortige oder universelle Ergebnisse versprechen“, ergänzte Paysano. „Wer eine bestehende Hauterkrankung hat und Hautirritationen entwickelt oder unsicher ist, ob eine Routine für ihn geeignet ist, sollte sich von einem Dermatologen beraten lassen.“ Auch Dermatologen komme eine wichtige Rolle zu. Statt Trends in den Sozialen Medien abzutun, hätten sie die Möglichkeit, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und evidenzbasierte Informationen zur Hautpflege korrekt, zugänglich und ansprechend zu gestalten. (ins)

Teilen:
Quellen European Academy of Dermatology and Venereology (EADV)Paysano ML et al. Glass Skin or Barrier Breakdown? Evaluating the Quality and Safety of Viral Korean Skincare Routines on TikTok. EADV Congress 2026, Vienna, Austria.Hormi O et al. When skincare trends go wrong: Dermatologic complications of viral social media products. EADV Congress 2026, Vienna, Austria.