Glaukom: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Rußbelastung und erhöhtem IOD?

Auch eine erhöhte Umweltbelastung mit Ruß kann laut einer aktuellen Studie die Glaukomentstehung unter Umständen fördern. Foto: © ryanking999 – Fotolia.com

Die Unterschiede in der weltweiten Prävalenz von Augenkrankheiten werden häufig auf die Genetik allein oder die Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung zurückgeführt. Nun hat eine Forschergruppe aus Boston untersucht, ob zwischen der Luftverschmutzung durch Ruß und der Entstehung eines Glaukoms ein Zusammenhang besteht.

Der Einfluss von Ruß auf die Gesundheit, wie zum Beispiel erhöhten Blutdruck, ist gut dokumentiert. Biologische Prozesse wie die Endothelfunktion oder oxidativer Stress spielen dabei eine wichtige Rolle. Geht man davon aus, dass ein erhöhter Blutdruck sowie ein erhöhter Augeninnendruck teilweise auf den gleichen physiologischen Prozessen beruhen, muss die Frage gestellt werden, ob eine langfristige Rußexposition auch zu einem Glaukom führen kann. In ihrer in „JAMA Ophthalmology“ veröffentlichten Studie* postulieren die Forscher aus Boston die Hypothese, dass unter Umständen auch eine erhöhte Umweltbelastung mit Ruß über die Erhöhung des Augeninnendruckes zu einem Glaukom führen kann.

Bevölkerungsbasierte Analyse
Für die bevölkerungsbasierte Analyse verwendeten die Forscher die Daten der „Normative Aging Study“ des US-amerikanischen Kriegsveteranenministeriums. Die Analyse umfasste 419 Männer im Durchschnittsalter von 75,3 Jahren, bei denen anhand ihres Wohnortes von einer Langzeitbelastung durch Rußpartikel ausgegangen werden konnte. Insgesamt wurden 911 Follow-up-Studienbesuche zwischen Januar 2000 und Dezember 2011 durchgeführt. Der Augeninnendruck wurde durch die Goldmann-Applanationstonometrie gemessen. Die mittlere Ein-Jahres-Exposition gegenüber schwarzem Kohlenstoff betrug 0,51 μg /m3. Der mittlere Augeninnendruck betrug für beide Augen 14,1 mmHg.

Um eine mögliche Assoziation zwischen einer Rußexposition und den entsprechenden biologischen Signalwegen wie Endothelfunktion und oxidativem Stress aufzuspüren, nutzten die Forscher genotypische Daten der Probanden. Ein unabhängig entwickelter genetischer Score wurde verwendet, um die Allel-Risikobewertung für verschiedene mit Ruß-Toxizität assoziierte Signalwege zu berechnen.

Rußexposition kann Risikofaktor sein
In ihrer Auswertung stellten die Forscher fest, dass der Zusammenhang einer Rußexposition mit dem Augeninnendruck bei Personen mit einem hohen Allelwert für oxidativen Stress (β = 0,36; 95%-KI 0,003−0,73) größer war als bei Personen mit niedriger Punktzahl (β = -0,35; 95%-KI -0,86−0,15). Diese Assoziation hielt auch nach der Anpassung an wichtige Krankheitszustände wie Entzündungen, Glaukom, Fettleibigkeit, ischämische Herzerkrankungen und Diabetes an, sodass die Rußexposition ein Risikofaktor für einen erhöhten Augeninnendruck bei Personen sein kann, die für oxidative Stressoren empfänglich sind.
Damit postulieren die Forscher einen auf Genen und Umwelt basierenden Zusammenhang bei der Beeinflussung des Augeninnendruckes, vergleichbar mit anderen Studienergebnissen, die eine bereits bekannte Verbindung zwischen Gen-Umwelt-Interaktionen und den Gefahren des Rauchens belegen. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um die neuen Ergebnisse zu bestätigen und diesen Zusammenhang besser zu etablieren, stellen die Studienautoren abschließend fest.

*Link zur Studie: http://doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2018.5313

Quelle: JAMA Ophthalmol. 2018 Nov 8. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2018.5313. [Epub ahead of print]