Glaukom: Steigende Prävalenz im Vereinigten Königreich bis 2060 prognostiziert

Neue Daten zeigen, dass die Prävalenz für Glaukom in Großbritannien bis 2060 voraussichtlich auf mehr als 1,6 Millionen ansteigen wird. Das wird den Druck auf das Gesundheitswesen verstärken, weshalb eine Ausweitung der augenärztlichen Versorgung unumgänglich sein wird. Symolbild.©Prof. Krzizok und Kollegen/Augenpraxisklinik Esslingen

Schätzungen zufolge sind derzeit mehr als eine Million Menschen im Vereinigten Königreich von Glaukom betroffen. Laut einer aktuellen Studie wird diese Zahl bis 2060 voraussichtlich auf mehr als 1,6 Millionen ansteigen.

Die neuen Zahlen liegen fast 50 Prozent über früheren Schätzungen zur Prävalenz von Glaukom. Zudem vermuten die Forscher, dass es im Vereinigten Königreich mehr als eine halbe Million Menschen mit unentdecktem Glaukom geben könnte. Diese Daten wurden im Fachjournal „British Journal of Ophthalmology“ veröffentlicht und von der gemeinnützige Mitgliederorganisation Glaucoma UK in Auftrag gegeben.

Glaukomrate wird schneller steigen als das Gesamtbevölkerungswachstum

Des Weiteren gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Glaukomrate schneller steigen wird als das Gesamtbevölkerungswachstum. Das sei vor allem auf die alternde Bevölkerung zurückzuführen. Zudem erhöht es den Forschern zufolge den Druck auf das Gesundheitswesen, weshalb sie eine Ausweitung der augenärztlichen Versorgung fordern. Auch ermutigen sie die Menschen, ihre Augen regelmäßig untersuchen zu lassen.

Um ihre neuen Schätzungen zur Prävalenz des Glaukoms zu erstellen, verwendeten die Forscher britische Daten zu Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit von Menschen ab 40 Jahren. Sie gruppierten diese nach Fünfjahresaltersgruppen, Geschlecht und vier groben ethnischen Kategorien: europäisch, afrikanisch, asiatisch und gemischt/sonstige.

Basierend auf den besten verfügbaren Daten zur Prävalenz innerhalb bestimmter demografischer Gruppen auf internationaler Ebene schätzten die Wissenschaftler, wie viele Menschen in jeder Gruppe wahrscheinlich an einem Glaukom leiden. Diese stützten sich auf alters- und geschlechtsspezifische Schätzungen zur Glaukomprävalenz bei Menschen europäischer Abstammung vom European Eye Epidemiology Consortium. Für nicht europäische ethnische Gruppen verwendeten die Forscher relative Risikoschätzungen aus anderen Studien und wandten diese auf die europäische Basislinie an.

1,1 Millionen Menschen leiden an Glaukom

Die Forscher schätzen, dass derzeit 1,1 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich an Glaukom leiden, was drei Prozent der Bevölkerung über 40 Jahre entspricht. Bei Menschen afrikanischer Abstammung wird dieser Prozentsatz mit vier Prozent höher eingeschätzt. Unter den über 85-Jährigen leiden schätzungsweise elf Prozent an Glaukom.

Frühere Schätzungen hingegen gingen von etwa 700.000 Menschen mit Glaukom im Vereinigten Königreich aus. Die Forscher behaupten jedoch, dass diese Zahl eine Unterschätzung der nicht diagnostizierten Fälle darstellt und die jüngsten demografischen Veränderungen nicht vollständig berücksichtigt.

Nur sechs Prozent der britischen Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter sind nichteuropäische Gruppen. Dennoch schätzen die Forscher, dass sie acht Prozent der aktuellen Glaukomfälle ausmachen. Denn es ist bekannt, dass Menschen afrikanischer Herkunft einem höheren Glaukomrisiko ausgesetzt sind.

Anstieg der Glaukomfälle um 60 Prozent bis 2060

Um die zukünftige Krankheitslast abzuschätzen, verwendeten die Forscher Bevölkerungsprognosen des britischen Amtes für nationale Statistik. Die Wissenschaftler prognostizieren einen Anstieg der Fälle um 60 Prozent bis 2060 auf insgesamt 1,61 Millionen, obwohl die Bevölkerung über 40 Jahren voraussichtlich nur um 28 Prozent zunehmen wird. Dieser Unterschied sei vor allem auf das Bevölkerungswachstum bei Menschen über 75 Jahren zurückzuführen. Aber auch der Anstieg des Anteils von Menschen aus ethnischen Gruppen mit einem höheren Glaukomrisiko habe hier einen Einfluss.

Wachsender Bedarf an Früherkennungsuntersuchungen und fachärztlicher Versorgung

Hauptautor der Studie, Prof. Paul Foster, Forscher am Institute of Ophthalmology des University College London, und beratender Augenchirurg am Moorfields Eye Hospital, London, erklärte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in Großbritannien zu einem starken Anstieg der Glaukomfälle kommen wird. Es wird ein wachsender Bedarf bestehen, die augenmedizinischen Leistungen zu erweitern, um dieser Nachfrage gerecht zu werden, einschließlich der fachärztlichen Versorgung und der Diagnosekapazitäten.“

Und er fügte hinzu: „Aufklärungskampagnen, die die Menschen dazu ermutigen, ihre Augen untersuchen zu lassen, sind ebenfalls als Teil gezielter Früherkennungsstrategien erforderlich, insbesondere um die späte Diagnose in unterversorgten, schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen anzugehen. Für Menschen ab dem mittleren Lebensalter ist es wichtig, ihre Augen jährlich von einem Optiker untersuchen zu lassen, um Veränderungen zu erkennen, die noch keine Symptome verursacht haben.“

(sas/BIERMANN)