GLP‑1‑Rezeptoragonisten in der Frühschwangerschaft: Risiko nur bei Diabetesbehandlung

Bei Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten zur Behandlung von Diabetes in der Frühschwangerschaft könnte es zu einem erhöhten Risiko für Frühgeburten kommen. (Symbolbild: © Kateryna/stock.adobe.com)

Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten ist mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten verbunden – allerdings nur, wenn sie zur Behandlung von Diabetes in der frühen Schwangerschaft eingesetzt werden.

Eine große Studie zeigte, dass Frauen, die die Medikamente versehentlich kurz vor oder während der Frühschwangerschaft einnahmen, um einen bereits bestehenden Diabetes zu behandeln, häufiger Frühgeburten hatten. Wurden die Medikamente hingegen zur Gewichtsreduktion eingesetzt, ergab sich kein erhöhtes Risiko für Frühgeburten oder andere geburtshilfliche Komplikationen.

Die Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Human Reproduction Open“ veröffentlicht wurde, legt nahe, dass nicht die Medikamente selbst, sondern der zugrunde liegende Diabetes das Risiko für Frühgeburten erhöht.

GLP-1-Rezeptoragonist und ihre Wirkungsweise

Zu den untersuchten Medikamenten zählen Semaglutid und Liraglutid. Beide gehören zur Gruppe der GLP‑1-Rezeptoragonisten, ursprünglich zur Behandlung von Typ‑2-Diabetes entwickelt. Sie wirken vor allem appetithemmend und werden mittlerweile auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Es gibt jedoch keine gesicherten Daten, die ihre Einnahme während der Schwangerschaft als sicher bestätigen.

Prof. Henriette Svarre Nielsen von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Hvidovre in Kopenhagen, Dänemark, die die Studie leitete, erklärte: „Die Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) hat sich in den letzten Jahren weltweit zum Medikament mit dem stärksten Anstieg an Verschreibungen entwickelt. Aktuelle Leitlinien empfehlen, die Behandlung acht Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft zu beenden. Dies basiert jedoch auf frühen Studien an Modellorganismen und nicht auf Daten aus der Praxis. Aufgrund der weitverbreiteten Anwendung ist eine unbeabsichtigte Exposition in der Frühschwangerschaft dennoch unvermeidlich, und es gibt kaum Evidenz für die klinische Beratung in solchen Fällen.“

Studiendesign

Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen der unbeabsichtigten Einnahme von GLP-1-RA in der Zeit vor der Empfängnis und dem Risiko von Komplikationen wie Frühgeburt (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche), Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, Geburt eines für das Gestationsalter zu großen Kindes, Totgeburt und Plazentaproblemen.

Sie analysierten Daten aus den dänischen landesweiten Gesundheitsregistern zu 756.636 Einlingsschwangerschaften von 480.231 Frauen, die zwischen dem 1. Oktober 2009 und dem 31. Dezember 2023 zu Geburten führten. Hatten Frauen innerhalb von acht Wochen vor oder nach ihrer letzten Menstruation ein Rezept für Liraglutid oder Semaglutid eingelöst, wurde dies als unbeabsichtigte Exposition gegenüber diesen Medikamenten definiert. Dieser 16-wöchige Zeitraum umfasste die Phase, in der die Mutter möglicherweise noch nichts von ihrer Schwangerschaft wusste, sowie die frühen Stadien des Organwachstums im Embryo.

Die Forscher adjustierten ihre Ergebnisse hinsichtlich Alter, Body-Mass-Index, Raucherstatus, geografischer Region, Bildungsstand, vorbestehendem Diabetes sowie Monat und Jahr der Schwangerschaft, um saisonale und andere Schwankungen zu kontrollieren.

Verschreibungsgrund entscheidend für Frühgeburtsrisiko

Die Forscher stellten fest, dass Frauen, die GLP-1-RA einnahmen, häufiger an verschiedenen geburtshilflichen Komplikationen litten. Nach Berücksichtigung potenziell verzerrender Faktoren zeigte sich jedoch nur bei Frauen, die Liraglutid oder Semaglutid zur Diabetesbehandlung eingenommen hatten, ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten. Im Vergleich zu Frauen, die keine GLP-1-RA einnahmen, war das Risiko bei Liraglutid um 70 Prozent und bei Semaglutid um 84 Prozent erhöht. Dies bedeutet, dass bei Frauen mit einer vorbestehenden Diabeteserkrankung die Anwendung von Semaglutid mit einem um etwa elf Prozent erhöhten Risiko für Frühgeburten verbunden war. Liraglutid zeigte ein um neun Prozent erhöhtes Risiko.

Nielsen erklärt: „Zukünftige Studien müssen den Grund für die Verschreibung dieser Medikamente berücksichtigen, da sich die Risiken bei Frauen, die GLP-1-RA gegen Diabetes einnehmen, von denen unterscheiden, die sie zur Gewichtsreduktion anwenden. Dies ist eine der ersten Studien, die die GLP-1-RA-Exposition in der Frühschwangerschaft in Abhängigkeit vom Verschreibungsgrund untersucht. Mit zunehmender Evidenz werden diese Ergebnisse die klinische Beratung von Frauen leiten, die in der Frühschwangerschaft unbeabsichtigt GLP-1-RA erhalten haben. In Dänemark sind etwa 70 Prozent der Anwender von Medikamenten zur Gewichtsreduktion Frauen, daher ist es unvermeidlich, dass einige diese einnehmen, ohne zu wissen, dass sie schwanger sind.“

Sie betonte jedoch, dass weitere Studien erforderlich seien und es noch zu früh sei, die Empfehlung, GLP-1-RA vor einer Schwangerschaft abzusetzen, zu ändern oder eine Beratung unabhängig vom Einnahmegrund anzubieten.

Stärken und Limitationen

Die Stärke der Studie liegt in ihrer großen Teilnehmerzahl. Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass die Ergebnisse nicht belegen können, dass GLP-1-RA Frühgeburten verursachen, sondern lediglich einen Zusammenhang aufzeigen. Zudem lagen keine Daten darüber vor, ob die Frauen die Medikamente nach Einlösung des Rezepts tatsächlich eingenommen hatten.

In Dänemark müssen Frauen die Kosten für eine Injektion von GLP-1-RA selbst tragen, wobei es bei Diabetesbehandlung einen staatlichen Zuschuss gibt. Beispielsweise kostet eine Injektion von 1 mg Wegovy bzw. Ozempic (Semaglutid) inklusive des Zuschusses für die Diabetesbehandlung etwa 180 Euro bzw. 114 Euro. Dr. Kathrine Hviid, Erstautorin der Studie, erklärt: „Aufgrund der hohen Kosten gehen wir davon aus, dass die Therapietreue der Frauen, denen GLP-1-RA verschrieben werden, sehr hoch ist.“

In einem Begleitkommentar heben Drs. Yeyi Zhu und Monique Hedderson (USA) hervor, dass die Ergebnisse die wachsende Evidenz zur reproduktiven Sicherheit von GLP‑1-RA ergänzen und als Grundlage für eine präkonzeptionelle und Frühschwangerschaftsberatung dienen können.

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