Studie zeigt Grenzen des Multitasking17. März 2026 Symbolbild: © Fendi/stock.adobe.com Selbst mit viel Training gelingt es dem menschlichen Gehirn nicht wirklich, zwei Aufgaben parallel durchzuführen. Zudem können bereits kleinste Abweichungen von der erlernten Routine starke Folgen darauf haben, wie schnell und erfolgreich Menschen Aufgaben im Multitasking erledigen. Das zeigt eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der FernUniversität in Hagen und der Hamburg Medical School, die kürzlich im „Quarterly Journal of Experimental Psychology“ erschien. In drei Experimenten untersuchten die Forschenden, wie Menschen zwei Aufgaben gleichzeitig bewältigen, die unterschiedliche Sinne ansprechen: Zum einen sollten sie mit der rechten Hand die Größe eines kurz eingeblendeten Kreises anzeigen und zum anderen sagen, ob ein gleichzeitig eingespielter Ton hoch, mittel oder tief ist. Dabei wurde gemessen, wie schnell die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Aufgaben absolvierten und wie viele Fehler sie dabei machten. Die Aufgaben wurden bis zu zwölf Tage lang wiederholt. Dabei zeigte sich: Je häufiger die Versuchspersonen den Test absolvierten, desto schneller gelang es ihnen, beide Aufgaben fehlerfrei zu lösen. Frühere Studien mit ähnlichen Befunden hatten deshalb nahegelegt, dass sogenannte Doppelaufgaben-Kosten, also Leistungseinbußen beim gleichzeitigen Bearbeiten zweier Aufgaben, mit viel Übung fast vollständig verschwinden könnten. Zwei kognitive Prozesse laufen nie wirklich parallel „Dieses als Virtually Perfect Time Sharing bekannte Phänomen galt lange als Hinweis auf echte Parallelverarbeitung im Gehirn und als Nachweis dafür, dass unser Gehirn grenzenlos multitaskingfähig ist. Die Ergebnisse unserer Studie widersprechen dieser Annahme deutlich“, berichtet der Psychologe Prof. Torsten Schubert von der MLU. Die Studie zeigt nämlich auch, dass die zugrunde liegenden kognitiven Prozesse weiterhin nicht vollständig parallel ablaufen. Und: Bereits kleinste Veränderungen an den Aufgaben sorgten dafür, dass die Fehlerquote stieg und die Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer wieder länger brauchten, um die Aufgaben zu lösen. „Unser Gehirn ist sehr geschickt darin, Prozesse hintereinander zu reihen, sodass sie sich nicht mehr stören. Allerdings hat diese Optimierung ihre Grenzen. In besonders herausfordernden Situationen ermüdet unser kognitiver Apparat daher sehr schnell und wird fehleranfällig“, so Schubert weiter. Bedeutung für die Sicherheitsforschung Die Studie liefert auch neue Impulse für die Sicherheitsforschung. „Unsere Ergebnisse zeigen, warum Multitasking im Alltag trotz Routine oft riskant sein kann, zum Beispiel beim Autofahren und gleichzeitigen Telefonieren. Das ist auch für Berufe mit komplexen Tätigkeiten relevant, bei denen mehrere Aufgaben parallel erledigt werden müssen, zum Beispiel Fluglotsen oder Simultanübersetzer“, so Prof. Tilo Strobach von der Medical School Hamburg. Prof. Roman Liepelt von der FernUniversität in Hagen ergänzt: „Unsere Studie rückt die Grenzen menschlicher Informationsverarbeitung in ein neues Licht. Das Verständnis solcher kognitiven Engpässe ist entscheidend, um Arbeitsprozesse, Lernumgebungen und auch Sicherheitsmaßnahmen im Alltag besser gestalten zu können.“
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