Grippeimpfung bei Rheuma: Neue Studie zeigt hohe Sicherheit und guten Schutz

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Die Influenza-Impfung ist für Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) sicher und gut verträglich. Das zeigt eine neue bundesweite, prospektive Langzeitstudie mit 633 Betroffenen aus ganz Deutschland, die die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) unterstützt hat.

Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Influenza-Infektionen und deren Komplikationen – bedingt sowohl durch die Grunderkrankung als auch durch immunsuppressive Therapien wie Biologika. Grippeinfektionen können zudem Krankheitsschübe auslösen. Gleichzeitig fehlten bislang belastbare Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Influenza-Impfung in dieser Patientengruppe, was bei Betroffenen wie auch bei Ärztinnen und Ärzten zu Zurückhaltung führte – nicht zuletzt, weil Menschen mit Rheuma häufig von Impfstoff-Zulassungsstudien ausgeschlossen sind, konstatiert die DGRh.

Klare Entwarnung bei Sorge vor Krankheitsschub

Viele Menschen mit Rheuma verzichteten daher aus Angst vor Krankheitsschüben auf die Grippeimpfung. Die neuen Daten sprechen nach Angaben der Fachgesellschaft jedoch klar dagegen: Nur etwa fünf Prozent der Teilnehmenden berichteten über vorübergehende Schübe nach der Impfung, therapeutische Anpassungen waren äußerst selten notwendig. „Unsere Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die Influenza-Impfung verschlechtert den Krankheitsverlauf bei der großen Mehrheit der Betroffenen nicht – im Gegenteil, sie schützt wirksam vor schweren Influenzaverläufen“, sagt PD Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, unter deren Leitung die Studie durchgeführt wurde. Nur 8,9 Prozent, der in der Studie eingeschlossenen und geimpften Patienten erkrankten im Verlauf der Grippesaison 2023/24 an Influenza – keiner davon schwer.

Ein Großteil der Studienteilnehmenden wurde mit immunsuppressiven oder immunmodulierenden Medikamenten behandelt – darunter auch Biologika. Dennoch traten weder schwere Impfreaktionen noch schwere Influenza-Verläufe auf. Selbst bei gleichzeitiger Gabe weiterer Impfungen blieb die Verträglichkeit der Impfung gegen Grippe hoch.

Wer ein höheres Influenza-Risiko trotz Impfung hat

Ein wichtiger Befund der Studie für die klinische Praxis: Patientinnen und Patienten, die im Jahr vor der Impfung häufiger oder länger Krankheitsschübe hatten, erkrankten trotz der Impfung etwas häufiger an Influenza. Alter, Begleiterkrankungen oder die Art der Rheuma-Therapie spielten dagegen keine entscheidende Rolle. „Das ist kein Argument gegen die Impfung – im Gegenteil“, betont Hasseli-Fräbel, Sprecherin der DGRh-Kommission Impfungen und Infektionen bei rheumatischen Erkrankungen. „Gerade Patientinnen und Patienten mit instabiler entzündlich-rheumatischer Erkrankung sollten gezielt beraten und besonders geschützt werden, da sie ein höheres Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen der Infektion haben können.“

Ärztliche Empfehlung entscheidend

Mehr als 90 Prozent der Studienteilnehmenden gaben an, sich auch künftig gegen Influenza impfen lassen zu wollen. Gleichzeitig zeigte die Befragung: Nur rund 60 Prozent hatten Informationen zur Grippeimpfung direkt von einer Ärztin oder einem Arzt erhalten. Die Studie unterstreicht damit die zentrale Rolle ärztlicher Beratung für eine höhere Impfbereitschaft.

Bedeutung für Versorgung und Prävention

„Die neuen Daten liefern eine belastbare wissenschaftliche Grundlage, um bestehende Impfempfehlungen zu stärken und bestehende Vorbehalte abzubauen“, betont auch DGRh-Vorstand Prof. Ulf Wagner, Leipzig. „Die Influenza-Impfung ist ein wirksamer, sicherer und einfacher Schutz – auch für Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.“

Originalarbeit: Gente K. et al. Impact of the 2023/24 Influenza Vaccination on Patients with Inflammatory Rheumatic Disease in Germany: Insights from a Nationwide, Longitudinal, Self-Reported Study. Vaccines (Basel) 2026 Jan 29;14(2):136. doi: 10.3390/vaccines14020136.