Großprojekt für Münchner Neurowissenschaften

Mithilfe der Massenspektrometrie wollen Forscher des CLINSPECT-M-Verbunds die komplexen Zusammenhänge neurologischer Erkrankungen besser verstehen und medizinisch nutzbar machen. (Foto: Wolfgang Filser/TUM)

Münchner WissenschaftlerInnen aus Proteomik, Informatik und Medizin erforschen in einem gemeinsamen Großprojekt die Ursachen von Erkrankungen des zentralen Nervensystems, deren Diagnostik und Behandlungsverläufe. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert dazu ein klinisches Massenspektrometrie-Zentrum in München (CLINSPECT-M) für zunächst drei Jahre mit sechs Millionen Euro. 

„Ziele des Projekts sind es, schwere neurologische Erkrankungen zu erkennen, deren molekulare Ursachen zu verstehen und die Behandlung und den Therapieverlauf besser zu überwachen. Dazu kann die Hochleistungsmassenspektrometrie entscheidende Beiträge leisten“, erklärt Prof. Bernhard Küster, Inhaber der Professur für Proteomik und Bioanalytik an der Technischen Universität München (TUM) und Co-Sprecher des Forschungsverbunds.

Die Massenspektrometrie ermöglicht es, kleinste Mengen von tausenden von Biomolekülen aus Geweben oder Körperflüssigkeiten gleichzeitig und quantitativ zu bestimmen. Derartige molekulare Profile für Proteine sollen jetzt erstmals in den klinischen Einsatz gebracht werden. In dem neuen Forschungsverbund wollen die WissenschaftlerInnen zeigen, dass die massenspektrometrische Protein-Analytik zur Entdeckung von klinisch verwertbaren Biomarkern geeignet ist.

Der CLINSPECT-M-Verbund bearbeitet vier große medizinische Anwendungsbereiche:
◾Multiple Sklerose: Proteinprofile der Zerebrospinalflüssigkeit von 4000 PatientInnen sollen helfen, krankheitsspezifische Fingerabdrücke zu finden, die in der klinischen Diagnostik eingesetzt werden können.
◾Alzheimer’sche Krankheit: Anhand klinischer Studien mit hunderten PatientInnen sollen Biomarker gefunden werden, die anzeigen, ob ein Medikament anschlägt oder nicht.
◾Schlaganfall: Die Untersuchung Tausender Patientenproben soll Proteine identifizieren, die Schädigungen des Gehirns durch einen Schlaganfall anzeigen und von anderen Ursachen abgrenzen.
◾Hirntumore: Hier werden Hunderte Krebspatienten mit dem Ziel untersucht, molekulare Angriffspunkte für eine personalisierte Therapieentscheidung zu finden.

„Durch die Zusammenführung von medizinischen Informationen und Daten aus der Massenspektrometrie durch die Bioinformatik werden wir die komplexen Zusammenhänge dieser Erkrankungen besser verstehen und medizinisch nutzbar machen“, erklärt Co-Sprecher Prof. Daniel Teupser, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin an der LMU.