Gute Heilungschancen von Brustkrebs bei jungen Frauen mit der richtigen Therapie30. April 2019 Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS – fotolia.com Zwei aktuelle Studien zur Brustkrebsbehandlung bei jungen Frauen wurden auf dem ESMO Breast Cancer Congress, der vom 02. bis 04. Mai in Berlin stattfand, präsentiert. Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 70.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs – unter ihnen sind auch immer mehr jüngere Frauen. Brustkrebs ist bei jungen Frauen biologisch aggressiver als bei älteren Patientinnen. “In unseren Leitlinien empfehlen wir bestimmte Therapieansätze, die gute Resultate erzielen können”, so ESMO-Sprecher Dr. Matteo Lambertini vom IRCCS Policlinico San Martino Hospital, Universität Genua. Lambertini weist dies anhand von zwei Studien nach, die während des ESMO Breast Cancer Congress 2019 vorgestellt werden. Laut Lambertini ist das junge Alter nicht zwangsläufig ein Grund für eine intensivere Behandlung: “Bei Frauen unter 40 Jahren werden tendenziell aggressivere Brustkrebsarten diagnostiziert, z.B. sind ihre Tumore dreifach negativ oder HER2-positiv. Dennoch sind die Überlebens- und Lokalrezidivraten vergleichbar mit denen von Brustkrebspatientinnen aller Altersgruppen, sofern sie eine angemessene Behandlung erhalten.” Die Aggressivität des Tumors Wie aggressiv Tumore sind, zeigt eine Studie aus Portugal mit 207 Patientinnen unter 35 Jahren. (1) Brustkrebs ist bei Frauen unter 35 Jahren die am häufigsten vorkommende Krebsart, denn 5 Prozent aller Erkrankungen treten in dieser Altersgruppe auf. Bei den Tumorsubtypen waren 20 Prozent triple-negativ, 28 Prozent HER2-positiv und 4 Prozent luminal A gegenüber 67 Prozent luminal B, was die höheren Anteile der aggressiveren Tumorsubtypen bei jungen Frauen bestätigt. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 53,5 Monaten haben 85 Prozent der Frauen den Krebs besiegt, 26 Patientinnen hatten Metastasen und drei hatten ein lokales Rezidiv entwickelt. Dr. Ines F. Eiriz. Foto: ESMO Studienautorin Dr. Ines F. Eiriz vom Prof. Doutor Fernando Fonseca Krankenhaus in Amadora, Portugal, sagt dazu: “Die Überlebenschancen waren bei Frauen mit hormonrezeptorpositiven Tumoren am höchsten, gefolgt von Frauen mit HER2-positiven Erkrankungen und schließlich Frauen mit triple-negativem Brustkrebs. Die mediane Überlebensdauer von Patientinnen ohne Metastasen betrug 130 Monate, verglichen mit 37 Monaten bei Patientinnen mit metastasierenden Erkrankungen.”(2) Das Wiederauftreten des Tumors Eine Schweizer Studie über Brustkrebsrezidive bei 359 Frauen im Alter von 50 Jahren oder jünger zeigte, dass während einer medianen Nachbeobachtung von 45,6 Monaten 14 Patientinnen ein Lokalrezidiv, sechs Fernmetastasen und neun Patientinnen beides entwickelt hatten. (3) Die mediane Zeit bis zum Wiederauftreten betrug 31 Monate. Die Drei- und Fünfjahresrisiken für das Lokalrezidiv betrugen 4,7 bzw. 9,5 Prozent. Die Rate des krankheitsfreien Überlebens betrug 94,3 Prozent und 91,2 Prozent nach drei bzw. fünf Jahren. Insgesamt betrug die Überlebensrate nach fünf Jahren 93 Prozent. Dr. Simona Cima. Foto: ESMO Studienautorin Dr. Simona Cima vom Onkologie-Institut der Südschweiz (IOSI) in Bellinzona sagt dazu: “Die meisten Rezidive bei diesen Patientinnen waren eher lokal als metastatisch. Unsere Studie läuft derzeit noch und der nächste Schritt ist die Identifizierung von Prädiktoren für ein Lokalrezidiv. Zum Beispiel werden wir die Wahrscheinlichkeit eines Lokalrezidivs nach dem HER2- und triple-negativen Status untersuchen.” Lambertini abschließend dazu: “Eine Diagnose Brustkrebs in jungen Jahren bedeutet keine schlechtere Überlebenschance oder eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Krebserkrankung, wie diese Studien zeigen. Es ist von größter Wichtigkeit, dass allen Brustkrebspatientinnen unabhängig von ihrem Alter die richtige Behandlung ermöglicht wird. Bei jungen Frauen sollte besonders auf mögliche Nebenwirkungen von Krebstherapien, z.B. das Risiko von Unfruchtbarkeit, geachtet werden.” Über die Europäische Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) Die ESMO ist die führende Berufsorganisation für medizinische Onkologie. Mit mehr als 20.000 Mitgliedern, die Fachkräfte der Onkologie aus über 150 Ländern vertreten, ist die ESMO die Referenzorganisation für onkologische Bildung und Information. Die ESMO strebt durch integrierte Krebsbehandlung die bestmögliche Versorgung für Menschen mit Krebs an, fördert Onkologen in ihrer beruflichen Entwicklung und setzt sich weltweit für nachhaltige Krebsvorsorge ein. Referenzen: 1. Abstract 101P_PR “Breast Cancer in Young Women – a multi-center 10-year experience” wird von Ines F. Eiriz im Rahmen der Poster lunch Session am Freitag, den 3. Mai, 12:15 bis 13:00 Uhr in der Exhibition Area vorgestellt. Annals of Oncology, Volume 30, 2019 Supplement 3, 10.1093/annonc/mdz095 2. Die Daten in dieser Pressemitteilung sind die endgültigen Daten, die auf dem ESMO Breast Cancer Congress 2019 veröffentlicht werden, aktualisiert aus dem ersten Abstract. 3. Abstract 102P_PR “Breast cancer early recurrences in young women” wird von Simona Cima im Rahmen der Poster Lunch Session am Freitag, den 3. Mai, 12:15 bis 13:00 Uhr in der Exhibition Area vorgestellt. Annals of Oncology, Volume 30, 2019 Supplement 3, 10.1093/annonc/mdz095
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