Haben Komapatienten mehr Bewusstsein als gedacht? 4. Februar 2026 Ärzte und Angehörige fragen sich oft, wie viel Komapatienten von ihrer Umwelt wahrnehmen. (Foto: © ABCreative – stock.adobe.com) Was können Menschen mit schweren Hirnschäden noch wahrnehmen? Was geht im Gehirn von Komapatienten vor sich? Diese und weitere Fragen diskutieren Experten auf der 40. Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin (ANIM 2026), die am 5. Februar in Dortmund startet. Im Jahr 2024 erregte eine große, über mehrere Jahre durchgeführte und im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie. In dieser zeigten 25 Prozent der untersuchten Komapatienten auf die Anweisung, sich vorzustellen, eine Hand zu öffnen und zu schließen oder eine Sportart auszuführen, minutenlang entsprechende Hirnaktivitäten. Aufnahmen funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) und Elektroenzephalographie (EEG) belegten die Reaktionen bei 60 von 241 Teilnehmenden. Auf der Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin (ANIM 2026) werden im Rahmen des Symposiums „Coma: Inside and outside the box“ neue Forschungsergebnisse zum Thema Koma nach akuter Hirnschädigung präsentiert. Erst seit Kurzem werden komatöse Patienten mit „cognitive-motor-dissociation“ beschrieben, die nicht auf äußere motorische Reize reagieren, bei denen es aber Hinweise auf ein erhaltenes Bewusstsein gibt. Dieses Phänomen wird in einem Symposium ausführlich beleuchtet. Welche Patienten können ihr Bewusstsein wiedererlangen? Während das Koma bisher als ein Zustand kompletter Bewusstlosigkeit definiert wurde, belegen nun neuere Studien, dass einige Komapatienten zwar nicht mit Sprache oder Bewegung auf verbale Anweisungen reagieren, diese aber hören und verstehen können. Referent Prof. Kirsten Möller, Kopenhagen (Dänemark), geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der Komapatienten bei Bewusstsein sind, dies aber nicht mitteilen können. Mithilfe von EEG und anderen computergestützten Techniken zur Hirnüberwachung identifiziert Dr. Jan Claassen von der Colombia University in New York (USA) Patienten mit schweren Hirnverletzungen, die bewusstlos wirken, deren Hirnaktivität aber einen wachen Zustand zeigt. Ziel der Studien ist es, diejenigen zu identifizieren, die ihr Bewusstsein wiedererlangen können. Es sind noch viele Fragen offen. Haben Komapatienten mit verborgenem Bewusstsein eine höhere Chance wieder aufzuwachen? Ist es vorstellbar, dass Patienten mit Bewusstseinsstörungen so klar und wach sind wie ein gesunder Mensch? Die aktuellen Studien deuten darauf hin, dass mehr bewusstseinsgestörte Patienten als gedacht etwas von dem mitbekommen, was um sie herum vorgeht. Das wirft ein neues Licht auf die zentrale ethische Frage, wie lang eine Therapie bei Komapatienten fortgeführt werden sollte. Wird die Behandlung abgebrochen und das Beatmungsgerät abgeschaltet, so stirbt der Patient.
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