Hämoglobin: Unterstützung der Lunge im Kampf gegen Grippeviren?

Das digital kolorierte Elektronenmikroskopie-Bild zeigt die ultrastrukturellen Details eines Influenzaviruspartikels. Das Influenzavirus gehört zur taxonomischen Familie der Orthomyxoviridae und ist ein einzelsträngiger RNA-Organismus. (Quelle: Frederick Murphy; Copyright: Frederick Murphy; via CDC Public Health Image Library, https://wwwn.cdc.gov/phil)

Hämoglobin kann wahrscheinlich mehr, als nur Sauerstoff durch den Körper zu transportieren: Es könnte auch Immunzellen in der Lunge helfen, Influenzaviren abzuwehren.

PD Dr. Torben Knuschke forscht an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen ab diesem bisher wenig beachteten Mechanismus mit Influenza-A-Viren. Er arbeitet außerdem am Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Essen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert sein im November 2026 startendes Projekt mit rund 220.000 Euro über drei Jahre. Die Gutachter betonen die wissenschaftliche Originalität des Vorhabens sowie seine klinische Relevanz.

Torben Knuschke (Copyright: Universitätsmedizin Essen)

In der Vergangenheit haben Untersuchungen gezeigt, dass alveoläre Makrophagen nach einer Infektion Hämoglobin bilden können. „Das in ihnen gebildete Hämoglobin könnte dazu beitragen, die Menge der Viren in einer Lunge zu begrenzen“, erläuter Knuschke. „Diese unerwartete Rolle finde ich spannend. Ich möchte herausfinden, wie dieses Effektor-Hämoglobin die Abwehr gegen Influenzaviren unterstützt.“

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Hämoglobin die Bildung von Typ-I-Interferonen verstärkt. Außerdem untersucht Knuschke, welche Signalwege die Hämoglobin-Bildung in den Immunzellen steuern. „Eine mögliche Rolle spielt die Thrombospondin-1/CD47-Achse. Sie ist ein molekulares Signalsystem, dessen Bedeutung für diesen Prozess noch geklärt werden muss“, ergänzt der Essener Experte für Infektionsimmunologie.

Neue Ansätze gegen schwere Atemwegsinfektionen

Knuschkes Forschung soll zudem zeigen, wie die Lunge Entzündungen und Gewebeschäden begrenzt. Langfristig könnten die Ergebnisse neue Ansatzpunkte für die Behandlung schwerer viraler Lungenentzündungen und für andere Atemwegserkrankungen liefern. Denkbar wäre, die Bildung von Hämoglobin in Abwehrzellen während einer Infektion gezielt und zeitlich begrenzt zu beeinflussen.