Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden!

Bild: ©Coloures-Pi – stock.adobe.com

Zur Verhinderung einer Schmerzchronifizierung hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. das „Ambulante Interdisziplinäre Multimodale Assessment“ (A-IMA) auf Basis des Projektes PAIN2020 entwickelt. Über einen Selektivvertrag mit der Krankenkasse Barmer können deren Versicherte diese neue Behandlungsform nun bundesweit in Anspruch nehmen.

„Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden, ist nötig und möglich“, erklärt apl. Prof. Winfried Meißner, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft. Mit A-IMA seien dafür jetzt die Voraussetzungen geschaffen worden, wie die Gesellschaft am Freitag bekannt gab: Ein Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten klärt dabei bereits nach sechs Wochen anhaltender Schmerzen gemeinsam ab, welche Therapie der Patient erhalten soll. Dies gebe die Chance, rechtzeitig eine geeignete Therapie einzuleiten.

Jetzt konnte die Gesellschaft die neue Behandlungsform A-IMA in einem Selektivvertrag mit der Krankenkasse Barmer vereinbaren. „Weitere Krankenkassen sind angefragt und eingeladen, ebenfalls mitzumachen“, heißt es von der Deutschen Schmerzgesellschaft, bei der es sich mit rund 3500 persönlichen Mitgliedern um die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz in Europa handelt. Derzeit können Barmer-Versicherte das A-IMA bundesweit in Anspruch nehmen, aktuell an über 10 Zentren, der Ausbau an über 25 Standorten sei für die nächsten Monate eingeleitet. „Wir sind stolz somit einen zentralen Baustein der vorherigen Versorgungsstudie PAIN2020 in die Angebotslandschaft des Deutschen Gesundheitswesens zu überführen“, sagt Meißner.

Um zu erforschen, wie Patienten vor einer Chronifizierung ihrer Schmerzen bewahrt werden können, ist im Rahmen des Projekts PAIN2020 in den letzten Jahren mit einer öffentlichen Förderung aus dem Innovationsfonds des G-BA in Höhe von rund 7 Mio. Euro der Nutzen des neuen A-IMA wissenschaftlich untersucht worden. Dr. Ulrike Kaiser, eine der wissenschaftlichen Projektleiterinnen der Konsortialpartner der Deutschen Schmerzgesellschaft, ergänzt: „Zentraler Inhalt der Studie, an der rund 1000 Patienten teilgenommen haben, war das Interdisziplinäre Multimodale Assessment.“ Aufgrund der vielversprechenden Erkenntnisse des Projektes ist es der Deutschen Schmerzgesellschaft nunmehr gelungen, zentrale Inhalte der Studie regelhaft in die Patientenversorgung in Deutschland zu überführen und dazu einen entsprechenden Versorgungsvertrag anzubieten. Teilnehmende Einrichtungen verpflichten sich zudem zu besonderen Maßnahmen der Qualitätssicherung. Dabei werden auch Patientenerfahrungen und -einschätzungen regelmäßig erfasst sowie eine Qualitätsberichtserstattung systematisiert. Zusätzlich gibt es besondere Anforderungen an die Qualifikationen der Behandlerinnen und Behandler.

„Weitere gesetzliche Krankenkassen wie etwa Ortskrankenkassen, Betriebskrankenkassen, die Techniker Krankenkasse, IKK, KKH oder aber alle anderen gesetzlichen Krankenversicherungen sind eingeladen, sich dieser erfolgreichen neuen Versorgungsform für ihre Versicherten anzuschließen und deren Leiden zu reduzieren“, ergänzt Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft. „Das A-IMA ist eine wichtige Etappe, zur Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland“, so Isenberg. Weitere Module würden folgen.

Für die Zukunft plant die Deutsche Schmerzgesellschaft eigenen Angaben zufolge ergänzend zur neuen interdisziplinären Diagnostik des A-IMA ein maßgeschneidertes ambulantes Kurzzeitprogramm. Dieses könne beispielsweise berufsbegleitend in einem frühen Stadium von Schmerzen durchgeführt werden. Derartige Maßnahmen wurden ebenfalls im Projekt PAIN2020 sondiert und „werden in den nächsten 3 Jahren systematisch in einem weiteren Innovationsfondsprojekt der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und ihrer Partner aus Mitteln des Innovationsfonds im Rahmen des Projektes PAIN2.0 erprobt werden“, erklärt die Gesellschaft.