Harnwegsinfektionen bei älteren Menschen

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Ältere Patienten mit einer Harnwegsinfektion (HWI) sollen frühzeitig Antibiotika erhalten. Insbesondere im Zusammenhang mit einer Zunahme von Escherichia-coli-Infektionen der Blutbahn befürworten dies die Autoren.

In ihrer Studie war das Nicht- oder verzögerte Verschreiben von Antibiotika mit einem signifikanten Anstieg von Blutbahninfektionen und der Gesamtsterblichkeit verbunden, im Vergleich zu einer sofortigen Antibiotikumtherapie.

Die retrospektive Studie beinhaltete Datensätze der Jahre 2007–2015. Insgesamt wurden 157.264 Erwachsene im Alter von 65 Jahren oder älter in die Auswertung aufgenommen. Es kam zu 312.896 HWI-Episoden. Kein Antibiotikum wurde bei 7,2 % (n=22.534) verschrieben und 6,2 % (n=19.292) erhielten dieses erst im späteren Verlauf. Bei 1539 HWI-Episoden (0,5 %) kam es innerhalb von 60 Tagen zu einer Blutbahninfektion. Die Rate war signifikant höher bei den Patienten, die kein Antibiotikum verschrieben bekamen (2,9 %; n=647) und bei denen, die innerhalb von 7 Tagen nach der ersten Konsultation ihren Hausarzt erneut aufsuchten und dann ein Antibiotikum erhielten, im Vergleich zu denjenigen, die bereits bei der ersten Konsultation ein Rezept für ein Antibiotikum bekamen (2,2 % vs 0,2 %; p=0,001).

Die Patienten in der Gruppe mit verzögerter Antibiotikagabe erlebten signifikant häufiger eine Blutbahninfektion (angepasste Odds Ratio [aOR] 7,12; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 6,22–8,14). Ebenso war es in der Gruppe ohne Antibiotika (aOR 8,08; 95 %-KI 7,12–9,16). Für das Auftreten einer Blutbahninfektion war die Number Needed to Harm (NNH) geringer (größeres Risiko) für die Gruppe ohne Antibiotika (NNH=37), als für die Gruppe mit verzögerter Antibiotikagabe (NNH=51), im Vergleich zur Gruppe mit direkter Gabe.

Die Rate der Krankenhauseinweisungen war bei der Gruppe ohne Antibiotika (27,0 %) und verzögerter Antibiotikagabe (26,8 %) etwa doppelt so hoch wie bei der Gruppe mit direkter Gabe (14,8 %; p=0,001). Zu jeder Zeit während des 60-Tage-Follow-ups war das Gesamtsterblichkeitsrisiko bei verzögerter und keiner Antibiotikagabe signifikant höher als bei sofortiger Antibiotikagabe (aOR 1,16; 95 %-KI 1,06–1,27 und aOR 2,18; 2,04–2,33). Männer über 85 Jahre waren sowohl für eine Blutbahninfektion, als auch Gesamtsterblichkeit innerhalb von 60 Tagen nach HWI-Diagnose besonders gefährdet.

Fazit
Das Nicht- oder verzögerte Verschreiben von Antibiotika war mit einem signifikanten Anstieg von Blutbahninfektionen und der Gesamtsterblichkeit verbunden. (jh)

Autoren: Gharbi M et al.
Korrespondenz: Prof. Paul Aylin, NIHR Health Protection Research Unit, London, Großbritannein; [email protected]
Studie: Antibiotic management of urinary tract infection in elderly patients in primary care and its association with bloodstream infections and all cause mortality: population based cohort study
Quelle: BMJ 2019 Feb;364:l525.
Web: dx.doi.org/10.1136/bmj.l525