Hartmannbund-Umfrage unter Assistenzärzten: Kritik an Personalsituation, Arbeitszeiten, mangelnder Digitalisierung21. August 2024 Bei der aktuellen Assistenzärzt:innen-Umfrage des Hartmannbundes wurde viel Kritik an den Arbeitgebern laut. (Foto: © bnenin/stock.adobe.com) Die Arbeitsbelastung für Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung stellt sich laut einer aktuellen Umfrage des Hartmannbundes weiterhin als problematisch dar ‒ auch beim Umgang mit ärztlicher Arbeitszeit. Wo die Probleme im Detail liegen, macht die vom Hartmannbund durchgeführte Befragung deutlich, an der sich in den vergangenen Wochen rund 500 junge Ärztinnen und Ärzte beteiligt haben. Darin gaben laut einer Mitteilung des Berufsverbandes 70 Prozent der Befragten an, die gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten nicht einhalten zu können. Trotz entsprechender EU-Gesetzgebung sei die Dokumentation von Überstunden für mehr als 40 Prozent der angestellten jungen Ärztinnen und Ärzte nicht oder nur eingeschränkt möglich. Die Gründe dafür sind laut dem Hartmannbund offensichtlich weitestgehend einheitlich: Entweder verhindern die digitalen Systeme oder die Chefetage die Dokumentation. „Wer Überstunden macht, ist nicht auf Facharztniveau und bekommt kein Zeugnis vom Chef“, lautete eine Formulierung in der Umfrage. Beispiele wie dieses fänden sich immer wieder in den Freitextantworten der Umfrage-Teilnehmer, erklärt der Hartmannbund. „Das zeigt, dass wir endlich den schon lange überfälligen Kulturwandel im Krankenhaus brauchen”, betont Dr. Caroline Rinkel, Sprecherin des Assistenzärzt:innenausschusses des Hartmannbundes und ergänzt: “Die bestehenden Personalprobleme in der Patientenversorgung können wir nicht langfristig durch unbezahlte Überstunden ausgleichen, sondern nur durch ein effizienteres System, eine optimierte Arbeitsweise und – mehr Personal.“. Mangelhafte Personalsituation angeprangert Tatsächlich bezeichneten mehr als 40 Prozent der Befragten die Personalsituation bei ihrem Arbeitgeber als mangelhaft. Immerhin mehr als jedem zehnten Weiterzubildenden fehlt laut den Umfrageergebnissen eine Ansprechperson für fachliche Fragen. Es sei also nicht verwunderlich, dass 36 Prozent der Betroffenen bereits über einen Berufswechsel nachdächten, heißt es seitens des Hartmannbundes. Neben dem Personalmangel werde dieser Gedankengang überwiegend mit einer hohen Dienstbelastung und wenig Freizeit, wenig Zeit für die ärztliche Weiterbildung und mangelnder Wertschätzung begründet.Trotz der angespannten Personalsituation scheinen die meisten Arbeitgeber noch keine Notwendigkeit für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu sehen, so die Einschätzung des Hartmannbundes. Etwa 86 Prozent der Befragten besitzen laut eigenen Angaben keine Möglichkeit für Telearbeit, in Prozessoptimierungen werden offenbar nur 17 Prozent eingebunden und nur 24 Prozent der Befragten berichtete über Angebote zur Stressreduktion oder Prävention. Das Problem bei solchen Angeboten, wenn sie denn vorliegen: Sie können laut den Befragten aus Zeitgründen oftmals nicht wahrgenommen werden. Nachholbedarf in puncto Digitalisierung Auch im Bereich Digitalisierung geht es laut der Auswertung der Hartmannbund-Umfrage nur langsam voran. Doppeldokumentationen gehörten für 70 Prozent immer noch zum Arbeitsalltag, und ein Diensthandy stehe nur etwa der Hälfte der Umfrageteilnehmenden zur Verfügung, ein Tablet sogar nur zehn Prozent. Für mehr als 90 Prozent gehörten Probleme mit der IT-Infrastruktur zum ganz normalen Arbeitsalltag. Für Jan Baumann, ebenfalls Sprecher des Ausschusses, ist klar: „Die Arbeitgeber und die technische Ausstattung vieler Kliniken sind irgendwo im vergangenen Jahrzehnt stehengeblieben. Die Bedingungen entsprechen nicht mehr unserer Zeit. Es braucht funktionierende Arbeitszeitmodelle, New-Work-Ansätze, Homeoffice-Möglichkeiten und eine riesige Veränderung in Sachen Digitalisierung, damit junge Ärztinnen und Ärzte auch nach Erreichung des Facharztes gerne in den Kliniken weiterarbeiten. Zurzeit kann sich das nur etwa ein Viertel vorstellen. Damit werden wir die Versorgung unserer Patient:innen nicht bewältigen können – nicht zuletzt mit Blick auf eine immer älter werdende Gesellschaft. Wir brauchen Veränderungen – jetzt.“ Die vollständigen Ergebnisse der Befragung stehen als PDF zur Verfügung.
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