Hautkrebsscreening in Deutschland: Kohortenstudie bestätigt Vorteile

© LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com (Symbolbild)

Das deutsche Programm zum Hautkrebsscreening wurde 2008 mit dem Ziel eingeführt, die Hautkrebssterblichkeit zu senken. Die Wirksamkeit und das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Programms sind jedoch nach wie vor unklar.

Ziel einer aktuell publizierten Untersuchung war der Vergleich der Sterblichkeitsraten von Patienten mit Melanomen, die an dem Screeningprogramm teilnahmen mit denen, die nicht an dieser Maßnahme zur Hautkrebsfrüherkennung teilnahmen. Eine retrospektive Kohortenstudie, basierend auf pseudonymisierten Krankenkassendaten von 1.431.327 Personen aus Sachsen wurde für den Zeitraum 2010–2016 durchgeführt.

Patienten mit prävalentem und inzidentem Melanom wurden anhand von Diagnosen, medizinischen Verfahren sowie Verordnungen definiert. Patienten, die sich einem Screening unterzogen und bei denen innerhalb von 2 Jahren nach dem Screening eine Erstdiagnose eines Melanoms gestellt wurde, wurden der Interventionsgruppe zugewiesen. Unter Anwendung der relativen Überlebensrate und mittels Cox-Regression wurden mögliche Unterschiede hinsichtlich der Sterblichkeit bewertet.

Die Autoren identifizierten 4552 Personen mit prävalentem und 2475 Personen mit inzidentem Melanom. Der Prozentsatz der Screening-Teilnehmer (n=1801), die lokoregionäre (4,2% vs. 13,5%) und/oder Fernmetastasen (4,3% vs. 8,0%) hatten oder mit systemischen Krebstherapien behandelt wurden (11,6% vs. 21,8%), war niedriger als bei den Nichtteilnehmern (n=674). Screening-Teilnehmer hatten signifikant bessere Überlebensraten. Das unbereinigte Cox-Modell ergab einen Risikoquotienten (HR) von 0,37 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,30–0,46).

Fazit
Anhand der Studienergebnisse kommen die Autoren zu der Schlussfolgerung, dass Patienten, die am Screening-Programm teilnahmen, eine niedrigere Sterblichkeitsrate aufwiesen als diejenigen, die sich keinem Screening unterzogen hatten. Diese Ergebnisse seien jedoch möglicherweise auf eine Verzerrung durch gesunde Vorsorge und/oder eine mit dem Screening verbundene Überdiagnose zurückzuführen und nicht auf das Screening selbst. (am)

Autoren: Datzmann et al.
Korrespondenz: Thomas Datzmann; [email protected]
Studie: Are patients benefiting from participation in the German skin cancer screening programme? A large cohort study based on administrative data
Quelle: Br J Dermatol 2022 Jan;186(1):69–77.
Web: https://doi.org/10.1111/bjd.20658