Hautmykosen: Zistrosenextrakt zeigt fungizide Aktivität

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Ein polyphenolreicher Extrakt aus Cistus salviifolius zeigte gegen mehrere Dermatophyten fungizide Aktivität und verringerte die Pilzinfektion in einem Modell rekonstruierter humaner Epidermis.

Dermatophyten sind Pilze, die keratinreiche Gewebe wie Haut, Haare und Nägel besiedeln können und Infektionen verursachen, darunter verschiedene Formen der Dermatophytose. Die Forschenden stellten den polyphenolreichen Extrakt aus Pflanzen her, die in den Gärten der Universidad Miguel Hernández de Elche (UMH) in Spanien kultiviert worden waren, und prüften dessen Aktivität gegen verschiedene Pilzarten.

Besonders empfindlich waren Dermatophyten, vor allem Trichophyton rubrum, einer der wichtigsten Erreger kutaner Dermatophytosen, sowie Microsporum canis, das vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Dagegen zeigte der Extrakt in den geprüften Konzentrationen keine antimykotische Aktivität gegen Hefen wie Candida albicans. Ihre Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe im „Journal of Ethnopharmacology“ veröffentlicht.

Inhaltsstoffe mit potenzieller antimykotischer Wirkung

Die untersuchte Zistrosenart, die Salbeiblättrige Zistrose (Cistus salviifolius L.), ist ein widerstandsfähiger, sonnenliebender immergrüner Strauch des Mittelmeerraums. In verschiedenen Regionen wurde sie traditionell in topischen Zubereitungen zur Behandlung von Wunden, Entzündungen und Hautinfektionen verwendet. „Die traditionelle Medizin liefert uns Hinweise, doch müssen wir experimentell klären, was diesen Anwendungen zugrunde liegt, welche biologischen Prozesse tatsächlich stattfinden und unter welchen Bedingungen sie nützlich sein können“, erklärt Prof. Vicente Micol Molina aus Elche.

Bevor die Wirkung gegen Pilze geprüft wurde, hatte das Team die Zusammensetzung des Extrakts analysiert. Der Extrakt bestand vorwiegend aus Polyphenolen, darunter Tannine und Flavonoide. Die quantitative Analyse ergab einen Anteil hydrolysierbarer Tannine von 32,8 Gewichtsprozent und einen Flavonoidanteil von 1,3 Gewichtsprozent. Zu den häufigsten Einzelverbindungen zählten Punicalagin, Myricetin-Hexosid, Quercetin-Glucosid und Ellagsäure-7-xylosid.

Elektronenmikroskopische Hinweise auf Zellschäden

Zur Untersuchung des Wirkmechanismus analysierten die Forschenden behandelte Pilze elektronenmikroskopisch. Die Aufnahmen zeigten ausgeprägte Veränderungen: große Vakuolen, eine Desorganisation des Zellinneren, eine Ablösung der Zellmembran von der Zellwand sowie Zelltrümmer außerhalb der Zellen. Dies legt nahe, dass ein Teil der Zellen Zellbestandteile verlor oder lysierte. Die Autoren vermuten, dass der Extrakt mehrere zelluläre Prozesse der Pilze gleichzeitig stören könnte. Welche Inhaltsstoffe hierfür verantwortlich sind, muss jedoch noch untersucht werden.

„Wir beobachteten, dass das Pilzwachstum zum Erliegen kommt und die Zellen erhebliche Schäden erleiden. Das hilft uns zu verstehen, warum der Zistrosenextrakt fungizide Aktivität besitzt, und ermöglicht es uns, die daran beteiligten spezifischen Mechanismen zu untersuchen“, sagt Erstautor Francisco Javier Álvarez Martínez aus Elche.

Der Extrakt wurde außerdem an rekonstruierter humaner Epidermis untersucht. Dieses Gewebe wird im Labor aus primären humanen Keratinozyten, den vorherrschenden Zellen der Epidermis, hergestellt. Die Forschenden infizierten das Modellgewebe mit Dermatophyten, um zu prüfen, ob die Behandlung die Infektion abschwächen und die epidermale Barriere schützen kann.

Reduzierte Pilzlast im Epidermismodell

Nach topischer Anwendung reduzierte der Zistrosenextrakt im Modell die Pilzlast und die Invasion des Stratum corneum, erhielt die Integrität der epidermalen Barriere und verringerte die Freisetzung der proinflammatorischen Zytokine Interleukin(IL)-1α und IL-8. Besonders eindeutig waren die Effekte bei Infektion mit T. rubrum. Im Modell mit T. mentagrophytes senkte eine Behandlung 24 Stunden nach Infektion ebenfalls die Pilzlast, die Zytokinfreisetzung und das Ausmaß der Infektion. Eine präventive Anwendung vor der Infektion zeigte dagegen nur bei T. rubrum, nicht jedoch bei T. mentagrophytes, einen Schutz.

In der standardisierten Empfindlichkeitsprüfung nach EUCAST zeigten T. rubrum und M. canis die niedrigsten minimalen Hemmkonzentrationen von jeweils 78 mg/l; für T. mentagrophytes betrug sie 313 mg/l. Bei den geprüften Dermatophyten entsprachen die minimalen fungiziden Konzentrationen den jeweiligen minimalen Hemmkonzentrationen. Gegen Candida albicans, Candida parapsilosis und Saccharomyces cerevisiae wurde bis zur höchsten geprüften Konzentration von 10.000 mg/l keine antimykotische Aktivität festgestellt. Der Extrakt war somit unter den Versuchsbedingungen selektiv gegen Dermatophyten aktiv und nicht als Breitbandantimykotikum gegen Hefen zu bewerten.

Die Studie ergab zudem antioxidative Aktivität sowie eine Hemmung von Kollagenase, Elastase und Hyaluronidase. Diese Ergebnisse sprechen für weiterführende Untersuchungen des C.-salviifolius-Extrakts zur Entwicklung möglicher topischer Formulierungen wie Cremes oder Hydrogele. Die vorliegenden In-vitro-Daten zur Enzyminhibition und antioxidativen Aktivität erlauben jedoch keine Aussage über eine regenerative, hautstraffende oder antiagingbezogene Wirksamkeit.

Der Extrakt wurde bislang nicht als Behandlung beim Menschen geprüft. Als nächste Schritte planen die Autoren Untersuchungen an resistenten Pilzstämmen, die Entwicklung geeigneter Formulierungen sowie die Überprüfung von Sicherheit und Wirksamkeit zunächst in Tiermodellen und anschließend in klinischen Studien. (ins)