Helicobacter-pylori-Infektion und Entwicklung von Dickdarmkrebs: Infektion ist ein starker kausaler Promoter

MÜNCHEN (Biermann) – Eine Infektion mit Helicobacter pylori ist die weltweit häufigste bakterielle Infektion. Sie ist nicht nur der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs, sondern epidemiologische Daten zeigen auch, dass infizierte Personen ein fast 2-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines KRK haben. Eine direkte kausale und funktionelle Assoziation zwischen der H.-pylori-Infektion und Dickdarmkrebs ist nicht bekannt.

Münchner Forschende haben nun 2 Mausstämme, die eine Mutation in dem Tumorsuppressor-Gen APC (Adenomatöses Polyposis Coli) tragen, sowie C57BL/6-Mäuse mit H. pylori infiziert. Sie führten eine umfassende Analyse der durch H. pylori verursachten Veränderungen der intestinalen Immunreaktionen und der Epithelsignaturen mittels Chip-Zytometrie, Durchflusszytometrie, Immunhistochemie und Einzelzell-RNA-Sequenzierungen durch. Zudem charakterisierten sie die mikrobiellen Signaturen in keimfreien Mäusen und nach Stuhltransferexperimenten.

In den APC-mutierten Mäusen beschleunigte eine H.-pylori-Infektion die Tumorentwicklung. Die Forscher identifizierten eine spezifische, durch H. pylori ausgelöste Signatur von Immunveränderungen, die durch eine Reduktion regulatorischer und pro-inflammatorischer T-Zellen gekennzeichnet ist. Darüber hinaus induzierte H. pylori im Darm- und Kolonepithel prokarzinogene STAT(Signal Transducer and Activator of Transcription)-3-Signale und einen Verlust von Becherzellen − Änderungen, die nachweislich in Kombination mit pro­inflammatorischen und schleimabbauenden mikrobiellen Signaturen zur Tumorentwicklung beitragen.

Ähnliche immunologische und epitheliale Veränderungen konnten in menschlichen Dickdarm-Biopsien von Patienten mit einer H.-pylori-Infektion festgestellt werden. Die Zucht von APC-mutierten Mäusen unter keimfreien Bedingungen verbesserte die Situation und eine frühe antibiotische Eradikation der Infektion normalisierte die Tumorinzidenz auf das Niveau gesunder Tiere.

Eine H.-pylori-Infektion ist somit laut Aussage der Studienautoren ein starker kausaler Promotor für die Entstehung von KRK. Daher sollte der H.-pylori-Status zukünftig bei Präventivmaßnahmen für KRK in Betracht gezogen werden. (je)

Autoren: Ralser A et al.
Korrespondenz: Markus Gerhard; [email protected]
Studie: Helicobacter pylori promotes colorectal carcinogenesis by deregulating intestinal immunity and inducing a mucus-degrading microbiota signature
Quelle: Gut 2023;72(7):1258–1270.
doi: 10.1136/gutjnl-2022-328075