HER2+ Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium: Immunisierung mit Plasmid-DNA mit der Bildung spezifischer T-Zellen assoziiert

SEATTLE (Biermann) – Hohe Konzentrationen von HER2-spezifischen Typ-1-T-Zellen im peripheren Blut sind nach einer Trastuzumab-Therapie mit günstigen klinischen Ergebnissen assoziiert. Allerdings entwickeln nur wenige Patienten eine messbare HER2-Immunität. Impfstoffe, die HER2-spezifische T-Helferzellen erhöhen, könnten aber vielleicht eine HER2-Immunität induzieren.

Mary Disis von der University of Washington (USA) und ihre Kollegen setzten es sich in ihrer Studie zum Ziel, die Sicherheit und Immunogenität von 3 Dosen (10, 100 und 500 μg) eines Plasmid-basierten Impfstoffes, der die intrazelluläre Domäne (ICD) von HER2 kodiert, zu bestimmen. Es stellte sich heraus, dass eine Immunisierung mit der 100-μg-Dosis des HER2-ICD-Plasmid- basierten Impfstoffs bei den meisten Patientinnen mit der Bildung von HER2-spezifischen Typ- 1-T-Zellen assoziiert war.

Bei der Studie handelte es sich um eine 1-armige Phase-I-Studie mit 66 Patientinnen (medianes Alter 51 Jahre; Spanne 34–77) mit HER2+ Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Aufnahme der Patientinnen erfolgte nacheinander in 3 Dosisarme (10, 100 oder 500 μg Plasmid-DNA). Der Impfstoff wurde 3-mal jeweils 1-mal im Monat intradermal mit löslichem Granulozyten- Makrophagen-Kolonie-stimulierenden Faktor als Adjuvans verabreicht.

Die Toxizitätsbewertungen fanden über 10 Jahre in festgelegten Intervallen sowie jährlich statt. Periphere mononukleäre Blutzellen sammelten die Autoren zur Bewertung der Immunität. Biopsien an der Impfstelle dienten in den Wochen 16 und 36 zur Messung der DNA-Persistenz. Die Sicherheit bewerteten sie anhand der Common Terminology Criteria for Adverse Events (Version 3.0) und die HER2-ICD-Immunantworten maßen sie mit einem Interferon-γ-Enzymgekoppelten Immunabsorptionsassay. Zudem prüften sie, ob die Dosis mit der Immunität und Persistenz der Plasmid-DNA an der Impfstelle assoziiert war.

Die Mehrheit der impfstoffbedingten toxischen Wirkungen war vom Grad 1 und 2 und unterschied sich nicht signifikant zwischen den Dosisarmen. Nach Anpassung an Baseline-Faktoren hatten Patientinnen im Dosisarm 2 (100 μg) und 3 (500 μg) zu den meisten Zeitpunkten stärkere HER2-ICD-Typ-1-Immunantworten als jene im Arm 1 (10 μg; Arm 2 vs. 1 Koeffizient 181; 95 %-KI 60–303; P=0,003 und Arm 3 vs. 1 Koeffizient 233; 95 %-KI 102–363; P<0,001). Es zeigte sich, dass die HER2-ICD-Immunität zu Zeitpunkten nach dem Ende der Immunisierungen bei DNA-Persistenz in Woche 16 im Durchschnitt signifikant niedriger war als ohne Persistenz. Die höchste Dosis war zudem mit der größten Inzidenz von persistenter DNA an der Injektionsstelle assoziiert. (sh) 

Autoren: Disis MLN et al.
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Studie: Safety and Outcomes of a Plasmid DNA Vaccine Encoding the ERBB2 Intracellular Domain in Patients With Advanced-Stage ERBB2-Positive Breast Cancer: A Phase 1 Nonrandomized Clinical Trial
Quelle: JAMA Oncol 2023;9(1):71–78.
Web: www.doi.org/10.1001/jamaoncol. 2022.5143