Herantasten an die Berührungswahrnehmung im Gehirn3. Januar 2020 Foto: ©Tatyana – stock.adobe.com Mehr als zehn Prozent der Großhirnrinde sind an der Verarbeitung von Informationen unseres Tastsinns beteiligt – ein größerer Bereich als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Ruhr-Universität Bochum. Ein aufmunterndes Schulterklopfen oder ein weicher Pullover auf der Haut – auch Dinge, die wir nicht aktiv mit den Händen erkunden, nehmen wir über unsere Körperwahrnehmung wahr. “Welche Gehirnareale für diese Berührungswahrnehmung zuständig sind, ist jedoch noch weitestgehend unbekannt”, sagt PD Dr. Burkhard Pleger, Neurologe an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil in Bochum und Mitautor der Studie. Um dieser Frage nachzugehen, haben er und seine Kollegen aus Leipzig die Gehirne von 70 PatientInnen mittels struktureller Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Die StudienteilnehmerInnen litten infolge einer Verletzung oder eines Schlaganfalls unter einer gestörten Körperwahrnehmung, wie beispielsweise der Hypästhesie, bei der das Druck- und Berührungsempfinden der Haut eingeschränkt ist. In der aktuellen Studie identifizierten die WissenschaftlerInnen verschiedene Bereiche, die mit einem eingeschränkten Berührungsempfinden zusammenhingen. Dabei konnten sie einige Erkenntnisse aus einer früheren Läsionsstudie zur Körperwahrnehmung stützen und auch neue Hirnareale ausfindig machen, die man zuvor noch nicht mit der Wahrnehmung von Berührungen in Verbindung gebracht hatte. Neue Erkenntnisse über das Netzwerk im Gehirn Die Forscher konnten zeigen, dass die Berührungswahrnehmung nicht nur im somatosensorischen Cortex stattfindet, sondern auch Teile des präfrontalen Cortex und des hinteren Scheitellappens in diese Sinneswahrnehmung involviert sind – Hirnregionen, von denen man weiß, dass sie für die Aufmerksamkeitsfokussierung und die Körperwahrnehmung essenziell sind. “Die Studie zeigt, dass das für die Wahrnehmung von Hautberührungen zuständige Hirnnetzwerk viel komplexer ist als bisher angenommen”, sagte Pleger. Originalveröffentlichung: Rullmann M et al.: Prefrontal and parietal contributions to the perceptual awareness of touch. Scientific Reports 2019;9:16981.
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