Herz-Kreislauf-Risiken bei Rheuma gezielter erkennen und behandeln7. Juli 2026 Bild: H_Ko – stock.adobe.com Die neu veröffentlichte S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen“ gibt praxisnahe Empfehlungen für Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung kardiovaskulärer Risiken bei Menschen mit rheumatischen Erkrankungen. „Bei einzelnen Erkrankungen und Risikokonstellationen erreicht das Risiko eine Größenordnung, die mit anderen Hochrisikokonstellationen wie Diabetes mellitus vergleichbar ist“ sagt der Koordinator der Leitlinie, Prof. Jan Leipe, leitender Rheumatologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Kardiovaskuläre Risiken würden bei Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im Versorgungsalltag noch nicht immer ausreichend strukturiert erhoben, meint Leipe. „Die Leitlinie soll helfen, Blutdruck, Blutfette, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und weitere Risikofaktoren regelmäßig zu erfassen, konsequent zu behandeln und vermeidbare Herz-Kreislauf-Ereignisse zu verhindern.“ Kontrolle der rheumatischen Entzündung kann kardiovaskuläres Risiko senken Die Empfehlungen richten sich an alle medizinischen Fächer, die erwachsene Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen versorgen. Sie umfassen wichtige Erkrankungsgruppen wie entzündliche Arthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden. Neben der wiederholten Einschätzung des Gesamtrisikos für Herz-Kreislaufereignisse betont die Leitlinie die Bedeutung der Kontrolle der rheumatischen Entzündung. Denn die Krankheitsaktivität selbst kann zum kardiovaskulären Risiko beitragen kann. Krankheitsmodifizierende Therapien unter dem Aspekt kardiovakulärer Sicherheit Die Leitlinie bewertet auch antirheumatische Therapien unter kardiovaskulären Gesichtspunkten. Glukokortikoide und nichtsteroidale Antirheumatika sollten möglichst niedrig dosiert und so kurz wie möglich zum Einsatz kommen. Für mehrere krankheitsmodifizierende Therapien fasst das Dokument Hinweise zur kardiovaskulären Sicherheit und zu potenziell günstigen Effekten zusammen. Präventionsmaßnahmen für den Schutz von Herz und Kreislauf wie Blutdruck-, Fett- und antithrombotische Therapie sollen sich an den jeweils gültigen Fachleitlinien orientieren. Interdisziplinärer Ansatz und klare Gestaltung der Behandlungswege Rheumatologie ist Systemmedizin. Deshalb darf die Versorgung nicht bei der Kontrolle von Gelenk- oder Organmanifestationen stehen bleiben“, sagt Prof. Ulf Wagner, Präsident der DGRh und Leiter des Bereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Die neue S3-Leitlinie stärkt den interdisziplinären Blick auf Herz und Gefäße und bietet eine Grundlage, um Schnittstellen zwischen Rheumatologie, hausärztlicher Versorgung, Innerer Medizin und kardiovaskulären Fächern zu verbessern.“ Die DGRh sieht in der Leitlinie einen wichtigen Schritt, um kardiovaskuläre Prävention bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen verbindlicher in der klinischen Praxis zu verankern. Ziel sei es, Risiken früher zu erkennen, Behandlungswege klar zu gestalten und langfristig Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei dieser Patientengruppe zu verringern, so Wagner. Die Leitlinie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. (DGRh) entwickelt. Beteiligt waren Expertinnen und Experten aus den für das Thema relevanten Fächern und der Deutschen Rheuma-Liga als Patientenorganisation. Auch interessant: Therapie mit JAK-Inhibitoren: Langzeitregister zeigt keine vermehrten schweren kardiovaskulären Ereignisse Rheuma: Herz und Gefäße leiden oft mit
Mehr erfahren zu: "Neue DiGA-Abschläge: „Mehr Bürokratie, weniger Planungssicherheit”" Neue DiGA-Abschläge: „Mehr Bürokratie, weniger Planungssicherheit” Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV) hat die geplanten zusätzlichen Vergütungsabschläge für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) kritisiert. Mengenabschläge und erfolgsabhängige Vergütung sollen erst ab 2027 greifen.
Mehr erfahren zu: "Neue Perspektive bei komplizierten Knochen- und Implantatinfektionen" Neue Perspektive bei komplizierten Knochen- und Implantatinfektionen Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sieht Potenzial in der Bakteriophagentherapie. Die Fachgesellschaft ist sowohl an der Konsensusleitlinie zur personalisierten Bakteriophagentherapie als auch der in „Nature Medicine“ veröffentlichten […]
Mehr erfahren zu: "Embolisation bei schwerem Nierentrauma mit besseren klinischen Ergebnissen verbunden" Embolisation bei schwerem Nierentrauma mit besseren klinischen Ergebnissen verbunden Im Vergleich zu einer Nephrektomie kann eine Embolisation bei zunächst hämodynamisch stabilen Traumapatienten mit schweren Nierenverletzungen das Risiko für eine akute Nierenschädigung und die Krankenhaussterblichkeit deutlich senken. Das geht aus […]